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IOC-Präsidentschaft: Rogge vor Wiederwahl

Jacques Rogge wird sich heute in Kopenhagen als einziger Kandidat der Wiederwahl zum IOC-Präsidenten stellen. Damit würde der Belgier seine Amtszeit um vier Jahre verlängern.

Wenn es ums Geld geht, leuchten die Augen des "Herrn der Ringe". Seit Jacques Rogge 2001 zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt wurde, ist das Geldverdienen endgültig zur olympischen Königsdisziplin geworden. Ein Einnahmerekord folgt dem anderen. Die IOC-Rücklagen haben sich mehr als vervierfacht - auf beeindruckende 455 Mill. Dollar (305 Mill. Euro).

Heute tritt der 67 Jahre alte Belgier auf der 121. IOC-Session in Kopenhagen zur Wiederwahl an und an zwei Dingen gibt es keinen Zweifel: Rogge, der ohne Gegenkandidat ist, wird bis 2013 im Amt bestätigt und seiner Linie treu bleiben. Vor einem Jahr hatte der dreimalige Olympia-Segler per Brief an alle derzeit 105 IOC-Mitglieder angekündigt, an seine erste achtjährige Amtszeit weitere vier Jahre anhängen zu wollen.

Macht nein, Einfluss ja

Macht durch Moneten, so ließe sich Rogges Philosophie übersetzen. Er selbst würde das so allerdings nie sagen und erklärte stattdessen in Kopenhagen: "Ich mag das Wort Macht nicht. Das IOC hat keine Macht, es hat Verantwortung und vielleicht auch Einfluss. Aber Macht und Einfluss sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Wir sind davon abhängig, dass die Öffentlichkeit an die olympischen Werte glaubt."

Den Kampf um die Glaubwürdigkeit erklärte der ehemalige Rugby-Nationalspieler deshalb dieser Tage noch einmal zur obersten Priorität. Rogge steht für die strikteste Anti-Doping-Politik der IOC-Geschichte. Trotz des Strebens nach Rekordeinnahmen ist der ehemalige Chirug ein "Saubermann" geblieben.

Rogge geht Samaranchs Weg weiter

Sein Vorgänger Juan Antonio Samaranch ebnete dem Kommerz den Weg, Rogge beschritt ihn konsequent weiter. Dabei war er mit dem Ziel angetreten, den Gigantismus der Spiele zu stoppen, damit auch Schwellenländer Olympia-Gastgeber werden können. Die Entscheidung für Rio als Ort der Sommerspiele 2016 könnte als Erfolg interpretiert werden, doch beim Blick hinter die schönen Bilder zeigt sich: Rio war die teuerste Wahl. 14 Mrd. Dollar (9,5 Mrd. Euro) sind für die Spiele in sieben Jahren eingeplant. Immerhin soll es bei maximal 10 500 Athleten bleiben.

Zweimal grandios gescheitert ist die von Rogge bei seiner Wahl am 16. Juli 2001 in Moskau versprochene Reform des olympischen Programms. Jünger und moderner sollten die Spiele werden. Festgefahrener denn je sind sie. Nun stehen Golf und Siebener-Rugby vor der Tür. Ein Selbstläufer wird deren Aufnahme am Freitag nicht. Gerade gegen Golf gibt es innerhalb der olympischen Familie Vorbehalte. Im Interview mit "Around the Rings" räumte Rogge ein: "Beim Bemühen um die Jugend hilft Rugby sicher mehr als Golf."

Jugendspiele feiern 2010 Premiere

Das Lieblingskind des Präsidenten, der ein Ehrenamt ausfüllt, das ein Fulltime-Job ist, sind die Jugendspiele. Sie erleben 2010 in Singapur ihre Premiere. Mit diesem nicht unumstrittenen Projekt hat Rogge sein Vermächtnis geschaffen, beim Management der Krise vor und während der Sommerspiele von Peking 2008 jedoch erhebliche Schwächen gezeigt. Erst schwieg er lange, danach fand Rogge selten klare Worte.

Trotzdem genießt der Präsident bei der großen Mehrheit der IOC-Mitglieder höchstes Ansehen. Sein Auftreten ist von Offenheit und persönlicher Bescheidenheit geprägt, sein Arbeitspensum gewaltig. Für die Präsidentschaft gab er seinen Beruf als Klinikchef auf und siedelte nach Lausanne über. Seit 1991 ist er im IOC, seit 1998 in der Exekutive. Einen Namen machte sich der Mediziner, als er die Koordinierungskommission für die Sommerspiele in Sydney leitete, die dann zum überwältigenden Erfolg wurden.

© SID

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