Oberstdorf will mit der Nordischen Ski-WM glänzen: Der Holmenkollen liegt im Allgäu

Oberstdorf will mit der Nordischen Ski-WM glänzen
Der Holmenkollen liegt im Allgäu

Vor rund fünf Wochen meldete sich ein ungewöhnlicher Kunde in einer Oberstdorfer Skischule. Der neue Schüler stammte aus Sao Paulo, hieß Helio Freitas und wollte das Skaten auf Langlaufskiern lernen. Jene Technik also, mit der sich ein Langläufer im freien Stil am schnellsten fortbewegen kann. Der Unterricht muss einigermaßen erfolgreich gewesen sein, denn Helio Freitas wird am Donnerstag sogar ein Rennen in der Skating-Technik über 15 Kilometer bestreiten. Bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf.

OBERSTDORF. Ab Mittwoch erwartet Oberstdorf neben Helio Freitas rund 300 000 Gäste zum größten Ereignis, das je in der kleinen Gemeinde im Allgäu stattgefunden hat. 23 Millionen Euro hat die 10 000-Einwohner-Gemeinde seit Juni 2000 in die Sportstätten investiert. "Wir hätten es auch weitaus günstiger haben können", sagt Bürgermeister Thomas Müller, der auch dem Organisationskomitee vorsteht. Doch der Ort will mittelfristig das nordische Zentrum Mitteleuropas werden. Als Oberstdorf 1987 die Nordische Ski-WM erstmals ausrichtete, bezeichnete der damalige Präsident des Internationalen Skiverbandes, Marc Hodler, den Ort bereits als Holmenkollen Mitteleuropas. Dieses Prädikat will sich Müller nun dauerhaft sichern. "Ich hoffe, dass wir unser Ziel erreichen und die nordische Skiwelt ins Staunen versetzen."

Dazu gilt es, in den elf Tagen nach der heutigen Eröffnungsfeier einen guten Eindruck zu hinterlassen. Momentan schaufeln rund 100 der insgesamt 1580 Helfer den Schnee aus der Loipe, der seit dem Wochenende gefallen ist. Musste bei Springen der Vierschanzentournee der Schnee oftmals aus dem hochgelegenen Ortsteil Ried herangekarrt werden, so fährt er zurzeit in die entgegengesetzte Richtung. Für die WM baute Oberstdorf die Schattenberg-Schanzen um, wo einmal pro Jahr das erste Springen der Vierschanzentournee stattfindet. Am Fuße der Schanzen entstand eine neue Arena für 27 000 Fans.

Die Veranstalter kündigen bereits eine WM der Superlative an. Noch nie gab es eine so hohe Beteiligung bei einer Nordischen Ski-WM. 556 Athleten aus 52 Nationen werden um die Medaillen kämpfen. Vor zwei Jahren in Val di Fiemme waren es noch 436 aus 42 Ländern. Neben dem Brasilianer Freitas werden sich auch Sportler aus den ungewöhnlichen Skinationen Südafrika, Algerien, Griechenland und Portugal im Langlaufen, Skispringen und der Nordischen Kombination versuchen. Die Favoriten aber kommen aus den traditionellen Ländern des nordischen Skisports. Bei der letzten WM führte Norwegen den Medaillenspiegel vor Deutschland an, das dreimal Gold und fünfmal Silber holt. Nun will der Verband diese bis dahin beste WM-Bilanz der Geschichte noch übertreffen.

ARD und ZDF übertragen insgesamt 82 Stunden live aus Oberstdorf. Als der Ort im Jahr 2000 den Zuschlag für die WM erhielt, waren 15 Kameras für die Übertragung vorgesehen. Nun werden es 59 sein. "Grausam" sei das, sagte Langläufer Axel Teichmann, dessen Einsatz am Donnerstag wegen einer Erkältung fraglich ist, dem "Spiegel", "für den Zuschauer auf dem Sofa mag das interessant sein, aber für den Sportler ist das belastend". Medaillenkandidatin Claudia Künzel würde sich dieser Belastung sicher gerne aussetzen - doch sie fehlt erkältet.

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