Olympia 2016
Madrid trommelt mit spanischem Eifer

Bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2016 bekommt Madrid ausgerechnet Hilfe aus Barcelona: Nachdem der ehemalige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch die Spiele 1992 in seinen katalanischen Geburtsort geholt hat, will er nun der spanischen Hauptstadt zur Austragung verhelfen. Und Madrid hat noch ein weiteres Ass im Ärmel.

MADRID. Eine halbe Million Madrileños erschien am Sonntag mit blauen, roten, gelben oder grünen Pappen auf der Plaza de Cibeles im Herzen von Madrid. In präziser Aufstellung bildeten die Einwohner als lebendes Mosaik das Symbol der Kandidatur für die Olympischen Sommerspiele 2016 nach - und das bei strömendem Regen. Stundenlange Proben ließen die Menschen über sich ergehen, bis bei Anbruch der Nacht die Luftbilder im Kasten waren.

Noch einmal zeigte die Stadt ihre Stärke: Madrid weiß einen größeren Teil der Bevölkerung hinter sich als die Konkurrenten - 86 Prozent der Spanier unterstützen die Kandidatur. Am Montag reiste Bürgermeister Alberto Ruiz-Gallardón mit der vom Königspaar angeführten spanischen Delegation nach Kopenhagen.

Die Bewerbung um Olympia 2016 hat scheinbar unüberbrückbare politische Gegensätze in Spanien zusammengebracht. Da erscheint der sozialistische Premier José Luis Rodríguez Zapatero Arm in Arm mit dem konservativen Bürgermeister Ruiz-Gallardón vor den IOC-Mitgliedern. Strahlend wandelt dazwischen die Präsidentin der Autonomen Region Madrid, Esperanza Aguirre, die sich mit Gallardón einen erbitterten innerparteilichen Machtkampf liefert. "Es gibt eine starke politische Einheit und überparteiliche Unterstützung", lobt das IOC in einem Bericht.

Einigkeit schuf die Bewerbung auch zwischen den rivalisierenden Metropolen Madrid und Barcelona. "Barcelona ist eine Stadt zum Verlieben, sie verführt uns, bringt uns zusammen und war eine große Hilfe für die Kandidatur Madrids", schmeichelte Gallardón bei einer Veranstaltung seinem Gegenüber von Barcelona, Jordi Hereu. Die IOC-Mitglieder hätten sich bei der Präsentation Madrids "an die besten Spiele aller Zeiten" 1992 in Barcelona erinnert.

Dass die Spiele damals nach Barcelona kamen, daran hatte der damalige IOC-Präsident, der in der katalanischen Metropole geborene Juan Antonio Samaranch, großen Anteil. Der heute 89-jährige IOC-Ehrenpräsident will diesmal Madrid helfen - "mit meinen Worten, die selten, aber gewichtig sind." Bei der Bewerbung der spanischen Hauptstadt für die Spiele 2012 hatte Samaranch vergeblich sein Gewicht in die Waagschale geworfen - London erhielt den Zuschlag. Das sei nun der größte Nachteil Madrids, gibt Samaranch zu. Es ist eine ungeschriebene Regel, dass die Spiele nicht zweimal hintereinander auf dem gleichen Kontinent stattfinden.

Doch weil Madrid schon zum zweiten Mal in Folge kandidiert, hat die Stadt auch einen Vorteil: Fast 80 Prozent der nötigen Sportanlagen existieren schon - sie wurden für die letzte Bewerbung gebaut. Vorausschauende Politiker hatten zu Beginn des Immobilienbooms, bei dem Bauunternehmer die Umgebung von Madrid gründlich mit eintönigen Neubausiedlungen und Industrieparks zupflasterten, große Flächen im Osten der Stadt für Olympia reserviert. Diese haben nun eine ausgezeichnete Anbindung an die Stadt und den Flughafen. Ein großer Teil der Stadien und Hallen wird vom Olympischen Dorf gar zu Fuß zu erreichen sein.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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