Olympia Doping
Bach: "Die Kontrollsysteme funktionieren"

Nach Radprofi Floyd Landis ist auch Leichtathletik-Sprintstar Justin Gatlin positiv getestet worden. In einem Gespräch mit dem sid äußert sich Thomas Bach, Chef der Anti-Doping-Kommission des IOC, zur Dopingproblematik.

Von gleich zwei prominenten Dopingfällen wird derzeit die Sportwelt überschattet und ruft damit die Kritiker auf den Plan. Nach den positiven Tests von Radprofi Floyd Landis und Leichtathletik-Sprintstar Justin Gatlin fordert Thomas Bach, Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb), eine Verschärfung der Gesetzgebung in Deutschland bis hin zu Abhörmaßnahmen. Bach erneuerte in einem Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) seine Forderung nach Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften in den Bundesländern, ist aber nach wie vor gegen ein staatliches Anti-Doping-Gesetz.

sid: "Zwei Tage nach Tour-de-France-Sieger Floyd Landis nun sein US-Landsmann Justin Gatlin. Was sagen Sie zu den positiven Proben des Olympiasiegers, Weltmeisters und Weltrekordlers über 100 Meter?"

Thomas Bach: "Es zeigt sich wieder, dass die Kontrollsysteme funktionieren und nicht Halt gemacht wird vor großen Namen. Die Frage stellt sich: Sind die Athleten grenzenlos dumm oder absolut zynisch."

sid: "Dennoch drängt sich in der Öffentlichkeit der Eindruck auf, dass der Sport stärker von Doping belastet ist als bisher geglaubt. Kann der Sport dies allein bewältigen? Werden Sie nicht stärker bedrängt, nun auch für ein deutsches Anti-Doping-Gesetz einzutreten?"

Bach: "Die Mehrheit der Sachverständigen innerhalb des Sports glaubt, dass der Sport in der Lage ist, harte, effektive und schnelle Strafen gegen Athleten durchzusetzen. Bei Olympia können wir binnen 24 Stunden rechtsstaatlich einwandfreie Verfahren verhängen."

sid: "Aber die Hintermänner des Sports können nicht von dessen Strafen erreicht werden, weil sie oft nicht in Vereinen und Verbänden organisiert sind oder diese rechtzeitig verlassen. Ist nicht doch ein Anti-Doping-Gesetz nötig?"

Bach: "Wir fordern eine Verschärfung der Gesetze gegen Hintermänner, die auch Abhörmaßnahmen erlauben. In diese Richtung wird auch im Bundesinnenministerium gearbeitet. Zudem gibt es ein Vollzugsdefizit. Die Bundesländer sind bereits gefordert, Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften zu gründen. Ohne die ist es sehr schwer, die Hintermänner des Dopings zu erreichen."

sid: "In Spanien, Frankreich und Italien geht die Polizei entschlossener gegen das Umfeld des Dopings vor ..."

Bach: "Aber in Spanien steht im Radsportskandal um den Arzt Eufemanio Fuentes nicht das Anti-Doping-Gesetz, sondern das Gesundheitsgesetz im Hintergrund. Dort sieht der Entwurf eines Anti-Doping-Gesetzes eine Arbeitsteilung zwischen Sport und Staat vor. Nur beide zusammen können das Problem lösen - das wollen wir auch in Deutschland. "

© SID

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