Olympia Doping
Sechs neue Dopingfälle bei Peking-Nachkontrollen

Acht Monate nach den Olympischen Spielen in Peking sind sechs neue Dopingfälle bekannt geworden. In allen Fällen wurde nachträglich das EPO-Präparat Cera nachgewiesen.

Acht Monate nach der Schlussfeier werden die Olympischen Sommerspiele in Peking von weiteren Dopingskandalen überschattet - und wieder steht der Radsport am Pranger. Laut italienischen Medienberichten ist der frühere Gerolsteiner-Profi Davide Rebellin neben fünf weiteren Sportlern in sieben Proben bei den Nachkontrollen positiv auf das EPO-Präparat Cera getestet worden.

Wie die Nachrichtenagentur AP mit Berufung auf eine IOC-Quelle berichtet, sollen drei Leichtathleten, zwei Radprofis und ein Gewichtheber positiv getestet worden sein. Ein Leichtathlet soll dabei ein Goldmedaillengewinner sein.

Rebellin unter den Beschuldigten

Während das IOC noch keine Namen nannte und die Fälle an die nationalen Olympischen Komitees weiterleitete, machte der Name Rebellin schnell die Runde. Der 37-Jährige, der von 2002 bis 2008 für das Team Gerolsteiner gefahren war und zu den absoluten Leistungsträgern im Team gehörte, hatte in Peking die Silbermedaille im Straßenrennen gewonnen.

847 Peking-Proben hatte das IOC in den Labors von Chatenay-Malabry und Lausanne nachträglich auf Cera, 101 im Institut in Köln auf Insulin getestet. Dabei erwies sich das bei der Tour de France erstmals angewendete Testverfahren auf Cera erneut als Volltreffer. Ein Sportler ist gleich zweimal positiv getestet worden, da es insgesamt sieben auffällige Proben gab. Die Athleten haben nun die Möglichkeit, die Öffnung der B-Probe zu beantragen. Das Nationale Olympische Komitee von Italien (Coni) teilte bereits mit, dass ein italienischer Sportler betroffen sei. Offenbar handelt es sich dabei um Rebellin.

Rebellin hatte schon einmal unter Dopingverdacht gestanden. Beim Doping-Prozess in Padua vor gut fünf Jahren hatten die Staatsanwälte den Richtern ein im Mai 2001 aufgenommenes Video gezeigt. Die Aufnahmen zeigten damals Rebellin und seine Frau Selina in der Praxis des skandalumwitterten Sportarztes Enrico Lazzaro bei der Entgegennahme einer Ampulle mit einem angeblich verbotenem Mitteln. Zu einer sportrechtlichen Verurteilung war es gegen den kleinen Italiener aber nicht gekommen.

Hans-Michael Holczer "glaubt an nichts mehr"

"Seit den Fällen Kohl und Schumacher glaube ich an nichts mehr. Das untermauert das Ganze nur noch. Mein Gesamtwerk ist ohnehin schon im Oktober den Bach runtergegangen, aber der Schock sitzt tief. Davide Rebellin war ein Stück weit noch meine Hoffnung, dass er es auf ehrliche Weise geschafft hat", sagte der frühere Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer dem SID und will sich rechtliche Schritte gegen den Italiener vorbehalten: "Soweit ich kann, werde ich mich an den Aufräumarbeiten beteiligen."

Sollte der Klassikerspezialist nun überführt werden, dürfte seine Karriere vorbei sein. Am vergangenen Mittwoch hatte Rebellin, der inzwischen für das italienische Serramenti-Team fährt, den Fleche Wallonne gewonnen und anschließend bei Lüttich-Bastogne-Lüttich den zweiten Platz belegt.

"Die weiteren Analysen der Proben von Peking sind eine klare Botschaft an die Betrüger, dass sie sich nicht sicher sein können", sagte Arne Ljungqvist, Leiter der Medizinischen Kommission des IOC: "Trotzdem hat die große Mehrheit der Athleten nicht einen unfairen Vorteil erlangt."

Zu den Nachtests herangezogen wurden tiefgefrorene Dopingproben von Olympia-Teilnehmern in den Sportarten Rad, Rudern, Schwimmen und Leichtathletik. Bislang wurden bei den Sommerspielen 16 Dopingfälle - sechs bei Pferden, zehn bei Athleten - gezählt.

Neues Cera-Testverfahren führt zu Nachuntersuchungen

Das IOC hatte die Nachuntersuchungen angeordnet, nachdem die französische Antidoping-Agentur (Afld) ein neues Testverfahren für den Nachweis des EPO-Präparats Cera entwickelt hatte. Dadurch waren auch nachträglich die beiden Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher (Nürtingen) und Bernhard Kohl (Österreich) sowie der Italiener Leonardo Piepoli bei der Tour de France positiv getestet worden. Kohl und Piepoli haben ihre Schuld bereits eingestanden und sind für zwei Jahre gesperrt worden. Schumacher kämpft vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) gegen das Strafmaß noch an.

Das Präparat Cera (Continuous Erythropoiesis Receptor Activator) war im Ausdauerbereich im letzten Jahr offenbar der "Renner". Der Vorteil gegenüber anderen EPO-Mitteln war, dass die Halbwertzeit von Cera nach intravenöser Verabreichung 80 bis 120 Stunden und nach subkutaner (unter die Haut) etwa 150 Stunden beträgt. Damit konnte Cera in größeren zeitlichen Abständen verabreicht werden. Nachteil war aber auch, dass es länger nachzuweisen war.

Insgesamt hatte es während der Spiele in der Kontrollperiode vom 27. Juli bis 24. August 4 770 Dopingtests gegeben, darunter 3 801 Urin- und 969 Bluttests. Sie sollen acht Jahre lang aufgehoben werden.

© SID

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