Olympische Winterspiele in Peking
Milliardenversprechen schlagen Menschenrechte

China als Supermacht: Peking wird die erste Stadt in der Olympia-Geschichte, die Sommer- und Winterspiele ausrichtet. Die Organisatoren versprechen hunderte Millionen neue Fans und einen gigantischen Absatzmarkt.
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BangkokAm Ende ist es das Gesetz der großen Zahlen, das bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 den Ausschlag gibt. Als Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nach einem langem Sitzungstag in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur die Kandidatenstadt Peking zum Sieger des Auswahlverfahrens erklärte, bestätigte er damit die Vorahnung der Olympia-Analysten: Chinas vielversprechender Wachstumsmarkt zählt bei den IOC-Mitgliedern mehr als die schneereichen Bergwelten, mit denen der unterlegene Konkurrent Almaty aus Kasachstan ins Rennen ging.

Peking, das als erste Stadt in der Olympia-Geschichte nach Sommerspielen auch Winterspiele ausrichten wird, verspricht hunderte Millionen neuer Wintersportfans und einen lukrativen Sponsoringmarkt. Almaty, das damit warb, die kompletten Spiele in einem 35-Kilometer-Radius abhalten zu können, wirkte für die IOC-Mitglieder offenbar zu mickrig.

Dass sie vor allem mit Größe punkten können, war den Gesandten aus China bewusst: Mit entsprechender Symbolik stellten sie für ihre Abschlusspräsentation den 2,29 Meter großen Nationalhelden Yao Ming auf die Bühne. Der Athlet hat sich zwar nicht im Wintersport, sondern im Basketball einen Namen gemacht. Das schien Chinas PR-Strategen aber kaum zu stören: Für ihr Werbevideo zwängten sie den früheren NBA-Profi in Eishockey-Ausrüstung und ließen in bei einer Partie gegen kleine Kinder antreten.

Die Größenunterschiede zum Gegner strich die chinesische Bewerbung durchgehend als ihr Markenzeichen heraus. „Wenn die Spiele in China stattfinden, wird das 1,3 Milliarden Menschen dazu bringen, sich mit Wintersport zu beschäftigten“, versprach Präsident Xi Jinping in einer Videobotschaft. Mit den großen Zahlen ging es dann weiter: Umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro an lokalen Sponsorengeldern habe das Land bereits bei den Sommerspielen 2008 einwerben können. Das Geschäft mit dem Sport wolle die Regierung im kommenden Jahrzehnt zudem zu einer über 700 Milliarden Euro großen Branche entwickeln. Die Summe entspräche in etwa dem gesamten Bruttoinlandsprodukt der Schweiz.

Liu Peng, Präsident von Chinas Olympischen Komitee, verkündete: „Das Wintersportfieber fegt über unsere Nation.“ 17 Eislaufbahnen gebe es bereits jetzt in Peking, eine Million Teenager trainiere den Sport bereits regelmäßig. Und während es vor 20 Jahren in ganz China noch nicht einmal zehn Ski-Gebiete gegeben habe, seien es jetzt bereits über 500. Zusätzlich warben die Chinesen mit ihrer Prognose, mit olympischer Hilfe 300 Millionen Menschen zusätzlich für den aktiven Wintersport gewinnen zu können.

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