Olympia IOC
Bach im Dreikampf um IOC-Vizepräsidentschaft

Ein Selbstläufer wird die Bewerbung von Dr. Thomas Bach auf den Posten des IOC-Vizepräsidenten nicht. Zwei Gegenkandidaten machen dem Deutschen das Leben schwer. Derweil intensiviert das IOC den Kampf gegen Doping.

Für Thomas Bach, Anwärter auf das Amt des Vizepräsidenten im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), wird die Luft immer dünner. Nach dem Italiener Mario Pescante bestätigte auch der derzeitige 1. IOC-Vize Jim Easton (USA) seine erneute Kandidatur. Er werde seine Bewerbung in der kommenden Woche offiziell verkünden, sagte er am Rande der Exekutivtagung in Lausanne dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Damit kommt es auf der Session in Turin Anfang Februar zu einem Dreikampf, dessen Ausgang völlig offen scheint. Für Easton spricht, dass ein Platzhalter noch nie aus der Exekutive gewählt worden ist. Seit der Neufassung der Charta 2004 können auch Vizepräsidenten dem Führungsgremium acht Jahre lang angehören, während sie zuvor nach einer Amtszeit von vier Jahren ausscheiden mussten.

Pescante verfügt als Vorsitzender der europäischen Noks über eine starke Lobby, die für seinen Vorgänger Jacques Rogge 2001 das Sprungbrett zur IOC-Präsidentschaft war. Hinzu kommt der Heimvorteil des Italieners als Gastgeber der Session und der Spiele.

Bach in Bedrängnis

Bach bringt allerdings die weitaus größte Erfahrung in IOC-Führungspositionen mit. Der Tauberbischofsheimer war bereits 1996 bis 2004 Mitglied der Exekutive, davon ab 2001 als Vizepräsident. Er ist zudem Leiter der einflussreichen Juristischen Kommission und genießt nicht zuletzt bei den Athletenvertretern hohes Ansehen.

Ebenso schwer dürfte das Rennen um den anderen Platz in der Exekutive werden, der in Turin zu vergeben ist. Dafür haben sich auch Amtsinhaber Toni Khoury (Libanon) und die Afro-Amerikanerin Anita Defrantz (USA) beworben. Während Easton wohl nur die Vize-Position im Auge hat und nicht gegen seine Landsfrau antreten will, würden Bach und Pescante einen zweiten Anlauf nehmen.

Defrantz, die bereits einmal Vizepräsidentin war, wäre neben der Schwedin Gunilla Lindberg die erst zweite Frau im 15-köpfigen Gremium, was durchaus ein Wahl-Argument sein kann. Weitere Kandidaturen können allerdings noch bis einen Tag vor der Wahl angemeldet werden.

Derweil soll Italien zu den Winterspielen von Turin sein fünftes IOC-Mitglied erhalten und damit zu Spitzenreiter Schweiz in der Nationen-Rangliste aufschließen. Unter den fünf Kandidaten, die die Exekutive in Lausanne zur Aufnahme vorschlug, befindet sich auch Francesco Ricci Bitti, Präsident des Tennis-Weltverbandes ITF. Die Zustimmung der Session Anfang Februar wird in allen Fällen erwartet. Da fünf Mandate auslaufen, bliebe es bei 115 Mitgliedern.

Nur noch zwei Deutsche im IOC

Vorgeschlagen sind neben Ricci Bitti der Niederländer Hein Verbruggen (Vizepräsident des Radsport-Weltverbandes UCI), Prinz Tunku Imran (NOK-Präsident Malaysia) sowie zwei Frauen, Beatrice Allen (NOK-Vizepräsidentin Gambia) und Nicole Hoevertsz (NOK-Generalsekretärin Aruba). Durch sie würde die Zahl der weiblichen Mitglieder auf 14 steigen, also auf knapp zwölf Prozent.

Verbruggen hatte nach seinem Rücktritt als UCI-Präsident Ende September die IOC-Zugehörigkeit verloren. Erfolgt seine Bestätigung durch die Session, hätten die Niederlande wieder vier Mitglieder und blieben drittstärkste "Fraktion".

Deutschland ist im IOC nur durch Thomas Bach und Walther Tröger vertreten. Rodel-Olympiasieger Georg Hackl bewirbt sich in Turin um einen dritten deutschen Platz im IOC als Athletenvertreter. Dieser war in Athen 2004 verloren gegangen, weil sich Leichtathlet Florian Schwarthoff nach dem Ausscheiden von Ruderer Roland Baar nicht hatte durchsetzen können.

Neben den institutionellen Fragen spielt auch das Thema Doping auf der IOC-Tagung wieder eine elementare Rolle. Die IOC-Exekutive gab bekannt, dass während der Winterspiele von Turin 1 200 Dopingtests durchgeführt werden, womit sich die Zahl der Kontrollen gegenüber Salt Lake City 2002 um 45 Prozent erhöht. Vor vier Jahren wurden rund 830 Proben genommen. Die Testphase beginnt mit Öffnung des Olympischen Dorfes Ende Januar und endet mit der Schlussfeier am 26. Februar.

Verschärfte Dopingkontrollen in Turin

Während dieser Zeit liegt die Zuständigkeit allein beim IOC. Die Welt-Antidoping-Agentur Wada und das Organisationskomitee Toroc stellen jedoch ebenfalls Mitglieder für eine Einsatztruppe (Task Force), die vor allem außerhalb der Wettkämpfe auf die Jagd nach Dopingsündern gehen wird. Ein ähnliches Gremium hatte zum Schluss der Spiele 2002 spektakuläre Erfolge verzeichnet. So wurde unter anderem der Deutsch-Spanier Johann Mühlegg nach drei Goldmedaillen im Skilanglauf der Manipulation überführt.

Alle Dopingproben von Turin werden erstmals für acht Jahre eingefroren und verbleiben bis 2014 in IOC-Besitz, um durch verbesserte Nachweismethoden Täter auch später noch überführen zu können.

© SID

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