Olympia-Referendum Hohe Beteiligung in Hamburg bis zum Mittag

Genug geredet: 1,3 Millionen Hamburger entscheiden darüber, ob Deutschland sich erneut um Olympia bewerben soll. Scheitert das Projekt, könnte es für 50 Jahre die letzte Gelegenheit gewesen sein, unkt OB Scholz.
Neben Hamburg bewerben sich auch Paris, Rom, Los Angeles und Budapest – dort werden die Einwohner nicht gefragt. Quelle: dpa
Olympia-Fahne in Hamburg

Neben Hamburg bewerben sich auch Paris, Rom, Los Angeles und Budapest – dort werden die Einwohner nicht gefragt.

(Foto: dpa)

HamburgKopf-an-Kopf-Rennen, klares Ja oder doch eine Absage an die Olympia-Pläne? Nach dem mehrmonatigen Werben von Befürwortern und Gegnern für Pro oder Contra Sommerspiele 2024 in der Hansestadt haben die Wähler das letzte und entscheidende Wort. Kurz vor Ablauf des Referendums am Sonntag zeichnet sich dabei eine hohe Wahlbeteiligung ab: Bis 11 Uhr hatten nach Angaben des Landeswahlamtes insgesamt 578.443 Menschen abgestimmt – die meisten per Briefwahl. 8959 suchten die Wahllokale auf. Insgesamt betrage die Beteiligung an der Abstimmung zu diesem Zeitpunkt 44,3 Prozent, sagte Oliver Rudolf vom Landeswahlamt. Zum Vergleich: Bei dem Volksentscheid zur Schulreform in Hamburg 2010 hatte es mit 492.094 Abstimmungsteilnehmern insgesamt eine Beteiligung von 39,3, Prozent gegeben.

Hamburg und Kiel entscheiden über die Olympia-Bewerbung Deutschlands für 2024. Seit 8 Uhr sind am Sonntag in der Hansestadt sowie in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt die Abstimmungslokale geöffnet. Die Auszählung der Stimmen beginnt nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr. Ein vorläufiges Endergebnis wird spätestens für 22. Uhr erwartet.

Sowohl beim Referendum in Hamburg als auch beim Bürgerentscheid in Kiel, wo die Segelwettbewerbe stattfinden sollen, sehen Umfragen eine Mehrheit für die Olympia-Bewerbung. In der Hansestadt sind rund 1,3 Millionen Bürger abstimmungsberechtigt. Allein 569.484 Hamburger beteiligten sich im Vorfeld per Briefwahl. Das entspreche 43,6 Prozent der Wahlberechtigten, hatte Rudolf am Sonntagmorgen bereits gesagt.

Um das Olympia-Referendum im Sinne der Befürworter zu entscheiden, müssen sie zum einen eine Mehrheit der abgegebenen Voten haben und zum anderen mindestens 20 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten auf sich vereinen. In Kiel, wo fast 200.000 Menschen mitmachen können, müssen mindestens acht Prozent der Wahlberechtigten Ja sagen, um die Segel-Bewerbung möglich zu machen.

Auf der Zielgeraden rief Bürgermeister Olaf Scholz die Hamburger nochmals dazu auf, die Bewerbung zu unterstützen und mit Ja zu stimmen. „Denn ein großer Rückhalt in der Bevölkerung erhöht die Erfolgsaussichten gegenüber den Mitbewerbern deutlich“, sagte der SPD-Politiker der „Bild“-Zeitung. Neben Hamburg bewerben sich Paris, Rom, Los Angeles und Budapest – dort werden die Einwohner nicht gefragt.

Sollte das Hamburger Olympia-Projekt am Votum der Wähler scheitern, dann würde es für Deutschland „sicherlich für 50, 60 und vielleicht noch viel mehr Jahre die vielleicht letzte Gelegenheit gewesen sein“, hatte Scholz zuletzt in der Bürgerschaft gesagt.

Bis Sommer schien den Befürwortern eine deutliche Mehrheit sicher zu sein. Noch im September waren nach einer Umfrage 63 Prozent der Hamburger für die Spiele. Zuletzt wollten aber nur noch 56 Prozent Olympia an der Elbe, so dass die Gegner Morgenluft wittern.

„Es wird sicherlich knapp werden, wenn man den Umfragen derzeit glaubt“, sagte Dirk Seifert als führender Kopf der NOlympia-Bewegung. DOSB-Präsident Alfons Hörmann gibt sich mittlerweile bescheiden: „Alles, was über 50 Prozent an Zustimmung liegt, gilt unter Demokraten als Legitimation weiterzumachen.“

So hätte Hamburg 2024 aussehen sollen
Hafeninsel bei Nacht
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So haben sich die Hamburger Olympiaplaner das Gelände für die Spiele 2024 vorgestellt: Die Hafeninsel Kleiner Grasbrook sollte das Olympiastadion, die Olympiahalle und das Olympische Dorf aufnehmen.

OlympiaCity
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Die Planer hatten sich intensiv mit der Nachnutzung beschäftigt: Anders als beispielsweise in Athen sollten die Sportstätten nach den Spielen nicht ungenutzt bleiben. Hier zu sehen: Das Olympiagelände nach den Spielen als neuer Stadtteil OlympiaCity.

Olympiastadion am Wasser
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Der Blick von oben zeigt: Das Olympiastadion sollte direkt am Wasser entstehen. Zum Olympischen Dorf führen im Entwurf mehrere neue Brücken.

Zu Fuß und per Rad erreichbar
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Der Blick von Westen: Das Bild verdeutlicht die Lage des Geländes; im Vordergrund die Elbphilharmonie. Die Bewerbung sollte beim IOC damit punkten, dass die Sportstätten häufig zu Fuß oder per Rad erreichbar sind. Fast alles sollte im Radius von zehn Kilometern um die OlympiaCity liegen. Die Macher versprachen auch, dass - anders als bei der Elbphilharmonie - die Kosten nicht aus dem Ruder laufen.

60.000 Sitzplätze
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Kernstück sollte das Olympiastadion auf der Elbinsel Kleiner Grasbrook sein.

Recycelte Tribünen
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Nach den Spielen sollte der äußere Rand des Stadions zu Wohnungen werden. 400 Einheiten sollten dadurch entstehen. Die Sitzschalen, die wegfallen, sollten recycelt werden – oder als Andenken verkauft. Im Inneren des neuen Wohnrings wären 20.000 Sitzplätze für Leichtathletikveranstaltungen geblieben.

Keine Proteste
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An Anwohnerproteste haben die Planer offenbar auch gedacht: Sie schrieben ausdrücklich, solche Veranstaltungen sollten nur selten stattfinden.

  • dpa
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