Olympia in Hamburg
Bescheidenheit sieht anders aus

Olympia in Hamburg soll den Steuerzahler unterm Strich 7,4 Milliarden Euro kosten. Jetzt müssen sich Hamburgs Bürger fragen, ob sie das wirklich wollen. Ein Kommentar.

HamburgDas bislang gern bemühte Wort „Bescheidenheit“ fiel nicht mehr bei der Vorstellung des Finanzreports zur Hamburger Olympiabewerbung. Kein Wunder: Die geplanten Kosten von 11,2 Milliarden Euro, davon 7,4 Milliarden Euro für den Steuerzahler, liegen nicht weit unten den Kosten für London 2012. Und dazu kommt noch eine Milliarde Euro für den nachfolgenden Rück- und Ausbau des Olympischen Dorfs. Bescheidenheit sieht wahrlich anders aus.

Klar ist damit: Olympische Spiele in Hamburg wären keine Zeitenwende für Olympia. Die Spiele bleiben ein kostspieliges Unterfangen, es reicht nicht aus, vorhandene Stadien einmal feucht durchzuwischen. Andererseits gibt die vorgelegte Kalkulation den Olympia-Befürwortern Hoffnung: Zum einen unterstützt die recht hohe Zahl das Versprechen von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), dass die Bürger vor dem Referendum Ende November eine realistische Schätzung kennen – und keine geschönten Zahlen wie einst bei der Elbphilharmonie.

Zum anderen zeigt sich, womit Hamburg gegen starke Mitbewerber wie Paris und Los Angeles punkten könnten: Die Stadtverwaltung und die Planungsbüros haben sehr detaillierte Pläne vorgelegt – zu einem Zeitpunkt, zu dem Los Angeles seine Bewerbung gerade erst gestartet hat und in Paris erst luftige Ideen erwogen werden. Die Planer binden Umweltgruppen und auch die betroffenen Firmen im Hafen, die umziehen müssen, frühzeitig ein. Eine breite Protestfront ist daher bislang nicht entstanden. Und: Die Pläne sind solide durchgeprüft, realistisch und könnten das IOC überzeugen.

Größter Profiteur könnte die Stadt Hamburg sein, die dank Milliarden aus dem Bundeshaushalt einen neuen Stadtteil namens „Olympia City“ bauen kann und Projekte wie die Hafenautobahn und den Ausbau der Hauptbahnhofs beschleunigen würde. Dazu kommt die Aussicht auf ein Sportfest mit Weltausstrahlung. Scholz will dabei Barcelona nacheifern, das als einer der wenigen Austragungsorte unzweifelhaft dauerhaft profitiert hat – allerdings hatte Barcelona eine wesentlich schlechteren Ausgangslage nach der Franco-Diktatur als das blühende Hamburg, also deutlich mehr Verbesserungspotenzial durch die Spiele.

Daher müssen sich Hamburgs Bürger bis Ende November die Frage stellen: Wollen sie, dass ihr Geld für das Projekt ausgegeben wird? Brauchen sie einen weiteren Retortenstadtteil nach dem Bau der bisherigen Hafen City? Und wären die zu erwartenden Haushaltsüberschüsse besser in der Schuldentilgung angelegt?

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