Nordische Ski-WM
Frauenskispringen nimmt Fahrt auf

Erstmals hat die ARD am Freitag den Wettkampf bei der nordischen Ski-WM im Fernsehen übertragen - und Ulrike Gräßler hat es ihr mit dem Gewinn der Silbermedaille gedankt. Die Springerinnen und die Verantwortlichen hoffen, dass es ein erster Schritt zum Durchbruch für ihre Sportart auch im finanziellen Bereich war: Denn mit TV-Präsenz und Leistung sollen auch Sponsorengelder fließen.

OBERSTDORF. Anna Häfele kann über die Einschätzung von Gian-Franco Kasper nur schmunzeln. "Die Gebärmutter zerreißt es bei der Landung", hatte der Präsident des Weltskiverbandes FIS vor Jahren machohaft über skispringende Frauen getönt. Doch Athletinnen wie die 19-jährige Sauerländerin lassen sich vom Schweizer Hobbymediziner und anderen Skeptikern nicht aufhalten. Mit Leistung und Kampfgeist erstreiten sich die Damen zunehmend ihren Platz in der Männerdomäne.

Erstmals sind heute bei der nordischen Ski-Weltmeisterschaft im tschechischen Ort Liberec weibliche Springer in die Lüfte aufgestiegen und haben damit dank der Liveübertragung auch im deutschen Fernsehen die historische Chance erhalten, sich einem großen Publikum zu präsentieren - und Zuschauer und Sponsoren von ihrem Können zu begeistern. "Bei der WM kann man uns dann doch nicht ganz übersehen", so die Hoffnung von Anna Häfele.

Und aus sportlicher Sicht haben die Damen ihre Chance eindrucksvoll genutzt: Ulrike Gräßler sorgte bei der WM-Premiere der Skispringerinnen für silbernen Glanz. In einem spannenden Wettkampf von der Normalschanze musste Gräßler bei extrem schwierigen Bedingungen nur Van den Vortritt lassen. Bronze ging an die Norwegerin Anette Sagen. "Wir sind mit Silber überglücklich. Zumal wir mit Platz sieben für Magdalena Schnurr und Rang acht für Anna Häfele auch mannschaftlich stark waren. Wir haben ein gutes Niveau gezeigt und können von einer gelungenen Premiere sprechen", bilanzierte Bundestrainer Daniel Vogler und fügte freudestrahlend hinzu: "Wir haben mit einer Medaille geliebäugelt und die ist in Erfüllung gegangen. Darauf werden wir heute Abend anstoßen."

Zwischen den Trainingsbedingungen von Herren und Damen liegen Welten

Die deutschen Frauen fliegen im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen wie Martin Schmitt, Michael Uhrmann und Michael Neumayer regelmäßig in der Weltspitze mit. Häfele feierte in dieser Saison bereits drei Siege im Continental-Cup, der wichtigsten Wettkampfserie im Frauen-Skisprung. Teamkollegin Ulrike Gräßler segelte zweimal auf Rang zwei. Und jetzt zu WM-Silber.

Trotz der unbestrittenen Erfolge findet Frauen-Skispringen bislang weitgehend unter Ausschluss einer breiten Öffentlichkeit statt. Von den Continental-Cup-Springen der Damen überträgt das Fernsehen keine Bilder. Einen Frauen-Weltcup gibt es ebenfalls noch nicht. Für Häfele ist die WM-Premiere in Tschechien daher ein wichtiger Schritt vor die Kameras: "Das Interesse der Medien steigt", freut sie sich.

Die Athletinnen versuchen nun, mit TV-Präsenz und überzeugenden Leistungen dringend benötigte Sponsorengelder anzulocken. Denn zwischen den Trainingsbedingungen von Herren-Chefcoach Werner Schuster und Frauen-Trainer Daniel Vogler liegen Welten: Der 41-jährige Vogler arbeitet hauptberuflich im Bauhof der Gemeinde Oberstdorf, mäht im Sommer öffentliche Wiesen und fährt im Winter Schneepflug. Um die Skisprungdamen auf ihre Wettkämpfe vorzubereiten, opfert der Allgäuer seinen gesamten Jahresurlaub. Eine professionelle Grundlage ist das nicht: "Da kannst du noch so viel machen, es hilft nichts, wenn die Medien nicht aufspringen",sagt Vogler.

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