Nowitzki greift nach dem NBA-Titel
„Alles begann mit Dirk“

Dirk Nowitzki hat die Dallas Mavericks gegen Titelverteidiger San Antonio ins NBA-Halbfinale geführt. Dort soll noch lange nicht Endstation sein, schließlich war die Chance auf den Titel für Dallas und "The German Wunderkind" nie größer.

SAN ANTONIO. Spannender kann Basketball nicht sein. Wie zwei Schwergewichts-Boxer jagten sich die Dallas Mavericks und die San Antonio Spurs über die volle Distanz von sieben Spielen. Erst nach 346 effektiven Spielminuten ging der amtierende Champion in die Knie und die Mavericks zogen in das Finale der Western Conference ein. Am Ende trennten die beiden Teams lediglich fünf Punkte. Zwei der sieben Partien mussten in der Verlängerung entschieden werden, die letzte gewann Dallas mit 119:111. „Der Affe, der uns so lange auf den Schultern saß, ist endlich verschwunden“, triumphierte Dallas-Besitzer Mark Cuban nach einem Spiel, das 32 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit so gut wie verloren schien.

Doch dann kam der große Auftritt von Dirk Nowitzki. Nachdem Dallas zwischenzeitlich mit 20 Punkten geführt hatte, schien sich zu wiederholen, was den Mavericks und insbesondere Nowitzki beständig vorgehalten wird: in den entscheidenden Situationen nicht abgeklärt zu sein. „Ich sah unsere tolle Saison davonschwimmen“, beschrieb Nowitzki hernach den Moment, als er beim Stand von 101:104 den Ball in Händen hielt. Erinnerungen an Spiel sechs wurden wach, als Nowitzkis finaler Dreipunktwurf das Ziel verfehlte. Dieses Mal entschied sich der deutsche Nationalspieler nicht für den Sprungwurf, sondern attackierte mutig zum Korb. „Ich habe keine Ahnung wie das Ding reinfiel“, sagte The Big German. „Ginobili traf mich an der Hand, dann fiel der Ball glücklicherweise rein.“ Das Foul des Argentiniers bedeutete einen Bonusfreiwurf und Nowitzki traf zur Verlängerung.

Donni Nelson, Dallas President of Basketball Operations, war sich nach dem Thriller sicher: „Das war eine der besten Serien der NBA-Geschichte – und ein Riesenschritt für unseren Klub.“ Damit könnte der Sohn von Ex-Trainer Don Nelson Recht haben. Denn obgleich die Mavericks nach 1988 und 2003 zum dritten Mal im NBA-Halbfinale stehen, die Chancen die Meisterschaft zu gewinnen, waren nie so groß wie in dieser Saison. Hatte es in Texas zu Beginn der Playoffs noch vehemente Proteste gegen den eigenwilligen Modus gegeben, der die beiden besten Teams der Western Conference bereits in der zweiten Playoff-Runde aufeinander treffen ließ, ist die Ausgangslage nach dem K.o. des Champions nun umso besser, in der nächsten Runde geht es gegen die schwächer besetzten Phoenix Suns.

Dabei war sich Avery Johnson zu Beginn seiner ersten NBA-Saison als Trainer der Mavericks ob seiner Zielsetzung gar nicht mal so sicher. „Wir müssen über diese Hürde springen.“ Gemeint waren die San Antonio Spurs. Point Guard Devin Harris beschrieb die Herausforderung so: „Die Spurs sind keine Hürde, sie sind eine Mauer.“ Dass es Dallas dennoch gelang, das Bollwerk zu überwinden – San Antonio gewann immerhin zwei der letzten drei NBA-Titel – hat viel mit Dirk Nowitzki zu tun. „In Spiel sieben verrichtete jeder etwas Besonders“, sagte Jerry Stackhouse. „Aber alles begann mit Dirk.“ Dabei waren die 37 Punkte und 15 Rebounds des Würzburgers nur die Fortsetzung seiner bisherigen Playoff-Vorstellung.

Mit 27,8 Punkten im Schnitt ist Nowitzki der fünftbeste Angreifer der Meisterrunde, wobei keiner der besser platzierten Spieler sich noch im Rennen um den Titel befindet. Auch hat der 27-Jährige in seiner achten NBA-Saison endgültig bewiesen, dass er in der Lage ist, seine Mannschaft auf das nächste Level zu heben.

Als Nowitzki sich kurz vor Ende des dritten Spiels das Sprunggelenk verletzte, spielte er weiter und rettete den Mavericks mit zwei Freiwürfen den Sieg. Auf die Frage, wie er mit dem gewaltigen Druck umgehe, antwortete er: „Ich singe!“. Bei der Auswahl seiner Songs weckt der Deutsche Erinnerungen an einen TV-Helden, dessen Aufgabe Nowitzkis recht ähnlich ist: David Hasselhoff, den Lebensretter aus der Serie Baywatch. Wenn es brenzlig wird, trällert The Big German: „I`ve been looking for freedom.“

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