Olympische Winterspiel 2014
Putin, Palmen und Pulverschnee

Wenn Wladimir Putin etwas möchte, dann bekommt er das für gewöhnlich auch. Das soll auch mit den Olympischen Winterspielen 2014 so sein, über deren Austragungsort das IOC am Mittwoch entscheidet. Um sein Ziel zu erreichen, spannt der russische Staatschef die heimische Wirtschaft kräftig ein. Wie die Russland AG die Spiele in den Kur- und Badeort Sotschi holen will.

SOTSCHI. Jetzt wird es langsam Zeit: „Schnell, schnell“, ruft die füllige Dame nervös in ihr Mobiltelefon. Oben auf der Tribüne des blau verspiegelten Konferenzpalastes haben sich bereits Zuschauer eingefunden. Der wichtigste von allen ist auch schon da. Russlands Präsident Wladimir Putin hält ein Schwätzchen mit den Umstehenden. Mindestens 50 der einflussreichsten Manager der Welt haben sich versammelt und fast das ganze russische Kabinett. Während Shell-Chef Jeroen van der Veer mit Russlands Wirtschaftsminister German Gref plaudert, flüstert die Dame immer verzweifelter in ihr Handy: „Wo bleibt ihr denn?“

Sie haben sich verspätet, die Eiskunstläufer, die den Gästen des Petersburger Wirtschaftsforums eine kleine Kostprobe ihres Könnens geben sollen. Eine Show für die mächtigsten Wirtschaftsbosse der Welt soll es werden. Eine Show, um Russlands Anspruch auf die Olympischen Winterspiele 2014 zu unterstreichen. Eine Show für den Kreml-Herrn, denn er ist der Mann hinter der Idee. Putin will die Spiele in den Badeort Sotschi am Schwarzen Meer bringen. Dort steht auch seine Sommerresidenz. Sotschi, sagen die Leute, ist die zweite Hauptstadt Russlands.

Morgen wird sich in Guatemala entscheiden, ob der Traum des ski-begeisterten Präsidenten Wirklichkeit wird. Dann verkündet das Internationale Olympische Komitee (IOC), ob der Kurort mit seinen säulengeschmückten Sanatorien, Palmen und den gewaltigen Bergen im Hinterland den Zuschlag erhält oder doch einer der beiden Konkurrenten, Salzburg oder das südkoreanische Pyeongchang, das Rennen macht.

Der Präsident will sicherstellen, dass es klappt – mit einem bewährten Rezept: Der Staat gibt die Richtung vor, und die Russland AG folgt. Sei es der Alu-Zar Oleg Deripaska, Interros-Chef Wladimir Potanin oder der Energieriese Gazprom – sie alle investieren in das Projekt Olympia.

Dmitri Tschernijschenko, der Chef des russischen Bewerbungskomitees, kann insgesamt 25 Millionen Dollar ausgeben, um die Welt und die Herren Olympias davon zu überzeugen, dass Sotschi die Spiele besser ausrichten kann als die Wettbewerber. Der jugendlich wirkende Mann kennt das Geschäft: Er hat eine der größten Werbeagenturen des Landes aufgebaut, eine schicke Brille auf der Nase und ein Dauerlächeln im Gesicht – so als ob er schon gewonnen hätte. „Stellen Sie sich vor, wie auf der Medaillen-Plaza die Ehrungen vorgenommen werden und im Hintergrund die Sonne im Schwarzen Meer versinkt“, schwärmt er. Und wenn es im Februar 2014 regnet? „Das wird es nicht“, lächelt Tschernijschenko. Aufzeichnungen für einen Zeitraum von gut 50 Jahren belegen: Im Februar scheint die Sonne.

Seite 1:

Putin, Palmen und Pulverschnee

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%