Olympia Sportpolitik
Roth nicht mehr im Olympia-Kuratorium

Nach dem Nein der Grünen-Basis zur Olympia-Bewerbung München 2018 hat sich Parteichefin Claudia Roth aus dem Kuratorium der Bewerbergesellschaft zurückgezogen.

Die Basis der Grünen hat auf ihrem Bundesparteitag am Samstag in Freiburg mit einem Nein zur Olympiabwerbung München 2018 überrascht, ihre Parteichefin Claudia Roth damit zum Rückzug aus dem Bewerbungs-Kuratorium gedrängt und sich heftige Kritik aus Sport und Politik eingehandelt. "Ich bedaure den Rückzug von Claudia Roth aus dem Kuratorium sehr", sagte Münchens Frontfrau Katarina Witt: "Als Vorsitzende verliere ich dadurch eine sportaffine, starke Mitstreitern. Claudia Roth musste wohl offenbar aufgrund des parteipolitischem Votums ihre Entscheidung in dieser Form treffen."

Auch Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb) und von 1995 bis 2005 grüner Minister in der nordrhein-westfälischen Landesregierung, brachte seine Enttäuschung über das Votum von Freiburg zum Ausdruck. "Ich fände es sehr bedauerlich, wenn die Grünen sich von ihrer bisherigen Sportpolitik abwenden und künftig Sportgroßveranstaltungen fundamental ablehnen würden", sagte Vesper: "Mit dieser Haltung hätte man auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nicht in Deutschland durchführen können, die dann zum Sommermärchen wurde."

Bach nimmt's gelassen

Dosb-Präsident Thomas Bach reagierte Gelassen auf das Ergebnis der mitternächtlichen Ereignisse in Freiburg. "Die Erfolgschancen der Bewerbung werden durch diese zementierte Verweigerungshaltung einer lediglich relativen Mehrheit einer der Oppositionsparteien nicht beeinträchtigt", sagte Bach. International werde man wahrnehmen, dass München 2018 das beste, ökologisch nachhaltigste Konzept sei, das es jemals gegeben habe. Darauf hatte auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann in Freiburg hingewiesen.

Zudem bemängelte Bach die Art und Weise, wie das Votum beim Bundesparteitag der Grünen zustande gekommen war: "Zeitpunkt und Verlauf der lediglich für wenige Minuten zugelassenen Debatte zu einem derart umfassenden Projekt zeigen, dass es hier nicht um die demokratische Abwägung einer Sachfrage ging, sondern um bloßes Nein-Sagen." Dem stimmte auch Vesper zu: "Der Antrag enthält leider viele Fehlinformationen, die in einer zwanzigminütigen Debatte kurz vor Mitternacht nicht aufgeklärt werden können."

Chancen für Winterspiele 2018 hervorragend

Bach dankte ausdrücklich "den knapp unterlegenen Unterstützern". In deren Sinne werde man das "mit über 100 Mill. Euro budgetierte Umweltkonzept konsequent umsetzen". Man wisse auf internationaler Ebene, dass die "übergroße Mehrheit der Deutschen durchaus zukunftsfähig ist, und die entscheidenden Mehrheitsparteien in Bund, Freistaat Bayern und Kommunen die Olympiabewerbung mit großem Engagement tragen und voll unterstützen", sagte Bach weiter. Deshalb seien die Chancen für Olympische Winterspiele und Paralympcis 2018 in Deutschland hervorragend.

Bernhard Schwank, Vorsitzender der Geschäftsführung von München 2018, dankte ebenfalls zunächst den Mitgliedern der Grünen, "die sich in der Vergangenheit intensiv vor allem mit dem ökologischen Konzept der Bewerbung beschäftigt und dieses auch aktiv gestaltet haben". Man werde auch künftig mit den Grünen auf allen Ebenen sprechen und wolle die bisher positive und konstruktive Zusammenarbeit vor Ort fortführen.

Grünen-Basis düpiert Roth

Die Delegierten der Grünen hatten am späten Samstagabend einem Antrag gegen die Olympia-Bewerbung München 2018 mit 289 Ja- bei 244 Nein-Stimmen und 70 Enthaltungen zugestimmt und damit ihre Parteichefin Claudia Roth düpiert, die sich stets für Olympia eingesetzt hat ("Es ist besser, für grüne Spiele zu kämpfen, als außen vor zu sein"). Eingebracht hatte den Antrag Korbinian Freier aus dem Kreisverband Garmisch-Partenkirchen, dessen in markigen Worten vorgetragene Begründung große Zustimmung fand: "Wenn ein Zug auf dem falschen Gleis unterwegs ist, muss ich auch mal die Notbremse ziehen können." Freier sprach von "Spielen im Kunstschnee. Das sind die Spiele der fehlenden Partizipation. Das sind die Spiele der frisierten Zahlen."

In Berlin kritisierte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP), ebenfalls Mitglied des Bewerbungs-Kutaroriums, den Rückzug der Grünen aus dem Gremium. Westerwelle findet es "bedauerlich, diesem gemeinsamen deutschen Anliegen" in den Rücken zu fallen. Deutschland könne mit der Ausrichtung internationaler Großereignisse weltweit großes Ansehen gewinnen, das habe nicht zuletzt die Fußball-WM 2006 gezeigt. Er halte es für "einen schweren Fehler", auf solche Chancen zu verzichten.

© SID

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