Nordische Kombination WM
"Mit ein bisschen Glück ist vieles möglich"

In der WM-Vorbereitung wurde Ronny Ackermann von einem Virus zurückgeworfen. Dennoch gibt sich der Kombinierer im sid-Interview optimistisch: "Die Devise heißt volle Attacke."

Vor Beginn der Nordischen Ski-WM in Liberec äußert sich Ronny Ackermann im aktuellen sid-Interview zu seinen Chancen. Die Vorbereitung lief für den viermaligen Kombinierer-Weltmeister aufgrund einer Viruserkrankung alles andere als optimal. Dennoch gibt sich Ackermann kämpferisch: "Ich gehe positiv rein. Die Devise heißt volle Attacke."

sid: "Ronny Ackermann, wie fühlt sich der erfolgreichste deutsche Skisportler der nordischen WM-Geschichte nach seinem Comeback auf der Schanze in Liberec?"

Ronny Ackermann: "Ich fühle mich gut, habe mich im Training von Sprung zu Sprung gesteigert und bin noch nicht am Ende. Das ist eine schwierige Schanze, aber ich kann mich mit ihr anfreunden. In der Loipe habe ich in Liberec auch schon einen Belastungstest gemacht. Das passt schon."

sid: "Bei Ihrem letzten Weltcup in Seefeld sind Sie entkräftet ausgestiegen, in Klingenthal gar nicht erst angetreten. Nicht gerade die optimale WM-Vorbereitung..."

Ackermann: "In Seefeld war ich völlig am Ende, ich konnte mit den Besten keinen Schritt mitgehen. Im Laufen stimmte es einfach nicht. Deshalb war es besser, auf Klingenthal zu verzichten und meinem Körper eine Ruhephase zu gönnen. Die Viruserkrankung, die mich über Wochen beschäftigt hat, hat offenbar viel Substanz gekostet. Und mein Körper hat damit zu tun, erstmal 100 Prozent im Saft zu stehen. Ich muss abwarten und Geduld haben, es muss irgendwann zurückkommen. Das kann auch mal ganz schnell gehen - vielleicht ja bei der WM. Darauf hoffe ich, etwas anderes bleibt mir ja auch nicht mehr."

sid: "Sind Sie hundertprozentig sicher, dass bei Ihnen gesundheitlich alles wieder in Ordnung ist?"

Ackermann: "Ich habe alles checken lassen, und alles ist okay. Auch, dass sich das Virus nicht auf den Herzmuskel niedergeschlagen hat. Der Puls war noch ein bisschen zu hoch, aber ich trainiere seit drei Wochen ohne Pulsuhr. Der Körper muss das selbst regulieren. Ich habe ein sehr gutes Körpergefühl, darauf vertraue ich."

sid: "Haben Sie das Gefühl, dass Sie jetzt in der schwersten Krise Ihrer Karriere sind?"

Ackermann: "Vor Olympia 2002 in Salt Lake City war ich in einer ähnlichen Situation. Damals hatte ich eine Glykogenverarmung, und mir hat ebenfalls die Kraft gefehlt. Was diesmal noch schlimmer ist - diese Sache zieht sich jetzt über zehn Wochen hin. Ich bin noch nie richtig in der Saison gewesen."

sid: "Mit welcher Devise gehen Sie jetzt in die WM in Liberec?"

Ackermann: "Ich gehe positiv rein. Die Devise heißt volle Attacke. Ich habe nichts mehr zu verlieren, es kann nach dieser verpatzten Saison nur noch besser werden. Ich werde alles ausblenden, und ich freue mich auf die WM."

sid: "Haben Sie noch einen Rest Hoffnung, Ihren Titel von Sapporo erfolgreich zu verteidigen und zum fünften Mal WM-Gold zu gewinnen?"

Ackermann: "Es wäre unrealistisch, wenn ich meiner jetzigen Verfassung an Gold oder die Titelverteidigung denken würde. Aber in Liberec ist das Wetter oft sehr unterschiedlich und auch in der Loipe gibt es viele verschiedene Schneearten. Da kann man einen Nachteil haben, aber das kann auch ein Vorteil sein. Mit ein bisschen Glück ist vieles möglich."

sid: "Ihr Bundestrainer Hermann Weinbuch hat gesagt, dass eine schlechte WM von Ihnen vielleicht ein gutes Omen für gute Olympische Spiele im nächsten Jahr sein könnte. Ihnen fehlt ja noch die Olympia-Goldmedaille in Ihrer Sammlung ...

Ackermann: "Olympia habe ich nicht mal im Hinterkopf. Wir haben alle zwei Jahre Weltmeisterschaften, da muss man zeigen, was man drauf hat."

sid: "Wird Liberec Ihre letzte WM sein?"

Ackermann: "Ich plane so etwas nicht. Man trainiert ein ganzes Jahr auf so einen Höhepunkt hin und entbehrt so vieles - da schaue ich nicht so weit in Zukunft. Gesund bleiben ist das Wichtigste, dann entscheide ich von Jahr zu Jahr."

sid: "Wie wichtig wäre Ihnen, die erste deutsche WM-Teamgoldmedaille in der Kombination seit 22 Jahren zu gewinnen?"

Ackermann: "Die Mannschaft ist immer wichtig und hat einen ganz anderen Charakter als der Einzelwettbewerb. So ein Sieg im Team ist die größte Anerkennung, da kann sich jeder mitfreuen. Wir haben eine sehr starke Mannschaft und es besteht zumindest die Chance auf eine Medaille."

sid: "Inwieweit fiebern Sie mit den deutschen Langläufern und Skispringern bei der WM mit?"

Ackermann: "In Liberec wohnt jeder woanders, das ist ein bisschen schade. Wir werden uns aber an den Wettkampforten sehen und da kommt natürlich das Gefühl auf, eine gemeinsame deutsche Mannschaft zu sein."

sid: "Ihre Trainer kritisieren manchmal Ihren Perfektionismus ..."

Ackermann: "Man darf nie so verbohrt sein und denken, dass man alles im Griff hat. Die Technik verändert sich ständig, vor allem im Springen. Man muss immer für Neues offen sein, das ist nicht anders wie in der Formel 1. Ich bin ein sehr gefühlsbetonter Athlet. Ich suche immer wieder nach dem Gefühl, dass ich abgespeichert habe und wo es absolut gepasst hat. Wenn man etwas Neues probiert, entwickelt man sich immer weiter. Zum Beispiel habe ich zehn Paar Sprungschuhe getestet, ehe ich einen gefunden habe, mit dem ich zurechtkomme. Danach habe ich meine Absprungtechnik verändert und bin auf eine höhere Ebene gekommen."

sid: "Spüren Sie die Auswirkungen der Finanzkrise bei Ihrem Sponsoring?"

Ackermann: "Mir ist es wichtig, langfristige Partner zu haben. Da geht es nicht nur um finanzielle Dinge, sondern um die Menschen, die dahinterstehen. Es muss passen, eine Vertrauensbasis muss da sein. Das ist bei meinen Partnern der Fall, daher gibt es keine Probleme.

sid: "Befürchten Sie bei der WM neue Dopingfälle?"

Ackermann: "Bei uns im Team gab es noch nie was und wird es auch nie was geben. Das macht bei der Kombination aus Laufen und Springen aus meiner Sicht auch keinen Sinn. Ich hoffe für Liberec, dass es eine faire Geschichte wird. Die Kontrollsysteme greifen. Wenn jetzt noch einer dopt, müsste er komplett bescheuert sein."

© SID

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