Olympia IOC
Lindberg leitet als erste Frau IOC-Session

Erstmals in der Geschichte des IOC hat in Gunilla Lindberg eine Frau eine Session des Olympischen Komitees geleitet. Derweil verweigerte China einem Olympia-Sieger die Einreise.

Die 120. Session des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) konnte mit einem echten Novum aufwarten: Nach 114 Jahren hatte erstmals eine Frau das Sagen. Die Schwedin Gunilla Lindberg übernahm als erste Vize-Präsidentin von Jacques Rogge die Leitung der Tagung, weil der Präsident zum Hissen der belgischen Nationalflagge ins Olympische Dorf geeilt war. "Zeit wird's, dass eine Frau hier sitzt", meinte der 66-Jährige.

Zuvor hatte Rogge in einer internen Angelegenheit ein Machtwort gesprochen und erklärt, am 1999 eingeführten Besuchsverbot für IOC-Mitglieder in Olympia-Kandidatenstädten festzuhalten: "Daran ändern wir nichts", sagte er und wies Forderungen nach einer Gruppenreise des gesamten IOC zu den Kandidaten kategorisch zurück.

Das Besuchsverbot war 1999 als Reaktion auf den Bestechungsskandal um die Wahl von Salt Lake City zum Schauplatz der Winterspiele 2002 eingeführt worden. Nur noch die IOC-Evaluierungskommission darf in die Bewerberstädte reisen.

Groß: "Das IOC verrät die olympischen Ideale"

Kritische Stimmen wie am Vortag vom ehemaligen Chef-Dopingjäger Dick Pound gab es diesmal nicht. Dafür meldete sich der dreimalige Schwimm-Olympiasieger Michael Groß aus der Heimat in einem Zeit-Interview zu Wort. Er warf dem IOC vor, seine eigenen Ideale aufs Spiel zu setzen. "Die Zensur der Olympia-Journalisten, die nicht frei im Internet recherchieren können, ist der erste Sündenfall - erbärmlich. Das IOC verrät die olympischen Ideale", sagte der "Albatross".

Neben den Behörden kündigte auch das Organisationskomitee Bocog Härte an. Gegen Protestaktionen bei der Eröffnungsfeier am Freitag (20.00 Uhr Ortszeit/14.00 Uhr Mesz) soll rigoros vorgegangen werden. Zhang Heping, verantwortlicher Direktor für Eröffnungs- und Schlussfeier: "Wenn bei der Eröffnungsfeier irgendetwas gezeigt wird oder Losungen skandiert werden, würde das gegen die Olympische Charta und den olympischen Geist verstoßen. Ich glaube schon, dass wir dann Maßnahmen ergeifen." Wie sie aussehen könnten, sagte er nicht.

China verweigert Olympia-Sieger die Einreise

Das China gegenüber unliebsamen Besuchern keine Milde kennt zeigte das Gastgeberland unterdessen gegenüber Joey Cheek. Dem Eisschnelllauf-Olympiasiegers und Darfur-Aktivisten aus den USA wurde ein Visum für die Reise zu den Sommerspielen verweigert. IOC-Sprecherin Giselle Davis zeigte sich hilflos: "Er wollte als Privatmann kommen und hätte keine offizielle Funktion gehabt. Deshalb können wir uns der Sache nicht annehmen." Zum wiederholten Male löste das erneute Muskelspiel der Chinesen Ohnmacht beim IOC aus.

Der abgewiesene Cheek meinte: "Ungeachtet der Tatsache, dass ich immer positiv über die olympischen Ideale gesprochen, nie zu einem Boykott aufgerufen oder Sportler aufgefordert habe, gegen IOC-Regeln zu verstoßen, wurde der Visa-Antrag weniger als 24 Stunden vor meinem geplanten Reiseantritt abgelehnt."

Cheek: "Systematische Einschüchterung der chinesischen Regierung"

Der 500-m-Goldmedaillengewinner von 2006 hatte bei der Abschlussfeier in Turin die US-Fahne getragen. "Die Verweigerung meines Antrages ist ein Teil des systematischen Vorgehens der chinesischen Regierung, um Sportler einzuschüchtern, die sich für die unschuldigen Menschen in Darfur einsetzen."

© SID

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