Paralympics 2008
"Das waren Superspiele"

Zum Ende der Paralympics 2008 in Peking zieht der deutsche Chef de Mission Karl Quade Bilanz und ist sowohl mit der Ausrichtung zufrieden als auch der Ausbeute der deutschen Athleten.

Die Professionalität ist gestiegen, doch das Herzliche ist geblieben. Peking hat wie erwartet die wohl besten Paralympics aller Zeiten gesehen. "Bis auf zwei kleine Ausreißer in der Organisation waren das Superspiele", sagte der deutsche Chef de Mission Karl Quade: "Peking hat sich mit einem abenteuerlichen Aufwand ins Zeug gelegt, und die Athleten haben sich sehr wohl gefühlt."

Verbesserung im Medaillenspiegel bleibt aus

Obwohl die Verbesserung des achten Platzes im Medaillenspiegel nicht gelang, war Quade mit dem Ergebnis insgesamt zufrieden: "Was fehlte, waren noch ein paar Goldmedaillen." 14 waren es mit der im Weitsprung von Dreifach-Athen-Sieger Wojtek Czyz am Dienstag; mit insgesamt 59 Medaillen hatte Deutschland vor den Entscheidungen am Tag der Schlussfeier mit nur noch einem deutschen Athleten im Marathon immerhin die siebtbeste Ausbeute.

Zweimal Gold holte die gelähmte Reiterin Hannelore Brenner (Petersau). Die ebenfalls gelähmte Schwimmerin Kirsten Bruhn (Neumünster) und der armamputierte Radsportler Wolfgang Sacher (Penzberg) gewannen Edelmetall in allen Farben. Bruhn war mit fünf Medaillen auch die erfolgreichste Deutsche.

Deutscher Behindertensport verliert zwei seiner Top-Athleten

Nach Peking verliert der deutsche Behindertensport zwei seiner erfolgreichsten Athleten. Marianne Buggenhagen (Berlin), Deutschlands Sportlerin des Jahres 1994, beendet ihre Karriere und holte zum Abschluss noch einmal Gold im Diskus, ihr insgesamt neuntes bei Paralympics. Tischtennis-Spieler Rainer Schmidt (Offenburg, 43) blieb zum Abschluss die neunte Paralympics-Medaille knapp verwehrt, er wurde Vierter. Doch gerade Buggenhagen und Schmidt sprachen nach ihren je sechsten Paralympics von den schönsten, die sie je erlebt haben.

Stelzen-Sprinter Oscar Pistorius gewann bei allen drei Starts und schaffte über seine Spezialstrecke 400m am Dienstag auch den angestrebten Weltrekord. Natalie du Toit, ebenfalls aus Südafrika, neben der im Tischtennis siegreichen Polin Natalia Partyka einzige Doppel-Starterin bei Olympia und Paralympics, holte bei fünf Starts fünfmal Gold, schwamm dabei drei Weltrekorde und stellte zwei paralympische Bestleistungen auf.

Behindertensport wird immer professioneller - Komitee aber mit Schwächen

Insgesamt waren die 13. Paralympics ein großer Schritt zur Professionalisierung des Behindertensports. Leichtathletik und Schwimmen bildeten wie bei Olympia das Herz der Spiele, im Vogelnest und im Water Cube gab es auch zahlreiche gute Leistungen. Amateurhaft verhielt sich in einigen Fällen allenfalls das Internationale Paralympische Komitee (IPC).

Zunächst setzte das IPC ein Rollstuhl-Rennen der Frauen neu an, nachdem die Siegerehrung trotz laufenden Protests fälschlicherweise schon durchgeführt worden war. Dann musste der Berliner Schwimmer Thomas Grimm das bereits unter Tränen verliehene Gold über 100m Brust wieder zurückgeben, weil das IPC die Disqualifikation des Mexikaners Pedro Rangel wegen eines Formfehlers zurücknahm. "Sportlich eine Katastrophe", schimpfte Quade.

Die Hoffnung von IPC-Präsident Phil Craven auf dopingfreie Spiele erfüllte sich nicht. Drei Gewichtheber aus Pakistan, Mali und der Ukraine wurden überführt. Die Bankdrücker sorgten somit für 18 von 21 Doping-Fällen während der letzten drei Paralympics.

Der Fall Ahmet Coskun gilt dagegen nicht als Dopingfall. Der deutsche Rollstuhl-Basketballer war bei einem Test der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) im Trainingslager vor den Spielen positiv getestet worden. Er hatte ein Haarwuchsmittel eingenommen, das wegen maskierender und verschleiernder Wirkung auf der Dopingliste steht.

© SID

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