Olympischer Rückblick: Goldenes Dutzend von 2002 ist kaum zu toppen

Olympischer Rückblick
Goldenes Dutzend von 2002 ist kaum zu toppen

Die deutschen Olympioniken waren in Salt Lake City 2002 so verfolgreich wie selten. Ihr goldenes Dutzend überstrahlte alles. Drei schnelle Frauen durften das höchste olympische Glücksgefühl sogar zwei Mal auskosten.

HB TURIN. Als Kati Wilhelm und Andrea Henkel ihren Doppel-Coup im Biathlon längst gelandet hatten, startete Claudia Pechstein auf dem höchstgelegenen Eisschnelllauf-Oval der Welt zu einem 5000-Meter-Rennen der Superlative. An jenem 23. Februar 2002, um 22.35 Uhr MEZ, hatte die Berlinerin bei den XIX. Olympischen Winterspielen in Salt Lake City nach dem 3000-m-Sieg ihre zweite Goldmedaille erkämpft. Und wieder mit Weltrekord! "Es ist der Wahnsinn, dieses Gefühl", schrie Claudia "Glückstein" heraus.

Einen Tag nach ihrem 30. Geburtstag wurde sie von den Fans im Utah Olympic Oval für ihre Traumzeit von 6:46,91 Minuten gefeiert - fünfeinhalb Sekunden unter dem bisherigen Weltrekord. Doch damit nicht genug: Ihr insgesamt siebtes Edelmetall (4 Gold/1 Silber/2 Bronze) und der historische Hattrick mit drei Mal 5000-m-Gold in Serie zwischen Hamar (1994) und Salt Lake City machten sie zur erfolgreichsten deutschen Winter-Olympionikin. An jenem denkwürdigen Abend zog die Musterschülerin von Erfolgstrainer Achim Franke an ihrer Disziplinkollegin Karin Kania-Enke (3/4/1) vorbei. Anni Friesinger gewann den "Busenkrieg", verlor aber das "Zickenduell": Gold über 1500 Meter waren mehr als ein schwacher Trost.

Zwölf Mal erklang zwischen dem 8. und 24. Februar am Großen Salzsee die deutsche Hymne, doch nicht nur Claudia Pechstein hat's in der Mormonen-Metropole doppelt gemacht. "Rotkäppchen" Kati Wilhelm (Zella-Mehlis) gewann den 7,5-km-Sprint und gemeinsam mit 15-km- Siegerin Andrea Henkel (Oberhof) zum krönenden Abschluss auch noch die Biathlon-Staffel. Weil sie auch noch Zweite in der 10-km- Verfolgung wurde, avancierte Kati Wilhelm mit drei Medaillen (2/1/0) zur erfolgreichsten deutschen Teilnehmerin.

Nach dem Schanzen-Krimi und der knappsten Team-Entscheidung aller Zeiten kannte der Jubel bei den deutschen Skispringern keine Grenzen mehr. Nach acht Durchgängen gab es ein Happy End, ein winziger Zehntel-Punkt entschied zu Gunsten des DSV-Quartetts - umgerechnet 5,5 Zentimeter. Martin Schmitt, Sven Hannawald, Michael Uhrmann und Stephan Hocke bekamen 974,1 Punkte, angesichts einer halben Skibreite war Silber für die Finnen (974,0) ein schwacher Trost. "Ich weiß nicht, ob ich so etwas noch einmal durchstehe", stöhnte der damalige Bundestrainer Reinhard Heß, nachdem Schmitt mit seinem glänzenden Comeback und neuen Skiern für den Team-Triumph gesorgt hatte.

Unglaublich spannend machten es auch die Langlauf-Mädchen: 1,3 Sekunden Vorsprung nach 20 Kilometern vor den Norwegerinnen - Schlussläuferin Evi Sachenbacher riss für die DSV-Staffel mit einem beherzten Endspurt den Sieg aus dem Feuer. Unverhofft kommt nicht oft, und so wurde die erste Olympia-Medaille seit 22 Jahren von Manuela Henkel, Viola Bauer, Claudia Künzel und Evi Sachenbacher besonders ausgelassen gefeiert. Den goldenen Schlusspunkt unter die beste Olympia-Bilanz der deutschen Wintersportler setzte der Viererbob von Steuermann Andre Lange; er machte es seinem Kollegen Christoph Langen nach, der im kleinen Schlitten nicht zu schlagen war.

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