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IOC-Präsident Rogge in unruhigem Fahrwasser

Menschenrechte, Pressefreiheit, Doping - IOC-Präsident Jacques Rogge steht nach 40 Jahren im Kreise der olympischen Familie vor seinem schwersten Kampf.

Nach 40 Jahren im Kreise der olympischen Familie steuert IOC-Präsident Jacques Rogge auf seine größte Herausforderung zu. Das wurde auch in seiner Eröffnungsrede der 120. IOC-Session am Montag in der neuen Pekinger Oper deutlich. Menschenrechte, Pressefreiheit und Doping sind die bestimmenden Themen in diesen Tagen.

Auf die drängenden Fragen ging der Belgier Rogge erneut nicht ein. Stattdessen würdigte er das Erreichte und setzt in China auf die Kraft der olympischen Idee. "China ist eine Nation im Wandel und in der Entwicklung mit einer sehr großen Zukunft, enormem Potenzial und einigen Herausforderungen. Ich glaube, dass die Olympischen Spiele als Meilenstein in Chinas Entwicklungsprozess eingehen", sagte der 66-Jährige.

Chinas Staatspräsident als prominentester Gast

Prominentester Gast im futuristischen Nation Performing Art Center war Hu Jintao. Chinas Staatspräsident wertet die Spiele als Chance: "Ich habe die große Hoffnung, der Welt die Aufrichtigkeit der chinesischen Menschen zu zeigen."

China wolle an den Vorteilen und der Entwicklung teilhaben und gemeinsam mit dem Rest der Welt eine große Zukunft bauen, sagte Hu weiter. Sein Dank ging an das IOC für die bisherige reibungslose Zusammenarbeit. Die olympische Familie und das IOC spielten eine großartige Rolle und würden die Sportentwicklung seines Landes vorantreiben, meinte der Staatschef.

Der ehemalige Olympia-Segler Rogge und die olympische Bewegung müssen bei den Spielen in Peking die im April von ihm selbst eingestandene größte Krise des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) seit den Olympia-Boykotten 1980 und 1984 meistern. Die Kritik am Olympia-Gastgeber China wegen Menschenrechtsverletzungen, Internetzensur und Todesstrafe hatte das IOC trotz aller Vorwarnungen offenbar völlig unvorbereitet getroffen. Das Lob von allen Seiten für die laut Rogge "exzellente Vorbereitung" der Chinesen auf technischem Gebiet verhallte da zwangsläufig.

Rogge entscheidet nach Peking über erneute Kandidatur

Für Rogge geht es nicht zuletzt auch um seine persönliche Zukunft. Er kündigte jüngst an, nach Peking über eine erneute Kandidatur als Präsident zu entscheiden. Die Wahl findet im Oktober 2009 in Kopenhagen statt.

Ab Dienstag tagen die 110 IOC-Mitglieder im noblen Beijing-Hotel. Dann geht es um Themen wie die Premiere der olympischen Jugend-Spiele 2010 in Singapur und um den härteren Umgang mit Dopingsündern. Wer in Peking erwischt wird, soll in London 2012 nicht mehr teilnehmen dürfen.

Außerdem stehen die Wahlen zur 15-köpfigen Exekutive auf dem Programm, in der der deutsche IOC-Vize Thomas Bach seinen Sitz bis 2010 sicher hat. Dagegen muss die Schwedin Gunilla Lindberg, ebenfalls Vize-Präsidentin, nach acht Jahren turnusgemäß ausscheiden. Als Favoritin auf ihre Nachfolge gilt Nawal El Moutawakel, 1984 als erste muslimisch-afrikanische Frau Olympiasiegerin (400m Hürden). Seit 1998 sitzt sie im IOC, sie kandidiert als einzige Frau für die Exekutive.

Für den Italiener Ottavio Cinquanta (Italien) als Vertreter der Wintersportarten soll Eishockey-Weltverbands-Präsident Rene Fasel (Schweiz) nachrücken. Zur Wiederwahl stellen sich Richard L. Carrion (Puerto Rico) und Chinas Zaiqing Yu. Auch Sergej Bubka als Chef der Athletenkommission scheidet aus. Für ihn wird ein Nachfolger gesucht.

© SID

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