Olympische Spiele in Sotschi: Proteste von Putins Gnaden

Olympische Spiele in Sotschi
Proteste von Putins Gnaden

Pünktlich zu den Olympischen Spielen will Präsident Putin ein liberales Russland präsentieren. Nach der Freilassung einiger seiner Gegner will Putin nun auch Proteste zulassen – allerdings mit einem Haken.
  • 0

SotschiBei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi genehmigt Gastgeber Russland nun doch Proteste – allerdings nur unter strengen Auflagen. Einen Monat vor den Wettbewerben lockerte Kremlchef Wladimir Putin die scharfen Sicherheitsvorkehrungen ein wenig. Kundgebungen müssten aber in einer „Sonderzone“ der Stadt stattfinden, teilte der Kreml in Moskau mit. Die letzte Entscheidung über Proteste sowie die Zahl der Teilnehmer liege bei den Behörden.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) begrüßte die Ankündigung. Der Schritt stehe im Einklang mit Zusicherungen einer freien Meinungsäußerung, betonte Sprecher Mark Adams in Lausanne. Kritiker fühlten sich hingegen an die „Protestzonen“ bei den Olympischen Sommerspielen in Peking 2008 erinnert. Zudem ist die Bewegungsfreiheit der Gäste und Athleten bei den Winterspielen am Schwarzen Meer vom 7. bis 23. Februar nach Ansicht von Experten auch wegen der blutigen Terroranschläge in Wolgograd extrem eingeschränkt.

Bereits von diesem Dienstag an gilt bis zum 21. März - und damit bis nach den Paralympischen Spielen - rund um Sotschi eine beispiellose Sicherheitszone. In dem Hunderte Quadratkilometer großen Gebiet treten klare Einschränkungen auch für Kurzaufenthalte in Kraft. Kontrollen von Menschen und Fahrzeugen sind jederzeit möglich.

Oberstes Ziel sei die absolute Sicherheit während der Wettkämpfe, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Die letzte Entscheidung über mögliche Demonstrationen unterliege der Verwaltung von Sotschi, dem Inlandsgeheimdienst FSB und dem Innenministerium. Putin habe die Organisatoren der Spiele beauftragt, nicht in direkter Nähe der Sportstätten einen speziellen Kundgebungsplatz zu schaffen.

Kremlkritiker zweifelten an einer fairen Umsetzung der neuen Demonstrationsregeln. Es werde wohl weder Schwulen und Lesben noch Olympiagegnern erlaubt werden, in Sotschi zu protestieren, sagte der Homosexuellen-Aktivist Nikolai Alexejew dem Internetfernsehkanal Doschd. Unter anderem Homosexuellen-Verbände hatten gefordert, während der Spiele gegen Diskriminierung protestieren zu dürfen. In Russland ist ein international umstrittenes Verbot von „Homo-Propaganda“ in Kraft. Dies stellt positive Äußerungen über gleichgeschlechtliche Lebensweisen vor Minderjährigen unter Strafe.

Zunächst hatte Putin ein absolutes Demonstrationsverbot verhängt. Der Inlandsgeheimdienst FSB hatte nach scharfer Kritik an den Plänen betont, die Lockerung des Demonstrationsverbots sei nötig, um der Olympischen Charta gerecht zu werden. Nach Ansicht von Experten gehen die Behörden nun davon aus, dass sie die Sicherheitslage besser kontrollieren können, wenn sie Protest zulassen.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel bot seinem Kollegen Sergej Schoigu telefonisch Hilfe im Terrorkampf an, wie die Regierung in Moskau mitteilte. Zuletzt hatten zwei Anschläge mit insgesamt 34 Toten in Wolgograd Zweifel an der Sicherheit der Spiele geschürt. Indes verließen gut eine Woche nach den Attentaten neun Verletzte die Kliniken. In Wolgograd und Moskau wurden aber weiterhin mehr als 60 Opfer in Krankenhäusern betreut.

Seite 1:

Proteste von Putins Gnaden

Seite 2:

„Totale Kontrolle“

Kommentare zu " Olympische Spiele in Sotschi: Proteste von Putins Gnaden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%