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Online-Sportsender: Die Exoten kämpfen im Internet

Ob Tischtennis oder Tauziehen - viele Randsportarten tauchen im Fernsehen nicht auf und bekommen deshalb nur wenig Geld für ihre Sendelizenzen. Viele Sportverbände übertragen ihre Wettbewerbe darum online und erreichen mit ihren eigenen Sendern im Internet mittlerweile mehr Zuschauer als im TV.

Tischtennis-Star Timo Boll erreicht über das Internet bis zu 12 000 Zuschauer. Quelle: ap
Tischtennis-Star Timo Boll erreicht über das Internet bis zu 12 000 Zuschauer. Quelle: ap

KÖLN. Es hat nicht geklappt mit dem großen Triumph. Wenigstens eine Medaille hatte sich die deutsche Tischtennis-Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Yokohama Anfang Mai erhofft. Mit Spitzenspieler Timo Boll hätte das auch gelingen können. Doch der stieg wegen einer Verletzung gar nicht erst in die Maschine nach Japan. Seine Mitstreiter flogen einer nach dem anderen aus dem Turnier. Drei Tage vor dem Finale war keiner von ihnen mehr im Wettbewerb vertreten.

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Benno Neumüller dürfte das nicht gefallen haben. Zu wichtig sind für ihn die Erfolge der deutschen Mannschaft. Vor zwei Jahren sicherte sich der Geschäftsführer von Contenthouse die Vermarktungsrechte an der ersten Bundesliga der Tischtennis-Herren. Sein Kalkül: den Sport aus seiner medialen Nische herausziehen und durch Werbung Geld verdienen. "Das Tischtennis ist ein Juwel, es ist nur etwas verstaubt", sagt Neumüller. Kostenlose Live-Übertragungen im Internet sollen den Sport nun populärer machen.

Bisher spielt Tischtennis im Fernsehen kaum eine Rolle - wie viele andere Sportarten auch. Die Sportverbände ärgern sich über das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das meist die Rechte besitzt. Im sogenannten TV-32-Vertrag bündeln ARD und ZDF für wenige Millionen Euro die Sendelizenzen für Wettbewerbe aus 32 Sportverbänden. Dazu gehören neben dem Bund Deutscher Radfahrer auch Exoten wie der Deutsche Rasenkraftsport- und Tauzieh-Verband. Solche Sportarten tauchen - wenn überhaupt - nur in den Sendungen der Regionalprogramme auf.

Weil dort die Zuschauer fehlen, schalten Sponsoren auch keine Werbespots. Und somit haben die Sender wiederum noch weniger Lust, ein Kamerateam zu einem Wettkampf zu schicken. Diesen Teufelskreis versuchen nun einige Sportverbände mit eigenen Web-TV-Angeboten zu durchbrechen. "Wir sind davon überzeugt, dass wir viel erreichen können", sagt Wieland Speer, Tischtennis-Ligasekretär der Herren. Einfach sei das nicht, denn das Konzept stehe erst am Anfang. "Wir müssen den Markt erst erschließen", sagt Speer.

Um die Internet-Übertragungen aufzupeppen, beschäftigt Rechteinhaber Neumüller rund 40 Mitarbeiter. Vom Techniker bis zum Regisseur produziert seine Mannschaft die fertigen Live-Bilder, einen Kommentar zum Spiel und sogar Vor- und Nachberichterstattung. Bis zu sieben Kameras postiert Neumüller am Spielfeld. Auch den Hallen verpasst er eine Frischekur: Sie sollen am Bildschirm nicht mehr nach Schulsport aussehen. Bis zu 12 000 Zuschauer verfolgen mittlerweile die Begegnungen im Netz. "Für das Internet ist das sensationell", sagt Neumüller.

Doch die Konkurrenz ist groß. Auch andere Sportarten zeigen ihre Wettbewerbe inzwischen im Internet - unterstützt vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). "Hier liegen große Potenziale", sagt Generaldirektor Michael Vesper. "Das ist eine Anlage, die hohe Zinsen verspricht."

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