Olympia Vancouver
Millionenloch bereitet Vancouver-OK große Sorgen

Das Provinz-Parlament von British Columbia soll den Bau des Olympischen Dorfes für die Winterspiele 2010 in Vancouver mit einer Anleihe von umgerechnet 275 Mill. Euro sichern.

Ein Millionenloch treibt Vancouver gut ein Jahr vor Beginn der Winterspiele 2010 in die schlimmste Krise der Olympia-Vorbereitung. Nun hängt alles von einer Sondersitzung des Provinz-Parlaments von British Columbia ab, das den in Gefahr geratenen Bau des Olympischen Dorfes mit der Genehmigung einer Anleihe von umgerechnet 275 Mill. Euro sichern soll. Das Olympia-Organisationskomitee Vanoc, das im letzten Quartal einen Verlust von 39 Mill. Euro schrieb, verspricht trotz der Finanzkrise "tolle Spiele".

"Wir wollen alles tun, um zu helfen, und wir wollen es so schnell wie möglich tun. Das Olympische Dorf muss rechtzeitig fertig werden", sagt Gordon Campbell, Premierminister von British Columbia. Da die Zeit dränge, werde das Parlament schon vor der geplanten nächsten Sitzung am 10. Februar zusammentreten und über den Kreditantrag Vancouvers entscheiden.

Die erneute Finanzspritze ist alles andere als unumstritten. "Die Steuerzahler von Vancouver müssen geschützt werden. Schließlich sollen hier wieder einmal ihre Dollars ausgegeben werden", erklärte Carole James von der Demokratischen Partei. Die kanadische Staatsregierung in Ottawa hatte zuvor kategorisch jede finanzielle Hilfe abgelehnt.

Derzeit liegt ein zäher Nebel über der Olympiastadt, die Stimmung ist nicht nur deshalb mehr als angespannt. Längst droht ein finanzielles Fiasko wie bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal, die mit einem über Jahrzehnte abzuzahlenden Milliardenverlust endeten. In Vancouver sind die Kosten für das Olympische Dorf auf 540 Mill. Euro explodiert, Bürgermeister Gregor Robertson musste unlängst einräumen, dass die Stadt komplett darauf sitzenbleiben könnte.

Die Metropole am Pazifik muss seit Oktober die offenen Rechnungen für den Bau der 1 100 repräsentativen Athletenwohnungen am Wasser bezahlen, da die Finanzierungsgesellschaft Fortress ihre Zahlungen an den Bauträger Millenium Developments eingestellt hat.

Krise auf dem Immobilienmarkt wirkt sich aus

Da die Bauarbeiten wegen Geldmangels zu stocken drohen, muss mit Blick auf den geplanten Fertigstellungstermin 1. November frisches Geld her - schließlich hat Vancouver dem Olympia-Organisationskomitee eine Fertigstellungsgarantie gegeben. Nach den Winterspielen sollen die Appartments verkauft werden, allerdings sind die Immobilienpreise wegen der weltweiten Finanzkrise in den Keller gerauscht.

Die Turbulenzen haben längst auch das Vanoc erreicht, Sponsoren kämpfen um ihre Zukunft. Viele Olympia-Projekte wie das Athletendorf im Schneezentrum Whistler oder der "Sea-to-Sky-Highway" von Vancouver in die Berge müssen noch fertiggestellt werden. Trotzdem ist Optimismus Pflicht. "Wir bleiben auf dem Weg, die Spiele mit einem ausgeglichenen Budget zu beenden. Der Ansturm auf die Tickets war zum Beispiel einzigartig", erklärt Vanoc-Boss John Furlong.

Von olympischer Begeisterung ist bei den Testwettbewerben der Langläufer und Kombinierer an diesem Wochenende freilich noch nichts zu spüren. Die Zuschauer fehlen, stattdessen fällt auf, dass an allen Ecken und Enden gespart wird.

© SID

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