Olympischen Spiele 2008
Peking verkauft der Welt einen Traum

Ein Jahr vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking kennt die Begeisterung in China kaum Grenzen. Doch bis es soweit ist, haben die Verantwortlichen noch eine Menge Arbeit vor sich. Wie eine Stadt gegen den Smog, das Benehmen der Taxifahrer und ein wenig für die Menschenrechte kämpft.

tsp PEKING. Heute ist ein guter Tag im Leben des Zhang Jianyun. Der Chinese versteigert seine Handynummer, das Mindestgebot: 20 700 Euro. Zhang Jianyun hat sie vor sechs Jahren für ein Zehntel gekauft. „Damals dachten die Leute, ich sei verrückt“, sagt Zhang. Heute aber bieten ihm Firmenchefs und reiche Chinesen viel mehr Geld, um unter 20080808 erreichbar zu sein. Die Nummer ist deshalb so begehrt, weil an diesem Datum Olympischen Spiele von Peking eröffnet werden. Und das soll ein wahrhaft glücklicher Tag werden.

Im Jahr 2001 hat das IOC entschieden, die Spiele Peking zu geben. Seither fiebert das bevölkerungsreichste Land der Welt unter dem Motto „One World, one Dream“ dem 8. August 2008 entgegen.

Ein Jahr, bevor die Olympische Flamme über Peking zu brennen beginnt, kennt die Begeisterung im Land kaum Grenzen. 560 000 freiwillige Olympiahelfer haben sich beim Pekinger Organisationskomitee Bocog gemeldet. Viele Chinesen haben bereits in einem der 800 Olympia-Shops die Maskottchen Huanhuan, Nini, Yingying, Jingjing und Beibei gekauft, und das, obwohl oder gerade weil diese so aussehen, als seien sie einem japanischen Manga entsprungen. 10 000 Olympia-Shops sollen es noch werden, schon jetzt ist klar, dass die Spiele ein kommerzieller Erfolg werden.

Nicht jeder teilt Chinas Olympia-Begeisterung. Gestern sind an der Großen Mauer sechs tibetanische Aktivisten festgenommen worden, die gegen die chinesische Herrschaft in Tibet protestierten. Sie hatten das olympische Motto auf einem Plakat umgedeutet: „Eine Welt, ein Traum – befreit Tibet 2008.“ Schon am Vortag hatte die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ vor dem olympischen Hauptquartier gegen die Zensur in China protestiert. „Amnesty International“ kritisierte die Menschenrechtslage in China als „katastrophal“.

Vor solchen Aktionen fürchtet sich Chinas Regierung. Der Korrespondent der Nachrichtenagentur AP hat festgestellt: „Chinas Geheimdienste bereiten sich auf die Spiele vor, indem sie Informationen über Ausländer sammeln, die Proteste initiieren und das Image Chinas im Rampenlicht ruinieren könnten.“

Dem Taxifahrer Wang Zeliang haben die Spiele bisher ein Wort gebracht. „Detour“ heißt es, Umleitung. Mehr Wörter hat er sich nicht merken können vom staatlichen Englisch-Kurs, den jeder Taxifahrer in Peking belegen muss. Eine von vielen Maßnahmen, mit denen das „Zivilisierungsbüro“ die Sitten in der Hauptstadt verbessern will. Auch Spucken, Drängeln und Fluchen sollen sich die Pekinger abgewöhnen.

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