Olympia Peking
Peking verschwindet einen Tag vor Olympia im Smog

Einen Tag vor Olympia hat der Smog die 15,5-Millionen-Metropole fest im Griff. Peking versucht, mit Raketen dagegen anzukommen und IOC-Präsident Jacques Rogge warnt vor Panikmache.

Die Luft ist stickig, der Blick vernebelt und die Sonne endgültig vom Himmel verschwunden: Einen Tag vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele hatte der Smog die 15, 5-Millionen-Metropole Peking fest im Griff.

Stillgelegte Fabriken, Fahrverbote für die Hälfte aller 3,3 Mill. Autos und sogar Raketen gegen Regen - doch egal, was Gastgeber China sich noch alles einfallen lässt: Der Kampf gegen Mutter Natur scheint auf Dauer nicht zu gewinnen. IOC-Präsident Jacques Rogge warnt aber vor Panikmache: "Man muss ganz klar zwischen Nebel und Luftverschmutzung unterscheiden."

Wettervorhersage für Freitag: 30 Grad Celsius und starke Bewölkung

Die Meteorologen, die seit Tagen rund um die Uhr arbeiten, machen sich für Freitag offenbar keine allzu großen Sorgen. Am Tag der Eröffnungsfeier sei es stark bewölkt bei Temperaturen von 30 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 85 Prozent, hieß es auf der offiziellen Homepage des Wetteramtes (www.cma.gov.cn). Die 90 000 Zuschauer im Pekinger Nationalstadion, darunter US-Präsident George W. Bush, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der russische Ministerpräsident Wladimir Putin, werden voraussichtlich trocken bleiben, regnen soll es erst am Wochenende.

Das Zauberwort der Wetterfrösche heißt Silberjodid. Das ist ein Kristall, mit dem angeblich der Regen manipuliert werden kann. Es wird mit Raketen direkt in die Wolken geschossen und verteilt sich dort. Das noch gasförmige Wasser kondensiert an dem Kristall, die Wolken regnen sich ab, ehe sie sich über dem Olympiastadion aufbauen können.

Silberjodid als Geheimwaffe gegen Regen

An dem Erfolg des Spektakels a la James Bond gibt es aber erhebliche Zweifel. "Es gibt keine gesicherten Studien, dass diese Technik wirklich funktioniert", sagt Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst.

Die Luftqualität habe sich seit Beginn der Maßnahmen stetig verbessert, meinte Sun Weide, Sprecher des Organisationskomitees Bocog: "Seit Anfang August liegt sie zwischen exzellent und gut." Das sei auch am Donnerstag nicht anders gewesen, sagt Weide. Das habe ihm die Umweltbehörde mitgeteilt.

Dennoch: Die riesige Dunstglocke über Peking ist unübersehbar und wirkt auf die meisten der ausländischen Gäste furchteinflößend. "Jeder hat irgendwie Druck auf den Lungen, die Augen brennen ein wenig, die Bedingungen sind schon sehr extrem", meinte Radprofi Stefan Schumacher, der im Straßenrennen am Samstag als einer der Goldfavoriten gehandelt wird. Er sei am Mittwoch etwa viereinhalb Stunden gefahren, meinte der Rad-Schumi, "angefühlt habe es sich aber wie sieben, acht".

Kurzfristige Entscheidungen

Laut Rogge bestünde bei allen Wettbewerben unter einer Stunde keine Gefahr. Alles, was darüber sei, müsse man beobachten. Wenn die Standards der Weltgesundheitsorganisation WHO übertroffen werden, müsste man kurzfristige Entscheidungen treffen, um das Problem in den Griff zu bekommen, sagte der IOC-Präsident am Donnerstag. Der Belgier lobte die Gastgeber erneut dafür, dass sie alles Menschenmögliche getan hätten.

In den vergangenen Jahren wurden 140 Mrd. chinesische RMB (14 Mrd. Euro) in den Umweltschutz investiert. Voller Stolz sagt Bocog-Sprecher Sun Weide: "In diesem Jahr hatten wir bereits 149 Tage mit blauem Himmel."

Schwimmer Phelps hat keine Probleme mit dem Wetter

Schwimm-Superstar Michael Phelps bleibt gelassen. "Ich war in den vergangenen Jahren dreimal hier, ich habe nie Probleme gehabt", sagt der Amerikaner, der den Rekord seines Landsmannes Mark Spitz von siebenmal Gold 1972 in München knacken will. Phelps: "Auch jetzt, wenn wir im Freien laufen, macht mir die Luft keine Probleme. "

Dem stimmt Schwimmkollegin Dara Torres zu. "Wenn man im Freien ist, sieht es fast aus wie Nebel. Aber obwohl ich Asthma habe, gibt es keine Probleme damit", sagt die 41-Jährige, die an ihren fünften Olympischen Spielen teilnimmt.

Die Luftqualität ist laut IOC nicht gesundheitsgefährdend. "Wir erhalten stündlich Daten und werten sie aus. Wenn Probleme auftreten sollten, werden wir sofort reagieren", sagte Professor Arne Ljungqvist, Chef der Medizinischen Kommission.

© SID

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