Olympia
Terrorverdächtige wurden einfach durchgewunken

Zwar sind Tausende Sicherheitskräfte während Olympia in London im Einsatz. Dennoch gelingt es Terrorverdächtigen laut Zeitungsrecherchen immer wieder, Kontrollen unbemerkt und unbehelligt zu passieren.
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LondonIn den Wochen vor dem Start der Olympischen Spiele in London sollen einem Zeitungsbericht zufolge mehrere Terror-Verdächtige an der Passkontrolle am Flughafen Heathrow nicht erkannt und einfach durchgewunken worden sein. Die wegen Olympia zusätzlich eingestellten Mitarbeiter seien oft zu unerfahren, sagte ein Beamter der britischen Grenzbehörde, der anonym bleiben wollte, der Sonntagszeitung „Observer“. Sie hätten zu wenig Zeit, sich einzuarbeiten.

Wenn verdächtige Passagiere, die auf der Liste des Innenministeriums stehen, an der Passkontrolle auftauchen, müssten eigentlich auf Anti-Terror-Einsätze spezialisierte Kollegen eingeschaltet werden, hieß es in dem Bericht. Während seiner Schichten sei das seit Anfang Juli in mindestens drei Fällen nicht passiert, erklärte der Beamte. Der „Observer“ zitiert einen weiteren Mitarbeiter der Behörde, der von fünf Fällen allein an einem einzigen Tag sprach. „Wenn sie einmal drinnen sind, weiß man nicht, wohin sie weiterreisen werden“, sagte der Beamte.

In London, wo im Jahr 2005 insgesamt 52 Menschen bei verheerenden Bombenattentaten ums Leben kamen, ist die Sorge vor weiteren Anschlägen groß. Es gebe keinen Zweifel daran, dass Terroristen ein Attentat während des weltgrößten Sportereignisses an der Themse in Erwägung gezogen hätten, sagte Jonathan Evans, Generaldirektor des Inlandsgeheimdienstes MI5, bereits am Donnerstag. Evans hatte zuvor noch zusätzlich Öl ins Feuer gegossen. „Es gibt in den Hinterzimmern, und auf den Autositzen und auf den Straßen dieses Land keinen Mangel an Leuten, die terroristische Anschläge hier verüben möchten“, sagte er. „Die Bedrohung ist real und sie bleibt uns erhalten.“

Die Spiele in London, für die Großbritannien die größte Sicherheitsoperation seit dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen hat, sei kein leichtes Ziel für Terroristen, sagte Evans. „Aber es gibt nicht so etwas wie eine Sicherheitsgarantie.“ Eine konkrete terroristische Bedrohung für die Spiele in London besteht jedoch nicht, hieß es nunmehr. Die Sicherheitsstufe musste nicht erhöht werden und bleibt bei „substanziell“ - die dritthöchste Stufe auf der Skala. Die 3800 Geheimdienst-Mitarbeiter des MI5 haben während der Spiele Urlaubssperre.

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