Nordische Kombination: Weltmeister auf Kinderschanze

Nordische Kombination
Weltmeister auf Kinderschanze

Will Ronny Ackermann bei den Olympischen Spielen auf dem Treppchen landen, muss er an seinen Sprüngen arbeiten. Genau das tut er jetzt. Auf der Kinderschanze fängt er noch einmal ganz von vorn an.

HB BERCHTESGARDEN. Doppel-Weltmeister Ronny Ackermann soll auf der Kinderschanze die verloren gegangene Olympia-Form wiederfinden. In mühsamer Kleinarbeit hat Bundestrainer Hermann Weinbuch auf dem Rossfeld-Skihang von Berchtesgaden drei Schneehügel gebaut, auf denen man höchstens zehn Meter weit springen kann. Eine Absperrung soll verhindern, dass Skitouristen ab Freitag den improvisierten Neuanfang des Kombinierer-Königs drei Wochen vor den Winterspielen stören.

"Wir gehen zurück zum absoluten Ursprung, an dem die Kinder springen lernen. Das hat es in der Karriere von Ronny noch nie gegeben. Aber er muss einen eingeschliffenen Bewegungsablauf beim Absprung ändern, und das geht nur so", begründet Schanzenbaumeister Weinbuch den spektakulären Plan.

Während seine Kollegen beim Weltcup am Wochenende im tschechischen Harrachov um den Sieg kämpfen, soll Ackermann in den drei Tagen bis Sonntag das Springen neu lernen. Erst, wenn Weinbuch mit den Fortschritten auf den Schneehügeln zufrieden ist und sein Schützling "mit dem ganzen Fuss nach oben abspringt", darf der Champion auf die 30-m-Schanze und später auf einen 60-m-Bakken. Ackermann, der sich immer vor einem Start auf kleineren Anlagen geziert hat, ist in seiner Not mit der Rückkehr zu den Anfängen von vor 20 Jahren einverstanden.

Mit den Plätzen 16 und 11 beim Weltcup in Val di Fiemme war er trotz starker Laufleistungen meilenweit vom Siegertreppchen entfernt. "Natürlich würde Ronny gern Olympiasieger werden, das ist der einzige Titel, der ihm noch fehlt. Er weiß genau, dass die Sprungform stimmen muss, ansonsten geht der Schuss nach hinten los", erzählt Weinbuch.

Dabei soll Ackermann auch ein neuer Ski helfen, der nach den Anweisungen des Cheftrainers gebaut wurde. "Ronny braucht Latten, die schneller angreifen, deshalb habe ich die Skispitze breiter machen lassen", erzählt Weinbuch. Um die Sprungschuhe von Ackermann flexibler zu gestalten, wurde zudem die Knickstelle an der Sohle von Wissenschaftlern bearbeitet. Alles Hightech hilft aber nicht, wenn das Sondertraining auf der Pionierschanze nicht fruchtet.

Am Montag wird Ackermann in jedem Fall gemeinsam mit Björn Kircheisen, Georg Hettich, Jens Gaiser und zwei weiteren deutschen Kollegen für Olympia eingekleidet. Danach geht es ins gemeinsame Vorbereitungscamp in St. Moritz, ehe der letzte vorolympische Weltcup in Seefeld ansteht.

"Wenn es gut aussieht, ist Acker dort dabei, ansonsten müssen wir halt nochmal trainieren", sagt Weinbuch. Der Bundestrainer ist bislang "nur leicht beunruhigt", schließlich kämpfte sein Musterschüler auch vor der WM vor knapp einem Jahr um seine Sprungform und wurde dann in Oberstdorf zweimal Weltmeister.

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