Null-Fehlstart-Toleranz
Leitathletik-Weltverband will Regeln drastisch ändern

Schon vor der Weltmeisterschaft im August in Helsinki will der Leichtathletik-Weltverband IAAF mit drastischen Daktionen sein Reglement verschärfen und für mehr Gerechtigkeit sorgen. Unter anderem soll es eine Null-Fehlstart-Toleranz und eine Drei-Jahres-Sperre für Athleten bei einem Nationalitätenwechsel geben.

HB DOHA/KATAR. Sprinter sollen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen künftig schon beim ersten Fehlstart disqualifiziert werden. Dieser Vorschlag fand am Montag in Doha/Katar die Mehrheit der IAAF-Vorstandsmitglieder.

Der IAAF-Kongress muss die Regeländerungen vor der WM im August in Helsinki noch absegnen. Bisher wurde bei einem Fehlstart das gesamte Feld verwarnt; erst ein zweiter zog die Disqualifikation des Verursachers nach sich. Dies wurde von vielen Athleten als ungerecht empfunden, weil der erste Sünder praktisch straffrei blieb.

Die IAAF will außerdem die Abwerbung von Top-Athleten durch Millionenverträge im Zuge eines Nationalitätenwechsels deutlich erschweren. Künftig gilt für wechselwillige Sportler eine Startsperre von drei Jahren - gerechnet von dem Tag, an dem der Athlet die neue Staatsbürgerschaft erhält. "Ich glaube, es ist genau die richtige Zeit, diese Regel zu ändern", meinte IAAF-Präsident Lamine Diack (Senegal).

Wenn allerdings alle beteiligten Seiten einverstanden sind, kann einem Athleten das Startrecht für sein neues Land bereits nach einem Jahr gewährt werden. Nach der aktuellen Regel beginnt die Sperre schon an dem Tag, an dem der Athlet den letzten IAAF-Wettkampf unter seiner bisherigen Nationalität bestritten hat.

Hintergrund der geplanten Regeländerung sind spektakuläre Wechsel kenianischer Athleten vor allem in die finanzstarken Golfstaaten. Die neue Staatsbürgerschaft soll von den Scheichs zum Teil mit Millionenverträgen erkauft worden sein, die Entwicklungsländer nie bieten können. Katar hatte beispielsweise dem Kenianer Stephen Cherono am 9. August 2003 die Staatsbürgerschaft zuerkannt.Vorausgegangen war ein heftiger Streit zwischen beiden Verbänden.

Neun Tage nach Erhalt der Staatsbürgerschaft am 9. August 2003 hatte Cherono unter dem neuen Namen Shaheen bei seinem ersten Start für Katar einen Asien-Rekord über 3000 m Hindernis (8:02,48 Minuten) aufgestellt. Am 26. August 2003 wurde der 22-Jährige in Paris Weltmeister über diese Distanz.

Ab 6. März 2005 darf die Hochspringerin Melanie Skotnik für Frankreich starten. Die 22-Jährige, die ihren Heimatverein LAC Quelle Fürth/München/Würzburg verließ, hat die doppelte Staatsbürgerschaft.

Da beide Verbände mit dem Wechsel einverstanden waren, galt für die 1,97-m-Springerin nach ihrem letzten internationalen Wettkampf für den Deutschen Leichtathletik-Verband eine Wartefrist von einem Jahr.

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