Olympia Doping
Wada-Kritik am Anti-Doping-Kampf in Peking

Die Wada hat dem IOC einen 50 Seiten starken Bericht vorgelegt. Das unabhängige Expertenteam kritisierte den Anti-Doping-Kampf bei den Olympischen Spielen in Peking.

Nachtests auch auf Insulin, aber Kritik von Wada-Experten am Anti-Doping-Kampf in Peking: Zwölf unabhängige Beobachter der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) haben dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in einem 50-seitigen Bericht zahlreiche Mängel vorgehalten. So hätten 102 der 205 Nationalen Olympischen Komitees (NOK) die Aufenthaltsorte ihrer Athleten während der gesamten Dauer der Spiele nicht angegeben. Unangekündigte Kontrollen waren dadurch in vielen Fällen kaum möglich.

Außerdem fehlen zu 300 von 4 770 Dopingproben Unterlagen. 100 zweifelhafte Testosteron-Werte und 40 weitere bedenkliche Werte seien zudem nicht als auffällig gemeldet worden. Darüber hinaus kritisierten die Experten, sie seien nicht zu allen Sitzungen der Medizinischen Kommission des IOC zugelassen gewesen. Die Kritikpunkte rechtfertigten aber keine Zweifel an den Testergebnissen von Olympia, heißt es in dem Dossier.

Proben auch auf Insulin testen

Unterdessen kündigte IOC-Vize Thomas Bach im ZDF an, die eingefrorenen Proben von Peking sollen auch auf Insulin nachgetestet werden: "Außer auf Cera werden wir auch auf Insulin testen, weil es auch dort ein neues validiertes Verfahren gibt."

Am Mittwoch hatte das IOC bereits angekündigt, die rund 1 000 Blutproben auf das zuvor nicht nachweisbare Blutdopingmittel Cera nachzuuntersuchen. Dabei soll im Labor in Lausanne die neue Untersuchungsmethode eingesetzt werden, die auch zur Überführung der beiden Radprofis Stefan Schumacher und Leonardo Piepoli (Italien) führte.

Bach bestätigte, dass es bei mehreren Sportlern vor und bei Olympia "auffällige Blutwerte" gegeben habe: "Es gibt bei einigen Athleten im Verlaufe verschiedener Proben immer wieder Auffälligkeiten. Diese verfolgen wir sehr aufmerksam."

Die Nachtests seien ein weiterer Beweis der Entschlossenheit des IOC im Kampf gegen Doping. Dazu werden die 4 770 Peking-Proben gerade nach Lausanne gebracht. "Wir hoffen, dass dieser besondere Schritt eine besonders abschreckende Wirkung haben wird und möglichst viele potenzielle Betrüger davon abhält, überhaupt über Doping nachzudenken", meinte Bach.

Insulin-Doping derzeit im Trend

Das verbotene synthetische Insulin gilt als eines der wohl derzeit gebräuchlichsten Dopingmittel und kann seit kurzem mit einem vom Kölner Anti-Doping-Labor entwickelten Urintest nachgewiesen werden. Mit Insulin können Sportler die Glukoseaufnahme der Muskeln deutlich verbessern.

Insgesamt wurden bei den Sommerspielen in Peking während der Kontrollperiode vom 27. Juli bis 24. August 4 770 Dopingtests vorgenommen, darunter 3 801 Urin- und 969 Bluttests. Sie sollen acht Jahre lang aufgehoben werden.

Für die Kontrollen waren die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und das Olympia-Organisationskomitee Bocog zuständig. Die ersten Fünf eines jeden Wettkampfes sowie zwei weitere Athleten wurden überprüft. Außerdem gab es zahlreiche Zielkontrollen.

Bisher sind 16 positive Fälle bekannt, sechs davon bei Pferden. Zwei Athleten verloren bislang drei Medaillen. Die Kontrollen in Peking wurden von einer unabhängigen Expertengruppe der Wada überwacht, die seit Sydney 2000 bei Olympia zum Einsatz kommt.

© SID

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