Olympia IOC
Salzburg macht sich vor Olympia-Vergabe Mut

Vor der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014 macht sich Salzburg Mut. Gegen die Konkurrenten Sotschi (Russland) und Pyeongchang (Südkorea) müssen sich die Österreicher durchsetzen.

"Unübertrefflich", sei das Angebot, das die Stadt Salzburg dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) machen könne, sagt Bundespräsident Heinz Fischer. Mit Blick auf die Entscheidung am kommenden Mittwoch in Guatemala City fügte er durchaus frohgemut hinzu: "Ich glaube, wir können auf eine faire, gerechte Vergabe erhoffen." Da werden ihm die Konkurrenten Sotschi (Russland) und Pyeongchang (Südkorea) nicht widersprechen.

Doch so gelassen wie Fischer gaben sich bei der Abreise der 61-köpfigen Delegation nicht alle in der Alpenrepublik. Seit die Inspektoren des IOC Anfang Juni in ihrem Evaluierungsbericht doch leise Zweifel an der Qualität der Bewerbung kund taten, sind die Österreicher und speziell die Salzburger irritiert.

Für "nicht nachvollziehbar" hält etwa Leo Wallner, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Österreich (ÖOC), etwa die IOC-Erhebung vom Dezember, nach der nur 42 Prozent der Einwohner der Mozartstadt den Spielen 2014 positiv gegenüber stünden. Laut einer eigenen Umfrage vom April 2007 liege die Zustimmung bei 81 Prozent in der Region Salzburg, ereiferte sich der ÖOC-Chef.

Salzburger rechnen sich Chancen aus

Nach der zunächst trüben Stimmung hat Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden hat alle Beteiligten wieder auf Linie gebracht - kein öffentliches Zweifeln oder Zaudern ist vernehmbar. "Wie wir aus internationalen Expertenkreisen hören, ist es wirklich so, dass die Chance wirklich ganz, ganz groß ist, dass es am Ende doch Salzburg wird", meint Olympia-Geschäftsführer Rudi Höller.

Zumindest scheint es dem ÖOC gelungen, bei der Aufarbeitung des Dopingskandals von Turin 2006 Schadensbegrenzung zu erreichen. Das konsequente Durchgreifen gegen den eigenen Skiverband hat durchaus Respekt eingetragen.

Die Österreicher setzen nun auf Emotion bei der letzten Präsentation auf der IOC-Session am Mittwoch. Höller hat alle vorgesehenen Redner zum Rhetorik-Kurs abkommandiert - auch den österreichischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. "Wenn man die olympische Idee in den Vordergrund stellt, dann ist Salzburg unschlagbar", behauptet der Regierungschef, der am Freitag nach Guatemala aufbrach. Zur Delegation gehört auch der deutsche Rodel-Olympiasieger Georg Hackl - schließlich hat sich Salzburg abermals mit dem deutschen Partner Schönau/Königssee und dessen Eiskanal beworben.

Wenn es nur um die Fakten ginge, wären nach derzeitigem Stand Winterspiele sicher am ehesten in Salzburg vorstellbar. Acht der elf im Zwei-Regionen-Konzept vorgesehenen Wettkampftstätten sind bereits vorhanden und bei großen Wettkämpfen erprobt. Der Eissport findet in Salzburg statt; alle Schnee-Wettbewerbe werden in der Region Pongau mit bekannten Orten wie Bischofshofen, Zauchensee oder Flachau ausgetragen. Das Verkehrskonzept gilt als schlüssig, maximal 30 Minuten würden die Athleten zu den Schauplätzen benötigen.

Konservative Kalkulation verstört IOC-Experten

Die Salzburger kalkulieren eher konservativ: Mit nur 965 Mill. Euro wollen sie auskommen. Das hat die IOC-Experten aber eher verstört, ebenso wie die Tatsache, dass die Gäste aus der ganzen Welt auf insgesamt 1 400 Unterkünfte verteilt werden sollen: Da sei "große Sorgfalt" nötig, mahnten die Inspektoren skeptisch. Für ÖOC-Chef Wallner geht es letztlich um die Frage, "ob man für ein kompaktes, fertiges Angebot ohne besonderes Risiko entscheidet, wo die Sicherheit gegeben ist, oder für einen Ort mit neuen, aber noch nicht gebauten Wettkampfstätten."

Fraglich, ob dies die Frage ist, die sich die voraussichtlich 102 in der ersten Runde stimmberechtigten IOC-Mitglieder stellen werden. Wallner jedenfalls will noch einmal alles geben, in Guatemala City wurde sogar eigens ein Appartement gemietet: In dem soll Kanzler Gusenbauer die potenziellen Salzburg-Befürworter ebenso wie die Wackelkandidaten zum Gespräch empfangen können - ähnlich wie der nunmehr frühere britische Premier Tony Blair es erfolgreich vor rund zwei Jahren in Singapur vor der Vergabe der Sommerspiele 2012 noch getan hat. Gusenbauer betont: "Wir kämpfen bis zur letzten Sekunde."

Niemand mag daran denken, dass Salzburg wie 2010 schon in Runde eins scheitert. Bei einem Zuschlag wäre wohl auch zu verschmerzen, dass die Freude darüber nicht allzu gewaltig ausfällt. Die Entscheidung wird wegen des Zeitunterschiedes von acht Stunden für 1.00 Uhr Mesz nachts am 5. Juli erwartet. Die zunächst geplante große Mitternachtparty in der Altstadt von Salzburg musste ins Schloss Mirabell verlegt, das geplante Feuerwerk abgesagt werden. Es hätte ja zu laut werden können.

© SID

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