Olympia Peking
Hitze macht den Sportlern zu schaffen

Die Olympioniken haben in Peking mit extremen Wetterbedingungen zu kämpfen. Hohe Luftfeuchtigkeit und heiße Temperaturen setzen den Sportlern zu - jede Abkühlung kommt gelegen.

90 Prozent Luftfeuchtigkeit und 35 Grad Lufttemperatur lassen die Sportler bei den Olympischen Spielen ordentlich ins Schwitzen kommen. Die Hockeyspieler wehren sich vor dem Training und nach den Wettkämpfen mit Eiswesten gegen die Hitze, Ruder-Star Marcel Hacker erfrischt sich im gekühlten Plastikpool und auch sonst wird jede Gelegenheit zur Abkühlung gern genutzt.

"Peking hat die schwierigsten Bedingungen, die man Athleten zumuten kann", sagt Prof. Wilfried Kindermann, zum dritten Mal nach Sydney 2000 und Athen 2004 Leitender Mediziner des deutschen Olympiateams. Aus Sicht des Internisten, Kardiologen und Sportmediziners gehen die Sommerspiele wohl als jene mit der höchsten Luftfeuchtigkeit in die Geschichte ein. "Es ist ähnlich heiß wie bei den Spielen 1984 in Los Angeles, 1996 in Atlanta oder 2004 in Athen. Aber die extreme Luftfeuchtigkeit schafft das eigentliche Problem."

Schützen leiden unter schwerer Kluft

Ganz brutal schwitzen die Schützen unter ihrer schweren Kluft, die im Wettkampf unverzichtbar ist. Sie gibt beim Anschlag mit der Waffe die nötige Stabilität. Folge: Bei den tropischen Bedingungen in Peking können im Wettkampf mehrere Kilo Gewicht verloren gehen. "Da haben die physisch starken Schützen ganz eindeutig einen klaren Vorteil", sagt Sportdirektor Heiner Gabelmann, der am Wochenende auf Medaillen von Sonja Pfeilschifter (Gewehr) und Karsten Bindrich (Trap) hofft.

"Wir arbeiten im absoluten Grenzbereich. Wir hatten schon mehrere Tage lang Bedingungen, bei denen laut Weltverband Fisa keine Wettkämpfe stattfinden dürften", sagt Michael Müller, Sportdirektor des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV).

Fußball-Damen ohne Probleme mit dem Klima

Nur die Fußball-Weltmeisterinnen sind hart im Nehmen - oder anders gesagt: sie nehmen gar nichts, was das Klimaproblem lindert. "Wir kennen China durch viele Spiele hier und kommen damit zurecht", sagt DFB-Trainerin Silvia Neid, die ihr Team 2007 in Schanghai zum WM-Titel führte.

Durch Schwitzen wird dem Körper Salz entzogen und durch das reine Wasser, das es in Peking für alle Olympia-Teilnehmer gibt, nicht zurückgeführt. Kindermann: "Wir haben den Athleten schon vor einem halben Jahr in unseren Empfehlungen den Tipp gegeben, dem Wasser selbst Salz beizumischen."

Smog bisher kein großes Thema

Zum Glück haben die Ängste vor dem gesundheitsgefährdenden Smog bisher keine Nahrung erhalten. Die Halbierung des Autoverkehrs und das Abschalten von über 300 Industriebetrieben, die als brutale Luftverpester galten, zeigen offenbar Wirkung. Kindermann, von 1990 bis 2000 Chefmediziner des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sieht im dichten grauen Himmel statt Smog eher Dunst, "was angesichts der hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit ganz normal ist".

Kindermann zeigt sich erleichtert. "Es gibt kaum Sportler, die unter Atembeschwerden leiden. Selbst Athleten mit Asthma haben hier keine besonderen Probleme", sagt der 67 Jahre alte Leiter des Institutes für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken.

Acht Prozent der deutschen Athleten mit Asthma-Problemen

Im deutschen Olympiateam gibt es acht Prozent bzw. etwa 35 Athleten mit einem Asthma-Problem. "Sie mussten ihren Antrag ausnahmslos bei der Medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees neu einreichen", sagt Kindermann.

Angeblich ist es auch völlig normal, dass unter den Athleten, die mit der Ausnahmegenehmigung des IOC spezielle Asthmamittel nehmen dürfen, viele Schwimmer sind. Dies liege daran, dass sie viel Chlorgas einatmen, womit ein empfindliches Bronchialsystem Probleme habe.

Nach den Worten des Olympia-Chefarztes haben Asthma-Präparate im Gegensatz zu früheren Annahmen keinen leistungssteigernden Effekt, es sei denn, sie würden in deutlich stärkerer Konzentration in Tablettenform eingenommen. Hierüber habe er selbst geforscht.

© SID

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