Olympiavergabe
IOC-Chef Rogge gerät unter Druck

Kommenden Oktober muss das Olypische Komitee entscheiden, wo die Olypischen Spiele 2016 stattfinden sollen. Viele Beobachter befürchten dass die Wahl schon im Vorfeld entschieden wird. US-Sender und Sponsoren drängen auf Chicago als Austragungsort für die Spiele.

HAMBURG. Die weltweite Wirtschaftskrise bringt das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Bedrängnis. Angesichts der unsicheren Aussichten erhöhen Sponsoren und TV-Sender den Druck auf die Funktionäre im schweizerischen Lausanne. Sollte bei der im Oktober anstehenden Vergabe der Olympischen Spiele 2016 nicht der US-Bewerber Chicago den Zuschlag erhalten, drohen dem IOC hohe Einnahmeausfälle. Die Konkurrenten um die Austragung – Tokio, Madrid und Rio de Janeiro – fürchten deshalb um ihre Chancen bei der Kür der übernächsten Olympia-Stadt.

„Niemand hat im Augenblick Sicherheit“, beschreibt IOC-Präsident Jacques Rogge die finanziellen Perspektiven. Allerdings gehe das Komitee in „ausgezeichneter Verfassung“ in das neue Jahr: Die Organisation hat bei einem Umsatz von rund fünf Mrd. Dollar (3,6 Mrd. Euro) in der abgelaufenen Vier-Jahres-Periode sein Reservepolster auf 400 Mio. Dollar erhöht, die Fernsehrechte für die Spiele in Vancouver 2010 und London 2012 für 3,8 Mrd. Dollar verkauft und 900 Millionen Dollar an Sponsoren-Einnahmen sicher.

Ob das Umsatzniveau aber auch nach dem Jahr 2012 zu halten ist, hängt davon ab, an wen das Komitee am 2. Oktober in Kopenhagen die Olympischen Spiele 2016 vergibt. NBC, der bisherige Inhaber der US-Fernsehrechte, und Konkurrenzsender wie Fox und ESPN/ABC gehen von geringeren Preisen für die TV-Rechte aus, falls Chicago nicht Olympia-Stadt wird. Maßstab sind dabei die 2,2 Mrd. Dollar, die NBC für die Spiele in Vancouver 2010 und London 2012 bezahlt.

Die Amerikaner fordern vom IOC, die Fernsehrechte erst nach der Kopenhagen-Wahl zu vergeben – nach dem Motto: Erst die Ware, dann das Geld. Es wäre die Umkehrung der bisherigen Regel, zunächst den Preis auszuhandeln und dann die Olympia-Stadt zu bestimmen.

IOC-Präsident Rogge steckt nun in der Klemme: Schließt er die TV- und Sponsoring-Verträge in den USA vor Bekanntgabe des Austragungsortes ab, riskiert er geringere Einnahmen – das wäre ein Novum in der olympischen Geschichte. Wartet Rogge dagegen mit den Verhandlungen ab, wird die Wahl der mehr als 100 IOC-Mitglieder auch zu einer Geld-Abstimmung: Jedes Votum für Chicago wäre eine Stimme für zusätzliche Einnahmen.

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