Olympia Turin
Abrissbirne schwebt über Turiner Olympia-Stätten

Nach den Olympischen Winterspielen in Turin vor neun Monaten droht einigen Sportstätten der Abriss. Grund sind die jährlichen Nachfolgekosten in Millionenhöhe für die Verwaltung und den Unterhalt.

Von der olympischen Euphorie im Piermont ist nichts geblieben. Jetzt droht zahlreichen Sportstätten neun Monate nach dem Ende der Olympischen Winterspiele von Turin eine ungewisse Zukunft, vielleicht sogar der Abriss. Zu hohe Kosten für Verwaltung und Unterhaltung belasten den Turiner Stadtrat, die Berggemeinden um die Metropole sowie die Stiftung, die das Erbe verwalten soll.

25 Mill. Euro beträgt das Defizit, das die Winterspiele hinterlassen haben, wie die Tageszeitung "La Stampa" berichtet. Nun kommen jährlich noch hohe Nachfolgekosten hinzu.

Unklar ist vor allem, was mit dem Eiskanal von Cesana geschehen wird, dessen Bau für Bob, Rodeln und Skeleton 70 Mill. Euro verschlungen hatte und dessen Instandhaltung 2,2 Mill. Euro jährlich kostet. Die Gemeinde Cesana rechnet dagegen nur mit Jahreseinnahmen von 500 000 Euro. Sehr teuer ist auch die Unterhaltung des Schanzenturms für Skispringer in Pragelato.

Neue Skianlagen wesentlich teurer als die alten

"Von den Spielen hat die Stadt Turin profitiert, die Berge dagegen kaum", klagt der Bürgermeister der Ortschaft Sestriere, Andrea Maria Colarelli: "Die neuen Skianlagen für die Winterspiele sind im Betrieb wesentlich teurer als die alten. Wenn uns niemand hilft, werden wir sie nicht erhalten können."

Zur Weiternutzung diverser Anlagen hatten Stadt und Region eine gemeinsame Stiftung gegründet. Sie kümmert sich vor allem um die Eishockeyhalle Palasport sowie Teile des Olympischen Dorfes in Turin. Angesichts der hohen Instandhaltungskosten betragen die Ausgaben jährlich fast sieben Mill. Euro.

Nach den Winterspielen hieß es, das Dorf solle später als Studentenwohnheim und Kaserne genutzt und zum Teil in Sozialwohnungen umgewandelt werden. Nichts davon wurde realisiert. Auch die in der Eisschnelllaufhalle Oval Lingotto vorgesehenen Messen fanden bislang nicht statt. Nur das neue Olympiastadion und der Palaisozaki mit Eishockeyspielen sind gut ausgebucht.

Mangelnde Infrastruktur in den Bergen

In die Schar der Kritiker reihte sich auch Luigi Chiabrera ein, der Präsident des Turiner Fremdenverkehrsverbandes. Er bemängelt vor allem die Infrastruktur in den Bergen: "Wir haben exzellente Skipisten. Aber um sich dort zu bewegen, ist man nach wie vor auf das Auto angewiesen, während es in Frankreich längst modernste Bahnverbindungen gibt. Unter diesen Bedingungen ist es schwierig, mit anderen Alpenländern zu konkurrieren."

Da nütze es wenig, dass die Zahl der Hotelzimmer dank der Winterspiele von 9 000 auf 20 000 gestiegen sei. Zu viele seien zu wenig ausgelastet: "Zuviel Zeit ist mit leeren Diskussionen verloren gegangen. Wir hätten mehrere Großveranstaltungen mit einer massiven Werbung für den Gebirgsraum um Turin verbinden sollen, doch dies ist nicht geschehen."

© SID

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