Olympia Dosb
Länderfürsten streiten um die Wette

Die Magdeburger Konferenz hat für den deutschen Sport wenig Gutes zutage gebracht. In der Frage nach der Zukunft des staatlichen Lotteriemonopols ist keine Entscheidung gefallen.

Ungewissheit über die Wett-Millionen, Einbußen beim TV-Sponsoring: Für den deutschen Sport war die Magdeburger Konferenz der Ministerpräsidenten kein Sechser im Lotto. Während die Landesfürsten mit dem neuen Rundfunkstaatsvertrag das Aus des TV-Sponsorings einleiteten, ist in der Frage nach der Zukunft des staatlichen Lotteriemonopols keine Entscheidung gefallen.

"Da gehen die Positionen weit auseinander", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck vor der letzten Verhandlungsrunde am Freitag im noblen Hotel Herrenkrug. Generell sprachen sich die Ministerpräsidenten zwar für den Erhalt des Lotteriemonopols aus, wie eine konkrete Neuregelung allerdings aussehen soll, wird erst einmal in einer Arbeitsgruppe diskutiert.

Dort sollen zwei mögliche Zukunftsmodelle geprüft werden: Eines zur Weiterentwicklung des Monopols und eine Variante zur konzessionierten Öffnung des Sportwettenangebots unter Beibehaltung des Lotteriemonopols. Der aktuelle Glücksspielstaatsvertrag läuft Ende 2011 aus und soll der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (Eugh) angepasst werden, der das staatliche Monopol in der jetzigen Form gekippt hatte.

Beck mit Unverständnis

"Ich sehe nicht ein, dass der Sport nicht mehr an diesem Lotterie-System teilhaben soll, dafür aber einige wenige Personen zig Mill. Euro kassieren", sagte SPD-Politiker Beck. Eine deutliche Absage erteilte Beck dem Wunsch von CDU und FDP, das Glücksspielgesetz nur für einige Länder zu liberalisieren und somit Inseln des privaten Glücksspiels zu schaffen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hatte so einen Vorschlag eingebracht. "Dann hätten wir in einigen Ländern Las Vegas. Das wollen wir nicht", sagte Beck.

Während Beck in der Frage des Wettspielmonopols für den Sport eintrat, kannte er bei der Zustimmung zum neuen Rundfunkstaatsgesetz kein Pardon. Der SPD-Mann stimmte wie auch seine politischen Widersacher der Streichung des Programmsponsorings in ARD und ZDF nach 20 Uhr und an Sonntagen sowie an Feiertagen zu. Damit ist der Ausstieg aus dem Programmsponsoring besiegelt.

"Unser Auftrag ist es, das Programmsponsoring bis 2015 ganz aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu kriegen", sagte Beck. Der Zuschauer habe ja mittlerweile überhaupt keine Übersicht mehr darüber, wer was wo alles präsentiere. Dass man den Sport im Stich gelassen habe, wollte Beck allerdings nicht hören: "Das Sponsoring gibt es ja auch weiterhin bei Großveranstaltungen wie Fußball-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen."

Dosb-Präsident Bach kritisiert heftig

Deutliche Kritik gab es für diese Entscheidung vom Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb). "Dies ist eine Zäsur in der Sportvermarktung und erschwert es dem deutschen Spitzensport, im internationalen Wettbewerb mitzuhalten", sagte Dosb-Präsident Thomas Bach.

Gerade die von Beck gelobte Ausnahmeregelung für Großereignisse stand im Mittelpunkt der Kritik des Dosb-Spitzenfunktionärs. Denn dadurch werde, so Bach, "ein tiefer Graben durch die Sportlandschaft gezogen und eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geschaffen".

So gelte das Verbot von TV-Sponsoring zwar bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften im Fußball sowie bei Länderspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nicht, für Weltmeisterschaften beispielsweise in den Sportarten Leichtathletik, Ski oder Schwimmen seien dagegen keine Ausnahmen vorgesehen.

"Viele kleinere Sportarten werden wie ein Licht nur zu Olympia angeknipst und danach wieder ausgeschaltet. Das ist zu wenig. Wir brauchen mehr Ausgewogenheit", sagte Bach: "Dabei muss die Vielfalt des Spitzensports im Programm abgebildet werden. Sportübertragungen dürfen nicht allein auf jene Großereignisse beschränkt werden, die vom Programmsponsoringverbot ausgenommen sind."

© SID

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