Olympia 2012 in London
Coe der gefeierte Mann

Der Tag danach. Die Entscheidung fiel im letzten Wahlgang. Es war hauch dünn. 50 Stimmen für den Mitkonkurrenten aus Paris und 54 Ja-Stimmen für den Sieger aus der englischen Metropole. Für den Erfolg in England wird ein zweifacher-Olympiasieger fest gemacht.

HB HAMBURG. Lord Sebastian Coe wird gefeiert, als hätte er gerade seinen dritten Olympiasieg erkämpft. Der große Sieger London erntet viel Lob, Frankreichs Präsident Jacques Chirac heftige Kritik und zum Teil beißenden Spott. Einen Tag nach der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2012 an die britische Metropole feiert die internationale Presse den Gewinner und analysiert die Rolle der enttäuschten Verlierer.

In Frankreich ist man nach der knappen 50:54-Niederlage von Paris gegen London bei der IOC-Abstimmung in Singapur immer noch geschockt. Dort herrschen „Trauer und Wut - eine grausame Niederlage“, titelte die Zeitung „Le Parisien“ am Donnerstag. Von der „Schockwelle London“ sprach „Libération“. Und „La Voix du Nord“ schrieb nach dem harten (Tief)Schlag: „K.o. für Paris.“ Die französische Hauptstadt und ihre Unterstützer haben „eine Niederlage mit unermesslichen Folgen erlitten“, betonte die Schweizer „Tribune de Genève“. Coe ist der Held. „Jetzt ist er für die Briten unsterblich“, schrieb der Schweizer „Blick“ und setzte dem Frontmann damit ein Denkmal.

Zwei Mal, 1980 und 1984, hat der Chef der Londoner Kampagne Olympia-Gold über 1500 Meter erkämpft - 20 Jahre später holte er die Spiele nach Hause. „Es ist Lord Sebastian Coes größter Olympia-Sieg.“ Coe war für London der Trumpf, meinte die „Berner Zeitung“ und fasste die Gründe für den Sieg der Briten in zehn Worte: „Paris hatte zwar das beste Dossier - London aber hatte Coe.“

Die „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt die Niederlage der Grande Nation vor allem dem Präsidenten zu: „Wie der abermals geohrfeigte Chirac auch diese Schlappe seinen Landsleuten erklären will, bleibt sein Geheimnis. Dass er vergangenes Weekend in Kaliningrad die Präsenz Putins und Schröders zur verbalen Verunglimpfung der Briten nutzte, fällt als schwerer Fehler auf ihn zurück.“

Noch hämischer fiel das Urteil der italienischen Gazetten aus. Der „Corriere della Sera“ sah in Chirac einen „ewigen Verlierer“. Der französische Präsident sei „nach Singapur gerannt, um die Euphorie der Kandidatur einzustreichen, und vielleicht waren es just seine Präsenz, sein Gerede über den Rinderwahnsinn und über die schlechte englische Küche, die ihm die notwendige Hand voll Stimmen gekostet hat.“ London habe Paris „in ein neues Trafalgar“ verwandelt, kommentierte „La Stampa“ mit Bezug auf die berühmte See-Schlacht.

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