Olympia Doping: Österreich will schnell ein Anti-Doping-Gesetz

Olympia Doping
Österreich will schnell ein Anti-Doping-Gesetz

In Österreich soll es nach den Vorfällen bei Olympia in Turin möglichst schnell ein Anti-Doping-Gesetz geben. Die Inhalte eines solchen Dekrets stünden schon jetzt fest, sagte Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer.

In Österreich fordern nach den Doping-Razzien der italienischen Polizei in österreichischen Olympia-Quartieren immer mehr Stimmen die Einführung eines Anti-Doping-Gesetzes. Innenministerin Liese Prokop hatte die Umsetzung dieses Dekrets bis zum Jahresende am Sonntag in einer ORF-Diskussionsrunde angekündigt

"Klares Zeichen nach außen setzen"

Der Landeshauptmann der Steiermark, Franz Voves (SPÖ), unterstützt den Vorstoß der Innenministerin. "Wir sollten es jetzt sofort bringen, um auch ein klares Zeichen nach außen zu setzen, und ich würde empfehlen, dass man auf Bundesebene diesen Akt wirklich sehr schnell setzt", so Voves. Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer vom Bündnis Zukunft Österreich sagte, die Inhalte eines solchen Gesetzes stünden schon fest, müssten aber zuerst international abgeglichen werden.

Der Österreichische Skiverband (ÖSV) hatte auf Grund der Affäre bei den Olympischen Winterspielen im Piemont eine eigene Untersuchungskommission unter Vorsitz von Dieter Kalt und der Einbeziehung von Franz Klammer, dem Abfahrts-Olympiasieger von 1976, eingesetzt.

IOC gründet Disziplinarkommission

Ebenfalls aktiv geworden ist das Internationale Olympische Komitee (IOC). Unter Vorsitz von Vizepräsident Thomas Bach wurde eine Disziplinarkommission ins Leben gerufen, um die Verdachtsmomente gegen österreichische Olympia-Teilnehmer aufzuklären. Dabei setzt das Gremium vor allem auf die Ergebnisse der italienischen Ermittlungsbehörden, die verdächtige Materialien bei den drei Razzien in den Quartieren österreichischer Biathleten und Skilangläufer in San Sicario und Pragelato beschlagnahmt hatten.

Österreich verzeichnete bei den XX. Winterspielen mit neun Gold, sieben Silber und sieben Bronze die erfolgreichste Olympia-Bilanz aller Zeiten. "Für mich gilt die Unschuldsvermutung, bis wir von der Staatsanwaltschaft nicht wirklich detailliert wissen, was man im Haus der österreichischen Biathleten gefunden hat. Davor gibt es für mich nicht die Schuldfrage", meinte der ehemalige Olympiateilnehmer Voves in der Diskussionsrunde am Sonntagabend.

"Große Dummheit, dass Mayer vor Ort war"

Gleichzeitig prangerte er allerdings die Anwesenheit des vom IOC bis 2010 suspendierten Ex-Trainers Walter Mayer im Piemont an. "Ich glaube, wir sollten es auf das reduzieren, was es ist: Es war eine große Dummheit, dass der Herr Walter Mayer vor Ort war, das ist das eine. Zum anderen, und da sollte die italienische Justiz mithelfen, ist es einfach nicht auszuhalten, dass man, wenn sich 99 Prozent von unseren erfolgreichen Sportlern nichts vorzuwerfen haben, dass man jetzt nicht so schnell wie möglich die Fakten auf den Tisch bekommt."

IOC-Präsident Jacques Rogge hatte auf seiner Abschlusspressekonferenz allerdings betont, dass Österreichs Biathleten und Langläufer trotz ausschließlich negativer Dopingproben weiter im Fadenkreuz der Ermittler stehen. "Die Tests sind die eine Seite, aber die Polizei hat einiges sichergestellt, und bis das alles ausgewertet ist, gilt die Unschuldsvermutung", erklärte der Belgier.

Die italienischen Behörden führen auch nach dem Ende der Spiele weiterhin Ermittlungen durch und haben bereits einen Prozess gegen beteiligte Personen angekündigt. "Erst nach Abschluss aller Ermittlungen können wir sagen, ob schuldig oder nicht schuldig", erklärte Rogge.

Mayer in psychiatrischer Klinik

Mayer, der sogar in einem österreichischen Quartier gewohnt hatte, war vor den italienischen Behörden geflohen, die gegen ihn wegen Dopingverdachts ermitteln. Bei einer Amokfahrt in Kärnten hatte er einen österreichischen Polizisten verletzt. Später erklärte der 48-Jährige, er habe Selbstmord begehen wollen. In einer psychiatrischen Klinik in Klagenfurt wird Mayer stationär behandelt und betreut.

Vor der Staatsanwaltschaft in Kärnten war Mayer auf Grund der zur Anzeige gebrachten Delikte wie Widerstand gegen die Staatsgewalt, schwere Körperverletzung und schwere Sachbeschädigung voll geständig.

© SID

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