Olympische Momente III
Beethovens Egmont treibt Falks zu Gold

1952 in Oslo nahmen erstmals nach 16 Jahren wieder deutsche Sportler an olympischen Winterspielen teil. Unter den 53 deutschen Teilnehmern ragten neben dem Bobpiloten Anderl Ostler vor allem Ria und Paul Falk heraus.

TURIN. Das Ehepaar aus Dortmund, das vor dem Krieg noch im Schatten berühmter Paare wie Herber/Baier oder Pausin/Pausin gestanden hatte, gewann Anfang der fünfziger Jahre alles, was es im Paarlauf zu gewinnen gab. Sie waren das erste Paar, das Doppelsprünge zeigte, und sie erfanden die Lasso-Hebung. In Deutschland waren die beiden Stars. Ria Falk wurde von 1950 bis 1952 dreimal in Folge zur Sportlerin des Jahres gewählt, ihr Mann erhielt diese Ehrung im Jahr 1951.

Trotz der Dominanz der Deutschen wurden vor der Olympia- Entscheidung 1952 in der norwegischen Presse die US-Geschwister Karo und Michael Kennedy als Goldfavoriten gehandelt. Der erwartete Zweikampf zwischen den Deutschen und den Amerikanern bewegte die Massen. 20 000 Zuschauer in der Osloer Bislet-Eishalle bildeten eine würdige Kulisse für den Kampf um Gold. Die Vergabe der Startnummern sorgte für zusätzliche Spannung.

Die Herausforderer aus den USA legten als zweite einen glanzvollen - obgleich nicht ganz fehlerhaften - Lauf hin. Eine Stunde später betraten Paul und Ria Falk als elftes Paar das Eis. Zu den Klängen von Beethovens Egmont-Ouvertüre startet ihre fünf Minuten lange Kür. Zwölf Jahre haben die beiden daran gefeilt. Und an diesem Abend war alles perfekt. Die Belohnung: Gold für die Falks, vor den Kennedys.

"Wir haben mit geschlossenen Augen gewonnen", erinnerte sich Paul Falk später einmal an den Sieg in Oslo, den letzten als Amateure. Nach den Spielen wurden sie Profis und heuerten für 2 000 Dollar Wochengage bei der Eisrevue "Holiday on Ice" an.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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