Olympia Peking
Peking-Klima bereitet Athleten weiterhin Probleme

Obwohl viele Athleten schon seit mehreren Tagen in Peking trainieren, haben sie sich noch nicht an das Klima gewöhnt. Die Hitze und der Smog beanspruchen die Olympioniken sehr.

Marcel Hacker half auch die Kühlweste nicht mehr, der Ruderer flüchtete in den Plastikpool, den er für den Notfall mitgebracht hat. "Wir arbeiten im absoluten Grenzbereich. Zwei Tage lang hatten wir schon Bedingungen, bei denen laut Weltverband Fisa normal keine Wettkämpfe stattfinden dürfen. Aber am Montag war es noch viel extremer", sagt Michael Müller, Sportdirektor des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV).

Während am vergangenen Wochenende bei Temperaturen von über 35 Grad und trockener Hitze bereits das Limit erreicht oder gar überschritten war, stellte Michael Müller als Sportdirektor des 46-köpfigen deutschen Ruderteams vier Tage vor dem Olympia-Auftakt fest: "Es ist noch heißer, eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit und Smog machen alles deutlich schlimmer. Wir waren ja vorinformiert, aber es ist nun wirklich am Rande des Machbaren."

Konsequenzen: Das Training wurde stärker in die Morgen- und Abendstunden verlegt. Müller: "Zeit- und Klimaumstellung sorgen für hohen Puls. Da darf man nicht zu intensiv arbeiten, vor allem bei dieser Hitze nicht." Während die Kühlwesten vielen Linderung verschaffen, sind die Kühlduschen noch nicht einsatzfähig. Müller: "Es ist einfach kein Strom da."

Klima beeinflusst die Wettkämpfe

Müller fürchtet sogar, dass der Wettkampf-Ausgang durch Athleten beinflusst werden kann, die das Klima kennen: "Ein Vorteil ist das vor allem für die Chinesen, die in sechs oder sieben Booten Medaillen gewinnen können. Da kann es schnell Überraschungssiege und Favoritenstürze geben. Aber trotz allem haben wir unsere Chancen."

Unter dem Hitzeproblem leiden aktuell in Peking Athleten in mindestens drei der 28 olympischen Sportarten, von denen die Hälfte in der Halle ausgetragen wird. In 17 der 26 von ihnen besetzten Sportarten sind derzeit deutsche Athleten bereits vor Ort. Neben den Ruderern - ähnliche Erfahrungen dürften auch die später einfliegenden Rennsport-Kanuten machen - klagen vor allem die früh angereisten Kanuslalom-Fahrer und Schützen.

"Vor allem die Gewehrschützen schwitzen sehr in ihren Lederkombis, die sie tragen müssen, damit der Rücken entlastet und die Stellung stabilisiert wird", sagt Heiner Gabelmann, Sportdirektor des Deutschen Schützen-Bundes (DSB), mit Blick auf die gleich am Samstag als erste deutsche Favoritin antretende Sonja Pfeilschifter. Gabelmann: "Vor allem der Dreistellungskampf wird mit über vier Stunden Dauer zur Extrembelastung, die nur Schützen mit Top-Kondition meistern können."

Die Slalom-Kanuten, bereits zwölf Tage vor dem Auftakt angereist, um sich laut Bundestrainer Jürgen Köhler den extrem schwierigen Kurs erarbeiten zu können, haben ein Problem mit dem angesichts der hohen Temperaturen sehr warmen Wasser. Köhler: "Die Haut wird schnell weich, es gibt Blasen an den Händen, das ist hinderlich."

Beste Bedingungen melden die fernab des Hitzekessels Peking trainierenden Athleten: Die Reiter fühlen sich pudelwohl im 2 100 Kilometer südlich gelegenen Hongkong, die Segler im 650 Kilometer nordöstlich liegenden Qingdao und die Fußball-Weltmeisterinnen auch im 700 Kilometer entfernten Shenyang/Nordosten. "Es ist jetzt extrem heiß, aber wir kennen die Temperaturen von China nicht erst durch die WM 2007", sagt Bundestrainerin Silvia Neid vor dem Auftaktspiel, das am Mittwoch gegen Brasilien zur Neuauflage des WM-Finales von 2007 wird.

© SID

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