Optimismus vor dem Team-Wettbewerb: Das Wort „Krise“ ist tabu

Optimismus vor dem Team-Wettbewerb
Das Wort „Krise“ ist tabu

Nach der historischen Pleite verdrängte am Montag die Hoffnung auf Team-Gold ganz schnell die Katerstimmung im deutschen Eisschnelllauf-Team.

HB TURIN. Während die "Golden Girls", die tags zuvor nur Blech gewonnen hatten, auf dem Fahrrad-Ergometer ihr Trainingspensum abspulten, waren Trainer und Funktionäre zwanghaft bemüht, gar nicht erst Krisengerede aufkommen zu lassen. Absehbar ist jedoch, dass den Eis-Assen im nacholympischen Jahr mit der Konzentration der Kräfte Strukturveränderungen ins Haus stehen.

"Die Enttäuschung hält sich in Grenzen. Zwar ist der vierte Platz Scheiße. Aber uns war klar, dass von Platz eins bis fünf alles möglich war", meinte Anni Friesingers Coach Markus Eicher nach dem vierten Platz seines Schützlings, den 9,33 Millionen TV-Zuschauer in der ARD verfolgt hatten. Damit waren die deutschen Damen erstmals seit 1972 ohne olympisches Edelmetall über 3000 Meter geblieben. "Das ist kein Beinbruch. Ihre starken Strecken kommen noch", fügte er hinzu.

"Ich bin Profi und werde das wegstecken", kündigte Friesinger an. "Alles hat ja auch ein Gutes: Die Niederländerinnen sind nun ein wenig in die Favoritenrolle gedrängt", meinte die Inzellerin mit Blick auf die starken Leistungen der Oranjes beim Doppel-Erfolg von Ireen Wüst und Renate Groenewold. Auch Claudia Pechstein, die ab der dritten Runde mit akutem Sauerstoff-Mangel sowie schweren Armen und Beinen zu kämpfen hatte, war die "Jetzt-erst-recht"-Haltung anzumerken. "Ich brauche hier wirklich nicht als Psychologe wirksam zu werden. Es hilft kein Lamentieren, ihr Blick geht nach vorn", bestätigte ihr Coach Joachim Franke.

Trotz des derben Dämpfers gehen die Deutschen als Weltmeister nun voller Optimismus nun in den Team-Wettbewerb. "Ich gehe davon aus, dass wir ins Finale kommen. Und wenn wir das geschafft haben, werden wir auch gewinnen", kündigte Eicher an. Als verantwortlicher Coach für die Verfolgung wird er in Runde eins die beiden Stars schonen und Sabine Völker, Daniela Anschütz-Thoms (beide Erfurt) und Lucille Opitz (Berlin) am Mittwoch in den Zeitlauf schicken. Erst ab dem Viertelfinale, wenn es im K.o.-System weiter geht, werden Friesinger und Pechstein aufgeboten. "Es wäre nicht günstig, wenn ein Läuferin vier Mal starten müsste. Also versuchen wir es so zum Auftakt, bei dem man noch nichts verlieren kann."

Nicht erst als Konsequenz aus den enttäuschenden 3000 Metern forderte Eicher künftig eine Konzentration der Kräfte. "Die A- Mannschaft mit den vier, fünf besten Läuferinnen muss an einem Standort konzentriert werden, ein Trainer den Hut auf haben", meinte Eicher und wandte sich damit gegen das derzeitige System mit nur ein, zwei Top-Athleten an vier oder fünf verschiedenen Orten.

Sportdirektor Günter Schumacher stimmte Reformen beim Aufbau des "Teams Vancouver 2010" grundsätzlich zu. "Wichtigste Philosophie ist aber die Einsichtigkeit, dass alle an einem Strang ziehen", meldete er indirekt erste Zweifel an der Durchsetzbarkeit an. Derzeit ist es kaum vorstellbar, dass Pechstein und Friesinger künftig in einer Trainingsgruppe laufen könnten.

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