Olympia 2018
„München ist die grünste Bewerbung“

Winfried Hermann, sportpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, ärgert sich über das Nein seiner Partei zu den Olympischen Spielen in München. Im Interview erklärt er, warum die Stimmung zu Ungunsten der Bewerbung gekippt ist, wieso der Vergleich zu Stuttgart 21 daneben ist und warum der Beschluss auch eine Niederlage für die Grünen ist.
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Herr Hermann, Sie loben die Münchner Olympiabewerbung als besonders umweltverträglich, aber am Wochenende haben sich die Grünen auf dem Parteitag dagegen ausgesprochen. Sind Sie da an Ihrer eigenen Partei verzweifelt?

Verzweifelt bin ich nicht. Aber ich war mir dieses Risikos bewusst, wenn man einen solchen Antrag zusammen mit vielen anderen zu vorgerückter Stunde behandelt. Viele haben aus pauschalen Grünen gegen die Bewerbung gestimmt. Sie denken Olympia ist sowieso Mist, Wintersport schadet den Alpen, das IOC ist korrupt und besteht nur aus alten Männern.

War es dann geschickt, die Basis überhaupt darüber abstimmen zu lassen?

Wir haben hier einen innerbayerischen Konflikt serviert bekommen. Die Münchner Stadtratsfraktion hat sich für die Bewerbung ausgesprochen, der Landesverband dagegen. Wenn wir nun die Diskussion aus formalen Gründen abgesetzt hätten, dann hätten wir erst recht die Gegner provoziert. Ich habe mich auch falsch eingeschätzt und gedacht, dass ich mit meiner Rede den Parteitag überzeugen könnte.

Warum ist die Stimmung dann gekippt?

Zwei junge Delegierte aus Bayern, die ich vorher nicht kannte, haben mit ihren Beiträgen das Herz der alten Väter und Mütter der Grünen gerührt. Indem sie gesagt haben: Wir sind doch eine Partei der Ideale, da können wir doch nicht bei einer solchen Großveranstaltung mitmachen. Wir hätten einfach mal eine Kurzfassung des Bewerbungskonzepts auslegen müssen.

Was hätte das bewirken können?

München ist die grünste Bewerbung. Ich betrachte die Bewerbung auch als Erfolg von grünen Ideen. Alle ökologischen Vorschläge sind umgesetzt worden, mit Ausnahme eines Biosphärenreservats, weil sich die Gemeinden dagegen ausgesprochen haben. Aber das Biosphärenreservat gibt es auch ohne Olympische Spiele nicht. Und die Skipisten, die jetzt schon geschlagen sind, die werden doch nicht aufgelöst und die Schneekanonen nicht abgebaut.

Auch der Vergleich mit Stuttgart 21 fiel.

Da hätte ich sagen können: Leute, in Stuttgart kämpfen wir seit 20 Jahren gegen einen unterirdischen Bahnhof, wir haben Massen mobilisiert, ihr in München habt nicht einmal eine Demo gegen Olympia auf die Beine gestellt. Wir haben uns bei dem Parteitag auch von unserem eigenen Erfolg verabschiedet. Am Konzept haben wir doch mitgearbeitet. Das wäre so, wie wenn wir in Stuttgart mit unserem Kopfbahnhofkonzept durchkämen, aber die grüne Basis am Ende sagt: Eisenbahn ist scheiße.

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  • Der grüne Herrmann kommt ins Fahrwasser der CSU und nimmt sich dabei viel zu wichtig. Ob Olympia oder Stuttgart 21.
    Herr MP Seehofer sollte sich lieber ernsthaft mit den Leuten unterhalten, ob eine kurzzeit Olympiade des Umgrabens der Felder und Wiesen, einer empfindlichen Kulturlandschaft und Zerstörens der Umgebung in einem Urlaubsparadies für diesen Kommerz sinnvoll und umweltverträglich ist, da helfen auch keine falschen Gutachter mehr, dem letzten bauer ist aufgefallen, dass dies in keinem Verhältnis stehen kann!

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