Olympia Peking
Last-Minute-Tickets für deutsches Duo

Der Deutsche Olympische Sportbund (Dosb) hat mit Rafed El-Masri und Alexandra Engelhardt seinen Olympia-Kader komplettiert. Auf ein Nachrücken hofft Tennis-Profi Rainer Schüttler.

Grünes Licht für Schwimmer Rafed El-Masri, eine völlig überraschende Last-Minute-Nominierung für Ringerin Alexandra Engelhardt und ein hoffender Tennis-Profi Rainer Schüttler in der Warteschleife: Die letzten Entscheidungen bei der Aufstellung der deutschen Mannschaft für die Sommerspiele vom 8. bis 24. August in Peking sind am Mittwoch gefallen. Dabei sind die Olympia-Träume von Dreisprung-Ex-Weltmeister Charles Friedek geplatzt. Er wurde ungeachtet des noch anstehenden Gerichtsverfahrens nicht nominiert.

Demnach umfasst das Team, das vom Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb) am letzten möglichen Termin beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) namentlich gemeldet wurde, inklusive Schüttler 440 Athleten - 245 Männer und 195 Frauen. Schüttler, der 2004 in Athen mit Nicolas Kiefer Silber im Doppel gewonnen hatte, könnte aus diesem Kreis noch herausfallen.

El-Masri will in "Medaillennähe" schwimmen

Freuen konnten sich vor allem der Deutsch-Syrer El-Masri und Freistilringerin Engelhardt. "Es war ein langes Hin und Her. Jetzt bin ich natürlich erleichtert", sagte El-Masri. Der 25 Jahre alte Neuköllner hat sich über 50m Freistil in Peking viel vorgenommen: "Ich denke, dass ich in Medaillennähe schwimmen kann."

Nach der Freigabe durch das Nationale Olympische Komitee Syriens stand dem ersten Olympiastart von El-Masri für Deutschland nichts mehr im Weg. Vor vier Jahren in Athen sowie bei den letzten beiden Weltmeisterschaften war der deutsche Meister, als Sohn syrischer Einwanderer in Clausthal-Zellerfeld geboren, noch für Syrien gestartet.

Überraschende Nominierung für Engelhardt

Völlig überraschend kommt der Olympia-Start für Engelhardt in der Klasse bis 48kg. Der Weltverband hatte am Vormittag bekannt gegeben, dass noch ein sogenannter Quotenplatz freigeworden war - das Dosb reagierte prompt und nominierte die Ludwigshafenerin.

Grundsätzlich hat auch Wimbledon-Halbfinalist Schüttler die Zustimmung vom Dosb erhalten. Der 32 Jahre alte Korbacher hat zwar die nationalen Kriterien für die Teilnahme in Peking erfüllt, muss aber noch auf die Absage anderer Spieler beziehungsweise Nationen hoffen. Dann könnte Schüttler auf der bereinigten Weltrangliste vom 9. Juni, die als Kriterium des Weltverbandes ITF und des IOC gilt, entsprechend weit nach vorne rücken.

Für Friedek ist der Zug abgefahren

Für Friedek erfüllte sich die Hoffnung auf seine vierte Olympia-Teilnahme nicht. "Charles ist fix und fertig. Er geht gerade durch die Hölle", sagte Manuel Grahmann, Vorsitzender von Friedeks Team Referenznetzwerk Leverkusen. Letzte rechtliche Schritte waren am Dienstag fehlgeschlagen, als das Landgericht Frankfurt eine Einstweilige Verfügung gegen die Nicht-Nominierung abgelehnt hatte. Allerdings soll der Streitfall noch am kommenden Mittwoch mündlich vor dem Oberlandesgericht Frankfurt/Main verhandelt werden. Friedek hatte am vergangenen Samstag per Einstweiliger Verfügung vor dem Deutschen Sportschiedsgericht in Köln erwirkt, dass er vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nachträglich für Peking vorgeschlagen wurde. Doch der Dosb sah das Schiedsgerichtsurteil nicht als bindend an und blieb hart. Für Friedek ist die Entscheidung unverständlich: "Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Paar Schuhe."

Dosb hofft auf einen Aufwärtstrend

Dosb-Präsident Thomas Bach glaubt an ein "schlagkräftiges Team". Dosb-Generalsekretär Michael Vesper, der beim rund fünf Mill. Euro teuren Unternehmen Olympia erstmals als Chef der Mission an der Spitze steht, hofft auf das Ende des Abwärtstrends seit 1992 in Barcelona: "Wir wollen zeigen, dass Leistung und Moral miteinander vereinbar sind. Ich setze darauf, dass wir gute Repräsentanten Deutschlands sind, die dopingfrei in einem hoffentlich fairen Wettstreit erfolgreich sind."

Vor vier Jahren in Athen hatte das deutsche Team 452 Athleten umfasst und mit 49 Medaillen - 13 mal Gold, 16 mal Silber und 20 mal Bronze - Platz sechs im Medaillenspiegel belegt. In Peking werden deutsche Athleten mit Ausnahme von Baseball und Softball in allen 28 Sportarten antreten.

Ein Großteil des Teams wird am 26. Juli von Bundespräsident Horst Köhler in seinem Berliner Amtssitz Schloss Bellevue auf die Reise geschickt. Einige Athleten werden schon zwei Tage vorher nach Asien aufbrechen. Die Reiter in Hongkong sowie die Turner in Peking und die Schwimmer in Kumamoto/Japan werden die Ersten sein, um sich ausreichend akklimatisieren zu können. Die Leichtathleten bereiten sich nach den guten Erfahrungen bei der WM im Vorjahr bis kurz vor Beginn ihrer Wettkämpfe am 15. August im japanischen Shibetsu vor.

© SID

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