Olympia in Hamburg

Bescheidenheit sieht anders aus

Olympia in Hamburg soll den Steuerzahler unterm Strich 7,4 Milliarden Euro kosten. Jetzt müssen sich Hamburgs Bürger fragen, ob sie das wirklich wollen. Ein Kommentar.
So hätte Hamburg 2024 aussehen sollen
Hafeninsel bei Nacht
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So haben sich die Hamburger Olympiaplaner das Gelände für die Spiele 2024 vorgestellt: Die Hafeninsel Kleiner Grasbrook sollte das Olympiastadion, die Olympiahalle und das Olympische Dorf aufnehmen.

OlympiaCity
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Die Planer hatten sich intensiv mit der Nachnutzung beschäftigt: Anders als beispielsweise in Athen sollten die Sportstätten nach den Spielen nicht ungenutzt bleiben. Hier zu sehen: Das Olympiagelände nach den Spielen als neuer Stadtteil OlympiaCity.

Olympiastadion am Wasser
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Der Blick von oben zeigt: Das Olympiastadion sollte direkt am Wasser entstehen. Zum Olympischen Dorf führen im Entwurf mehrere neue Brücken.

Zu Fuß und per Rad erreichbar
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Der Blick von Westen: Das Bild verdeutlicht die Lage des Geländes; im Vordergrund die Elbphilharmonie. Die Bewerbung sollte beim IOC damit punkten, dass die Sportstätten häufig zu Fuß oder per Rad erreichbar sind. Fast alles sollte im Radius von zehn Kilometern um die OlympiaCity liegen. Die Macher versprachen auch, dass - anders als bei der Elbphilharmonie - die Kosten nicht aus dem Ruder laufen.

60.000 Sitzplätze
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Kernstück sollte das Olympiastadion auf der Elbinsel Kleiner Grasbrook sein.

Recycelte Tribünen
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Nach den Spielen sollte der äußere Rand des Stadions zu Wohnungen werden. 400 Einheiten sollten dadurch entstehen. Die Sitzschalen, die wegfallen, sollten recycelt werden – oder als Andenken verkauft. Im Inneren des neuen Wohnrings wären 20.000 Sitzplätze für Leichtathletikveranstaltungen geblieben.

Keine Proteste
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An Anwohnerproteste haben die Planer offenbar auch gedacht: Sie schrieben ausdrücklich, solche Veranstaltungen sollten nur selten stattfinden.

HamburgDas bislang gern bemühte Wort „Bescheidenheit“ fiel nicht mehr bei der Vorstellung des Finanzreports zur Hamburger Olympiabewerbung. Kein Wunder: Die geplanten Kosten von 11,2 Milliarden Euro, davon 7,4 Milliarden Euro für den Steuerzahler, liegen nicht weit unten den Kosten für London 2012. Und dazu kommt noch eine Milliarde Euro für den nachfolgenden Rück- und Ausbau des Olympischen Dorfs. Bescheidenheit sieht wahrlich anders aus.

Klar ist damit: Olympische Spiele in Hamburg wären keine Zeitenwende für Olympia. Die Spiele bleiben ein kostspieliges Unterfangen, es reicht nicht aus, vorhandene Stadien einmal feucht durchzuwischen. Andererseits gibt die vorgelegte Kalkulation den Olympia-Befürwortern Hoffnung: Zum einen unterstützt die recht hohe Zahl das Versprechen von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), dass die Bürger vor dem Referendum Ende November eine realistische Schätzung kennen – und keine geschönten Zahlen wie einst bei der Elbphilharmonie.

Christoph Kapalschinski ist Redakteur im Ressort Unternehmen und Märkte. Quelle: Pablo Castagnola
Der Autor

Christoph Kapalschinski ist Redakteur im Ressort Unternehmen und Märkte.

(Foto: Pablo Castagnola)

Zum anderen zeigt sich, womit Hamburg gegen starke Mitbewerber wie Paris und Los Angeles punkten könnten: Die Stadtverwaltung und die Planungsbüros haben sehr detaillierte Pläne vorgelegt – zu einem Zeitpunkt, zu dem Los Angeles seine Bewerbung gerade erst gestartet hat und in Paris erst luftige Ideen erwogen werden. Die Planer binden Umweltgruppen und auch die betroffenen Firmen im Hafen, die umziehen müssen, frühzeitig ein. Eine breite Protestfront ist daher bislang nicht entstanden. Und: Die Pläne sind solide durchgeprüft, realistisch und könnten das IOC überzeugen.

Größter Profiteur könnte die Stadt Hamburg sein, die dank Milliarden aus dem Bundeshaushalt einen neuen Stadtteil namens „Olympia City“ bauen kann und Projekte wie die Hafenautobahn und den Ausbau der Hauptbahnhofs beschleunigen würde. Dazu kommt die Aussicht auf ein Sportfest mit Weltausstrahlung. Scholz will dabei Barcelona nacheifern, das als einer der wenigen Austragungsorte unzweifelhaft dauerhaft profitiert hat – allerdings hatte Barcelona eine wesentlich schlechteren Ausgangslage nach der Franco-Diktatur als das blühende Hamburg, also deutlich mehr Verbesserungspotenzial durch die Spiele.

Daher müssen sich Hamburgs Bürger bis Ende November die Frage stellen: Wollen sie, dass ihr Geld für das Projekt ausgegeben wird? Brauchen sie einen weiteren Retortenstadtteil nach dem Bau der bisherigen Hafen City? Und wären die zu erwartenden Haushaltsüberschüsse besser in der Schuldentilgung angelegt?

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