Olympia-Bewerbung vor dem Aus
Bund will für Hamburgs Olympia-Traum nicht zahlen

Hamburgs Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024 droht zu scheitern. Berlin weigert sich, die von Bürgermeister Scholz geforderten sechs Milliarden Euro beizusteuern. Ohne Zuschuss sind die Spiele nicht bezahlbar.

HamburgDer Hamburger Traum von Olympia droht frühzeitig zu platzen. Die Bundesregierung will offenbar die von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) geforderte hohe Beteiligung an den Kosten nicht mitmachen. Scholz hatte am Donnerstag öffentlich erklärt, die Hansestadt werde nur maximal 1,2 Milliarden Euro beisteuern. Andernfalls werde Hamburg keine Bewerbung abgeben. Zugleich legte Scholz einen Finanzreport vor, laut dem der Finanzierungsbedarf durch die öffentliche Hand bei 7,4 Milliarden Euro liegt – der Bund müsste also mindestens 6,2 Milliarden Euro zuschießen. Die Gesamtkosten bezifferte Scholz auf 11,2 Milliarden Euro.

Berlin habe der Hansestadt klar signalisiert, dass der Bund nicht mit sechs Milliarden Euro dabei sein werde, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Damit ist acht Wochen vor der Volksabstimmung in Hamburg völlig unklar, wie das Projekt seriös finanziert werden soll.

Scholz steckt in einer schwierigen Situation: Er hatte mehrfach ein klar gerechnetes Konzept versprochen. Bei der Auftragsarbeit, erstellt von einem unabhängigen Planungsbüro, sind nun aber Summen herausgekommen, die in Berlin nicht vermittelbar sind. Zugleich binden ihm Schuldenbremse und das Versprechen, keine Einschnitte bei städtischen Leistungen vorzunehmen noch Schulden aufzunehmen, die Hände. Vor der  kurzfristig angesetzten Vorstellung des Plans konnte das Planungsteam um Hamburgs Staatsrat Christoph Krupp keine Einigung mit der Bundesregierung erzielen. Scholz gestand am Donnerstag ein, der Bund habe der Finanzierung bislang noch nicht zugestimmt, zeigte sich aber optimistisch.

Der Hamburgische Senat setzt darauf, dass die Bundesregierung doch noch einlenkt. Berlin habe nun Zeit, die Pläne ausführlich zu prüfen, hieß es am Freitag im Rathaus. Schließlich habe die Regierung bei ihrem Bekenntnis zur Bewerbung wissen müssen, dass Olympia Milliardenkosten mit sich bringe. „Der Bund muss ausreichend Zeit zur Prüfung des Finanzreports haben, damit er sich einen umfassenden Überblick verschaffen kann. Es ist gut, dass nun alle Zahlen bekannt sind die Hamburger wissen, wie hoch der Anteil ist, den die Stadt tragen wird“, sagte ein Senatssprecher.

Die Bundesregierung steht jedoch offenbar auf dem Standpunkt, dass Hamburg ein „umfassendes Stadtentwicklungskonzept bis 2040“ erarbeitet hat – also weit mehr Kosten in die Planungen eingesetzt hat als eigentlich für Olympia nötig wären. Tatsächlich plant Hamburg, Teile des Hafens zu verlagern, um eine Elbinsel für das Olympia-Gelände zu räumen. Allein für den Umbau des Hafens für die Verlagerung der betroffenen Betriebe rechnet Hamburg mit Kosten von 1,3 Milliarden Euro. Dazu kommen 1,7 Milliarden Euro für den Bau des neuen Stadtteils „OlympiaCity“.

Damit ist das Hamburger Konzept teurer als das der Mitbewerber wie Los Angeles, das von gut sechs Milliarden Dollar ausgeht, und Paris mit 6,7 Milliarden Euro. Auch bei der geplanten Bewerbung für die Spiele 2012, in der Hamburg in dem deutschen Konkurrenten Leipzig unterlegen war, war die Stadt von Kosten von unter vier Milliarden Euro ausgegangen – ähnlich wie die anderen deutschen Bewerberstädte.

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Berlin nimmt die Zahlen „zur Kenntnis“

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