Olympische Momente II
Erst die Fahne, dann der Sieg

Wie Skispringer Helmut Recknagel bei den Olympischen Spielen 1960 im Squaw Valley im „Supermann“-Stil die Skandinavier deklassierte.

TURIN. Am 18. Februar 1960 trug Helmut Recknagel die Fahne für Deutschland ins Olympiastadion von Squaw Valley. Mitten im Kalten Krieg hielt er die Flagge hoch für eine gemeinsame deutsche Mannschaft, die erst nach langen Verhandlungen zwischen Ost und West überhaupt zustande gekommen war.

Seit 1957 galt der Skispringer als Angstgegner der erfolgsverwöhnten Skandinavier. Damals gelang ihm als erstem Mitteleuropäer ein Sieg am legendären Holmenkollen in Oslo, der bis heute als Mekka des Skispringens gilt. Anschließend ließ der Thüringer zwei Siege bei der Vierschanzentournee folgen, so dass er auch in Squaw Valley zu den klaren Favoriten gehörte. Im damals noch üblichen "Supermann"-Stil mit nach vorne gestreckten Armen sprang Recknagel im ersten Durchgang von der Normalschanze 93,5 Meter. Bestweite - einzig der Finne Niilo Halonen, der einen Meter kürzer sprang, konnte mithalten. Der Dritte, Nikolaj Kamensky aus der Sowjetunion, hatte schon einen Rückstand von drei Metern.

Im zweiten Durchgang setzte Halonen den Deutschen mit einem Sprung auf 83,5 Meter unter Druck, doch Recknagel landete auch diesmal einen Meter weiter und schaffte nach dem Sieg am "Kollen" eine weitere Premiere: 36 Jahre nach der olympischen Premiere in Chamonix gewann erstmals ein Mitteleuropäer Gold im Skispringen.

Recknagel gewann 1962 überlegen die Skiflug- Weltmeisterschaft in Zakopane, schaffte als erster Springer drei Siege bei der Vierschanzentournee - ein Rekord der dreieinhalb Jahrzehnte hielt, ehe Jens Weißflog 1995/96 die Tournee zum vierten Mal für sich entschied.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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