Olympia IOC
Weiter Spannungen zwischen Rom und dem IOC

Das Thema Doping bedroht weiterhin das Verhältnis zwischen dem IOC und der italienischen Regierung im Vorfeld der Olympischen Winterspiele. Rom besteht auf Sonderrechten in der Strafverfolgung.

Der im Vorfeld der Olympischen Winterspiele von Turin erzielte Kompromiss zwischen Internationalem Olympischen Komitte (IOC) und der italienischen Regierung in der Frage der Dopingkontrollen steht wieder auf der Kippe, weil Gesundheitsminister Francesco Storace von der Nationalen Allianz sich im Vorwahlkampf gegen Premier Silvio Berlusconi profilieren will und die Regierung vor diesem Hintergrund bereits zwei Vereinbarungen gebrochen hat.

Rom will nun zwar die alleinige IOC-Zuständigkeit gemäß der Olympischen Charta akzeptieren, besteht aber weiter auf seinem Recht, Razzien in den Athletendörfern durchführen und Verhaftungen von Sportlern vornehmen zu können. Zudem ist die entsprechende Garantie nicht etwa von Berlusconi unterschrieben, sondern von einem Unterstaatssekretär.

Rogge: "Dopingsünder keine Kriminelle"

Grundsätzlich begrüßt das IOC zwar jede Unterstützung im Kampf gegen Manipulationen, sieht aber durch unkoordinierte Aktionen den Ablauf der Wettkämpfe in Gefahr und will "Dopingsünder nicht als Kriminelle" behandelt sehen, so IOC-Präsident Jacques Rogge. Man sei für eine abgestimmte Zusammenarbeit aber jederzeit zu haben, zum Beispiel müsse gegen Dopinghändler auch im Olympischen Dorf mit aller Macht vorgegangen werden. Eigenmächtiges Vorgehen von Staatsanwälten oder Richtern lehne man aber ab. Dies aber wäre nur durch eine Gesetzesänderung zu verhindern gewesen, für die sich keine Mehrheit fand.

Auch Thomas Bach, dem als Vorsitzendem der IOC-Antidoping-Kommission in Turin eine Schlüsselrolle zukommt, schloss eine Durchsuchung von Quartieren im Olympischen Dorf nicht aus, wenn das IOC entsprechende Hinweise habe: "Wir werden verstärkt auch das Umfeld der Athleten unter die Lupe nehmen, ob Trainer, Betreuer oder Ärzte." Auf Details wollte er aber nicht eingehen.

Dichtestes Kontrollnetz

Bei der Kontrolle der Sportler verfüge man in Turin über das dichteste Kontrollnetz, das es je bei Winterspielen gab. 1 200 Dopingtests sind vorgesehen, knapp 400 mehr als in Salt Lake City. Bach: "Das ist eine Größenordnung, die Italien allein überhaupt nicht bewältigen könnte." Vor vier Jahren waren sieben positive Fälle aufgedeckt worden. Für die größten Schlagzeilen hatte dabei der erstmalige Nachweis von Blutdoping gesorgt, unter anderem beim Deutsch-Spanier Johann Mühlegg.

"Auch diesmal werden wir mit einigen neuen Nachweismethoden überraschen", kündigte bereits der Kanadier Dick Pound als Chef der Welt-Antidoping-Agentur Wada an. Darüberhinaus setze man auf Informationen aus der Szene. Auch Bach will diese Schiene durchaus nutzen. Der Fall des US-Sprinters Tim Montgomery vor dem Obersten Sportschiedsgericht (CAS) habe schließlich einen neuen Weg eröffnet: "Wir können nun Urteile auf Indizien und Geständnisse stützen, wenn ein direkter Dopingnachweis nicht möglich ist."

© SID

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