Orientierungsschwierigkeiten bei Olympia: PRA, VPC, SRS, OFM, PHP und ENG

Orientierungsschwierigkeiten bei Olympia
PRA, VPC, SRS, OFM, PHP und ENG

Sich bei den Olympischen Winterspielen in Turin zu orientieren führt nicht immer zum Ziel - aber oft nahe an den Wahnsinn.

SESTRIERE. Der Busfahrer sieht den Fragenden ratlos an, dann dreht er die Handflächen nach oben, die Schulter zucken Richtung Kopf: "Non comprendo, non comprendo", ruft er. Vielleicht weiß der Carabiniere in der ersten Reihe des Busses mehr? Er antwortet. Aber mit einem Schwall Italienisch, "Tutti" ist das einzige verständliche Wort. Dabei war die Frage nicht besonders kompliziert - und aus Erfahrung einfach formuliert: "Media Center?"

Wer in den Bergen über Turin seine olympischen Wege finden will, ist auf die Versuch-und-Irrtum- Methode angewiesen. Das kann, wie bei der Suche nach dem Medienzentrum, schon einmal einen Fußmarsch von 20 Minuten nach sich ziehen. Nicht, dass es keine Wegweiser gäbe. Schilder sind reichlich da, auf denen finden sich Armeen von Abkürzungen: PRA, VPC, SRS, OFM, PHP und ENG - und das ist nur eine kleine Auswahl. Die meisten Journalisten haben sich immerhin zwei der Buchstabenkombinationen gemerkt: VPC (Venue Press Center) und MPC (Main Press Center). Allein: Diese werden zwar in den Informationsunterlagen erklärt - auf Schildern findet man sie selten oder gar nicht.

Auch wer in einem der anderen Alpenorte nächtigt und täglich nach Sestriere pendelt, braucht keine Kartenkenntnisse, sondern Glück. Da druckt das Organisationskomitee Pläne mit Haltestellen, die es gar nicht gibt. Oder der Bus hält an Stellen, an denen kein Schild steht. Die extra für die Spiele eingerichteten Haltestellen- Schilder sind klein und beweglich. Für die Italiener, die vieles nach Lust und Laune machen, ein feines Spielzeug - so manch ein Schild hat hier schon seinen Standplatz gewechselt. Wer wissen will, wo die Haltestelle abgeblieben ist, stellt fest, dass er mit Englisch selten weiter kommt.

Wer über mangelnde Fremdsprachenkenntnisse deutscher Schüler klagt, möge doch Sestriere besuchen. Mancher hat das Glück, in einem Auto gefahren zu werden. Dann muss er beten, dass sich gerade kein Bus die Serpentinen hoch windet. Die Straßen sind eng, die Busse breit und elend langsam. Und in einigen Kurven bleiben sie sogar ganz stehen.

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
Handelsblatt / Ressortleiter Unternehmen & Märkte
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