Olympia-Rechtsstreit
Friedek darf noch auf Schadensersatz hoffen

Eine Nicht-Nominierung für Olympia hat für Sportler weitreichende Folgen, auch finanziell. Der einstige Weltklasse-Leichtathlet Charles Friedek kämpft seit vielen Jahren um Schadensersatz – jetzt in letzter Instanz.
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KarlsruheDer frühere Dreisprung-Weltmeister Charles Friedek darf weiter auf Schadensersatz hoffen, weil er nicht für die Olympischen Spiele 2008 in Peking nominiert worden war. Im Rechtsstreit zwischen dem Leverkusener und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) hat es am Dienstag vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe noch keine Entscheidung gegeben. Nach 73-minütiger Verhandlung unter dem Vorsitzenden Richter Alfred Bergmann teilte das BGH mit, dass ein Urteil des II. Zivilsenats erst am 13. Oktober bekanntgegeben wird.

Bei dem Revisionsprozess (Aktenzeichen II ZR 23/14 - s. V. PM 82/15) ging es auf den Tag genau sieben Jahre nach der Nicht-Berücksichtigung Friedeks für Olympia in die dritte und letzte Instanz. Friedek fordert 133 500 Euro für entgangene Sponsoren-, Preis- und Startgelder. Der 43-Jährige, heute Nachwuchs-Bundestrainer für Dreisprung, war selbst nicht anwesend.

Der siebzehnfache deutsche Meister war beim Meeting in Wesel im Juni 2008 die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geforderte Normweite von 17 Metern zweimal gesprungen – allerdings innerhalb dieses einen Wettkampfs. Der DLV verlangte, dass sie bei zwei verschiedenen Wettkämpfen erbracht wird. „Dies ergibt sich in keiner Weise“, sagte Friedeks BGH-Anwältin Brunhilde Ackermann und benannte damit das schriftliche Versäumnis des DLV zu jener Zeit. „Zweimal 17 Meter, das heißt zweimal 17 Meter. Das heißt nicht in zwei verschiedenen Veranstaltungen.“

Richter Baukelmann verwies auch auf den grundsätzlichen Wert einer zweiten Weite bei einem Wettkampf: der wird nämlich in technischen Disziplinen herangezogen, wenn zwei Konkurrenten am Ende gleichauf liegen. Friedek wurde 2008 vom DOSB jedenfalls nicht für Peking nominiert. Damit er vom DLV überhaupt für das deutsche Team vorgeschlagen wurde, dafür hatte der Dreispringer zuvor das Deutsche Sportschiedsgericht erfolgreich bemüht.

Erfolglos blieb Friedek 2008 beim Versuch, vor dem Landgericht Frankfurt in einem Eilverfahren durchzusetzen, dass er nach China mitgenommen wird. Auch sein Einspruch vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt scheiterte. Der Hallen- und Freiluft-Weltmeister von 1999 bemühte sich danach um Schadensersatz. Er klagte zunächst vor dem Landgericht Frankfurt – und bekam dort am 15. Dezember 2011 Recht. Das OLG aber hob dieses Urteil am 20. Dezember 2013 wieder auf. Der Rechtsstreit über sieben Jahre ist einmalig im deutschen Sport.

Friedek, Sohn eines GI-Soldaten, war 1999 der erste dunkelhäutige deutsche Leichtathletik-Weltmeister und beklagte sich damals in Sevilla nach seinem größten Triumph bitter über offenen Rassismus in Deutschland. 1996, 2000 und 2004 nahm er an den Olympischen Spielen teil. Danach hatte er in seiner strapaziösen Disziplin zunehmend mit Verletzungsproblemen zu kämpfen und beendete 2009 seine Karriere.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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