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IOC zieht im Bedarfsfall Geschlechtstests zu Rate

Im Bedarfsfall wird das IOC Athleten in Peking einem Geschlechtstest unterziehen. Diese Methode komme aber nur bei berechtigten Zweifeln zum Einsatz, so Mediziner Arne Ljungqvist.

Bei den Olympischen Spielen in Peking stehen Experten bereit, um im Bedarfsfall einen Geschlechtstest bei den Teilnehmern vorzunehmen. Sie kämen allerdings nur zum Einsatz, wenn bei Frauen berechtigte Zweifel bestünden, erklärte Prof. Arne Ljungqvist, Chef der Medizinischen Kommission des Internationalen Olympische Komitees (IOC), am Dienstag. Zur Feststellung des Geschlechts werden Proben aus der Mundschleimhaut entnommen und die Zellen untersucht.

In der Vergangenheit gab es wiederholt Fälle, bei denen Tests zu Tage förderten, dass Männer unwissentlich als Frauen an den Start gingen. Die als Polin geborene Amerikanerin Stella Walsh etwa holte über 100m 1932 in Los Angeles Gold und vier Jahre später in Berlin Silber. Als sie 1980 bei einem Überfall erschossen wurde, stellte sich heraus, dass Walsh männliche Geschlechtsorgane hatte.

Santhi Soundarajan musste Medaille abgeben

Bei den Asienspielen 2006 in Doha musste die indische Leichtathletin Santhi Soundarajan ihre 800-m-Silbermedaille wieder abgeben, nachdem bei einem Geschlechtstest herausgekommen war, dass sie von der Chromosomen-Konstellation her männlich ist. Anschließend unternahm Soundarajan einen fehlgeschlagenen Selbstmordversuch.

Normalerweise weisen Frauen zwei X-Chromosomen (XX) in ihren Zellen auf, Männer ein X- und ein Y-Chromosom (XY). Manche mit einem Y-Chromosom geborenen Menschen entwickeln alle körperlich charakteristischen Merkmale einer Frau - ausgenommen die internen Sexual-Organe. Sie leiden unter dem Androgen Insuffizienz Syndrom (AIS).

Diese Frauen sind XY, allerdings kein Mann, weil ihr Körper nicht auf das produzierte Testosteron reagiert. Deshalb dürften sie auch bei den Frauen starten. Sieben der acht Frauen die 1996 bei Olympia in Atlanta positiv auf Y-Chromosomen getestet wurden, hatten AIS und durften starten.

Gender Verification nur noch in strittigen Fällen

Das IOC hatte die umstrittene "Gender Verification" 1968 als verbindlich eingeführt, vor den Sommerspielen 2000 in Sydney jedoch wieder abgeschafft und sieht sie mittlerweile nur noch in strittigen Fällen vor. Dagegen sind sie in einigen Sportfachverbänden noch existent.

Seit Turin 2006 lässt das IOC auch Athleten bei Olympia zu, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen haben. Diese muss aber abgeschlossen sein.

© SID

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