Olympia
Bach: "Deutschland ist ein wirkliches Sportland"

Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) blickt Thomas Bach auf das Jahr 2008 zurück. "Deutschland ist ein wirkliches Sportland", so der Dosb-Präsident.

Dosb-Präsident Thomas Bach hat dem deutschen Sport für das Jahr 2008 mit der Fußball-EM in Österreich und der Schweiz sowie den Olympischen Sommerspielen in Peking ein gutes Zeugnis ausgestellt. "Die breite Fächerung und der Erfolg vieler Sportarten zeigen, dass Deutschland ein wirkliches Sportland ist", sagte der Fecht-Olympiasieger von 1976 im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Dies sei vor allem bei Olympia deutlich geworden, wo die Athleten des Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb) in allen Sportartengruppen Medaillen gewannen. Da konnte keines der anderen 203 teilnehmenden Noks mithalten.

Bach sieht Notwendigkeit für Veränderungen

Obwohl auch zukünftig alle Sportarten gefördert werden sollen, sieht Bach die Notwendigkeit für Veränderungen: "Ich könnte mir bei einigen Verbänden im absoluten Leistungsbereich durchaus eine stärkere Konzentration auf einzelne erfolgversprechende Disziplinen vorstellen."

Das Internationale Olympische Komitee (IOC), das laut Präsident Jacques Rogge im April wegen der Proteste rund um den Fackellauf in einer Krise steckte, habe diese Herausforderung erfolgreich gemeistert. "Das beste Krisenmanagement waren die von Jacques Rogge als wahrhaft außergewöhnlich bezeichneten Olympischen Spiele selbst. In Zukunft sollten wir Möglichkeiten und Grenzen des IOC bei gesellschaftspolitischen Fragen noch deutlicher definieren", meinte Bach, der überzeugt ist: "Das IOC steht mitten in unserer Gesellschaft."

So werde auch die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht spurlos an der Weltregierung des Sports vorbeigehen. "Das IOC kann sich selbstverständlich den Folgen der Wirtschaftskrise nicht vollkommen entziehen. Es ist ihm allerdings gelungen, durch sehr konservative Geldanlage die gegenwärtigen buchmäßigen Einbußen überschaubar zu halten", sagte Bach, der am 29. Dezember 55 Jahre alt wird. Sein Vorstandskollege Richard Carrion hatte jüngst erklärt, die Rücklagen seien um 14 Prozent zurückgegangen.

Bach verteidigte die Entscheidung, die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele 2014/16 vorerst nicht an die EBU, den Zusammenschluss von 75 europäischen Fernsehsendern, zu vergeben. "Dabei spielen finanzielle Überlegungen nicht die alleinige Rolle", sagte der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim. Die EBU hatte über 600 Mill. Euro geboten, eine Steigerung um acht Prozent gegenüber den Rechten für 2010/12. Doch das Ergebnis der Verhandlungen müsse einer möglichen Überprüfung nach europäischem Wettbewerbsrecht standhalten und allen Bietern gegenüber fair sein.

"Es ist nach der Ausschreibung zwingend, dass die Olympischen Spiele vornehmlich im frei empfangbaren Fernsehen übertragen werden. Deshalb haben öffentlich-rechtliche Sender wie zum Beispiel ARD und ZDF weiterhin die Chance, auch 2014/2 016 Olympia-Sender zu sein", sagte der IOC-Vize, der für die Verhandlungen in Europa zuständig ist.

Die vom IOC angekündigten Nachtests der Dopingproben von Peking auf Insulin und das Epo-Mittel Cera sieht Bach als "Zeichen unserer Entschlossenheit". Das Einfrieren der Proben und dadurch möglich werdende weitere Tests erhöhten die Hemmschwelle für potenzielle Doper.

Bach kündigte an, weiter für eine Abkehr vom Rekordstreben zu kämpfen. Damit hatte er vor den Sommerspielen innerhalb des IOC kein Gehör gefunden. "Rekorde sind für mich nur schmückendes Beiwerk. Deshalb trete ich nach wie vor dafür ein, dass bei TV-Übertragungen auf die Einblendung virtueller Rekordmarken verzichtet wird und Rekorde, die unter Ausnutzung anderer Athleten erzielt wurden, nicht mehr anerkannt werden."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%