Olympia nach Kurzkür-Debakel gelaufen: Frustrierter Lindemann zeigt sich ratlos

Olympia nach Kurzkür-Debakel gelaufen
Frustrierter Lindemann zeigt sich ratlos

Vor einem Jahr hatte Stefan Lindemann an gleicher Stelle noch brilliert, am Dienstagabend erlebte der Dritte der Eiskunstlauf-EM dann sein persönliches Waterloo. Anschließend schämte er sich seiner Tränen nicht - und suchte auch nicht nach Ausreden, sondern entschuldigte sich einfach nur.

HB TURIN. "Es tut mir so leid, für meine Familie, für meine Freunde und meine Fans. Ich stehe vor einem Rätsel", sagte der geknickte Erfurter am Dienstagabend in der Turiner Palavela-Arena. Mit einer mutlosen Kurzkür hatte er sich aller Chancen auf eine vordere Platzierung bei den Winterspielen beraubt: Sein Name tauchte auf der Anzeigetafel erst als 20. auf.

"Das scheint nicht meine Saison zu sein", gab Lindemann nach dem frustrierenden Auftakt zu Protokoll. Täler hat der ehemalige Junioren-Weltmeister und WM-Dritte von 2004 schon einige durchschritten. Meist waren es technische Probleme, die ihn am Erfolg hinderten. Dieses Mal ist es anders. Beim Training und Aufwärmen zaubert er Sprung für Sprung sauber auf das glatte Parkett. Im Wettkampf scheitert er dagegen regelmäßig am dreifachen Axel. Ein Angstsprung vieler Konkurrenten, aber eigentlich nicht seiner. "Den konnte ich immer, ich weiß nicht, warum ich ihn verweigere."

Nach einer gelungenen Anfangskombination aus Dreifach-Flip/Dreifach-Toeloop ging Lindemann den Axel ängstlich an und sprang nur eine einfache Drehung. "Ich war super motiviert, habe mich so lange auf Olympia gefreut und dann das", haderte der 25 Jahre alte Stabsunteroffizier mit sich. Wieder einmal wird er telefonischen Rat suchen bei Mentalcoach Jörg Löhr, der sein Kopfproblem lösen soll. Olympia ist für ihn gelaufen, nun will er bei der WM im März in Calgary wenigstens einen ordentlichen Saisonausklang.

Anschauungsunterricht zum Thema Wettkampfhärte konnte der Thüringer, der nur mit mageren 60,52 Zähler bewertet wurde, beim russischen Ausnahme-Könner Jewgeni Pluschenko (90,66) nehmen. Der dreimalige Weltmeister war trotz Magenschmerzen und einer schier unmenschlichen Trainingszeit um 6.30 Uhr morgens in Bestform und verzauberte das Publikum zu Opernklängen aus "Tosca" von Puccini. "Mein Programm war sauber, das war das Wichtigste. Aber es kommt noch die Kür, noch ist nichts gewonnen", sagte der St. Petersburger, der sich vor der Saison in München an der Leiste operieren ließ und mit seinem fünften EM-Titel im Januar topfit zurückmeldete.

Dem Olympia-Zweiten von Salt Lake City, wo er eine deprimierende Niederlage gegen seinen russischen Landsmann Alexej Jagudin hatte einstecken müssen, kann in Turin kein Konkurrent das Wasser reichen. Der Amerikaner Johnny Weir (80,00) als Zweiter und der Schweizer Weltmeister Stephane Lambiel (79,04) als Dritter haben vor der Kür an diesem Donnerstag nur noch theoretische Chancen auf Gold.

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