Olympia Dosb: "Hochschule des Spitzensports" soll Vorbild sein

Olympia Dosb
"Hochschule des Spitzensports" soll Vorbild sein

Die Technische Fachhochschule Berlin ist vom Dosb als erste "Hochschule des Spitzensports" ausgezeichnet worden. "Wir sind stolz auf die Ehrung", so Präsident Reinhard Thümer.

Die Technische Fachhochschule Berlin (TFH) ist vom Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb) als erste "Hochschule des Spitzensports" ausgezeichnet worden. 41 Leistungssportler, darunter Schwimm-Europameisterin Britta Steffen und Hallen-Weltmeister Niklaus (Leichtathletik), sind unter den 9 800 TFH-Studierenden und können dank eines mit dem Olympiastützpunkt Berlin entwickelten "Fünf-Phasen-Betreuungsmodells" Studium und Sport ideal miteinander verbinden. Wie das funktioniert, erzählt TFH-Präsident Prof. Dr. Reinhard Thümer im sid-Interview der Woche.

sid: "Herr Professor Thümer, die TFH ist als erste Hochschule des Spitzensports geehrt worden. Was machen sie besser als andere Hochschulen?"

Prof. Dr. Reinhard Thümer: "Wir bieten Leistungssportlern ein individuelles Studienprogramm. Sie können bei uns losgelöst von den normalen Regeln eines Studiums an den Lehrveranstaltungen teilnehmen. Auch die Prüfungssituation mit Klausuren wird für sie angepasst und so gestaltet, dass sie mit Training und Wettkampf vereinbar ist. Es handelt sich aber nicht etwa um ein Studium light. Die Anforderungen sind ansonsten dieselben. Unser Förderprogramm ist nur ein Geländer, laufen müssen die Athleten alleine."

sid: "Und wie funktioniert Ihre Förderung genau?"

Prof. Thümer: "Wir haben ein Fünf-Phasen-Betreuungsmodell. Zuerst berät der Olympiastützpunkt über die Möglichkeiten eines Studiums an der TFH. Dann erfolgt eine allgemeine Beratung bei uns im Haus. In der dritten Phase erhält der Sportler nach seiner Entscheidung für ein Studium eine gezielte Beratung mit den Verantwortlichen des jeweiligen Fachbereichs, meist dem Dekan. Anschließend folgt die Immatrikulation, wobei wir von TFH-Seite einige Wege verkürzen. Die fünfte Phase ist dann die kontinuierliche, individuelle Betreuung des Sportlers für jedes Semester bis hin zum hoffentlich erfolgreichen Abschluss."

sid: "Wie kam es zu der Kooperation? Wer hat sie angeschoben?"

Prof. Thümer: "Wir haben eine Zentraleinrichtung Hochschulsport. Sie hatte einen Kontakt zum Olympiastützpunkt und so entstand die Zusammenarbeit. Im Frühjahr 2002 haben wir dann den Kooperationsvertrag unterschrieben. Da gehörten wir zu den Ersten."

sid: "Welche Vorteile bringt das für die Hochschule?"

Prof. Thümer: "Die Leistungssportler sind sozusagen die leuchtenden Beispiele. Ihre Kommilitonen sollen den Leistungsgedanken, der bei ihnen besonders ausgeprägt ist, adoptieren."

sid: "Wie meistert Ihr Personal den Mehraufwand?"

Prof. Thümer: "Wir haben rund 300 Hochschullehrer. Für den einzelnen ist das überschaubar, vielleicht eine oder zwei zusätzliche Klausuren. Zudem haben wir ein Förderprogramm, das sich L+ nennt. Dort arbeiten im Ruhestand befindliche Hochschullehrer mit, die Sportlern und anderen Studenten Nachhilfe geben. Es ist aber kein klassischer Nachhilfeunterricht, sondern eine Art Förderunterricht. In Gesprächen werden Defizite erkannt und Hinweise gegeben, wie man diese abstellen kann."

sid: "US-Colleges sind, was die Sportförderung angeht, sehr extrem und dadurch sehr weit voraus. Deren Modell ist sicher nicht auf Deutschland übertragbar. Aber gibt es trotzdem etwas, was man von ihnen lernen kann?"

Prof. Thümer: "Ich denke, dass in Amerika einiges übertrieben wird. Aber die Werbewirksamkeit des Sports kann man sicher auch bei uns stärker nutzen. Ich glaube, wir haben dafür ein gutes Modell."

sid: "Was erwarten Sie von Ihren 13 Peking-Kandidaten?"

Prof. Thümer: "Wir drücken ihnen die Daumen und hoffen natürlich, dass sie möglichst viele Medaillen holen. Aber auch wenn sie ohne wieder nach Hause kommen, sind sie uns lieb."

© SID

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