Paralympics
Quade erwartet in Vancouver "riesige Spiele"

Karl Quade spricht in einem sid-Interview über seine viertägige Inspektionstour durch Vancouver. Er ist überzeugt, dass die Paralympics 2010 "riesige Spiele" werden.

Nach einer viertägigen Inspektionstour durch Vancouver spricht Karl Quade, Chef de Mission des deutschen Paralympics-Teams, in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) über die Paralympics 2010, die Sportstätten, die paralympischen Dörfer, die Verkehrssituation und über seine Erwartungen an die Spiele.

sid: "Herr Quade, Sie waren in den vergangenen Tagen mit zwei Verbandskollegen auf einer Inspektions-Tour in Vancouver. Erwarten Sie nach Ihren Erfahrungen schöne Olympische und Paralympische Spiele?"

Karl Quade: "Von den Rahmenbedingungen her muss ich sagen: Wenn das Wetter mitspielt, werden das riesige Spiele. Insgesamt ist Vancouver nicht nur deutlich weiter als Turin es ein Jahr vor den Spielen 2006 war, sondern weiter als jeder bisherige Olympia-Ausrichter zu diesem Zeitpunkt, vor allem was den Bau der Hallen angeht. Die Eishockeyhalle sah toll aus, große Klasse. In der Curling-Halle wird das Eis kurz vorher verlegt, sonst könnte man da auch sofort anfangen. In beiden Hallen hat das IPC schon Test-Events durchgeführt und die haben gut geklappt."

sid: "Wie sieht es mit den Sportstätten in Whistler aus, wo die alpinen und nordischen Wettbewerbe stattfinden?"

Quade: "In Whistler hatte man keine gute Sicht, es war blödes Wetter. So starken Regen wie in diesem Jahr haben sie dort oben noch nie gesehen. Auch im nächsten Jahr ist alles abhängig vom Wetter, aber man kann davon ausgehen, dass auch das funktioniert. Das Internationale Paralympische Komitee hat im Februar und März alpine und nordische Weltcups in Whistler ausgetragen, da klappte alles gut."

sid: "Konnten Sie auch die Olympischen und Paralympischen Dörfer besichtigen?"

Quade: "Die Dörfer sind beide noch im Bau, man ist aber weiter als in Peking ein Jahr vor den Sommerspielen 2008. Die Demonstrations-Räume, die wir gesehen haben, waren sehr schön und sehr hell. Bei uns würde man ein solches Gebäude wohl als Leichtbau bezeichnen, dennoch werden sich die Athleten sicher wohlfühlen."

sid: "In welchen Bereichen besteht denn noch Nachholbedarf?"

Quade: "Verkehrstechnisch ist es etwas schwierig. In Vancouver muss man für zehn Minuten mindestens eine halbe Stunde einplanen. Da läuft alles etwas zäh. Es gibt keine Highways, und ob eine spezielle Spur für die Busse gebaut wird, ist noch offen. In Whistler selbst wird es keinen Stau geben, aber dort gibt es eben nur typische, enge Bergstraßen."

sid: "Am problematischsten ist sicher die Strecke zwischen den beiden Standorten..."

Quade: "Die Entfernung zwischen Vancouver und Whistler ist mit 120 Kilometern sehr groß. Das ist weiter als von Sestriere nach Turin, und das war schon weit. Außerdem ist der Weg dorthin beschwerlich. Erst fährt man etwa eine Stunde an einem Fjord entlang, dann geht es hoch in die Berge. Da muss man schon zweieinhalb Stunden einkalkulieren. Selbst wenn die Strecke wie geplant von zwei auf vier Spuren ausgebaut wird - woran ich meine Zweifel habe - wird es nicht schneller als in zwei Stunden gehen. Das wird die Kommunikation zwischen den beiden Standorten erschweren."

sid: "Haben Sie schon so etwas wie Olympia-Fieber in der Stadt oder Umgebung bemerkt?"

Quade: "Man trifft die Logos der beiden Spiele allüberall an. Und wenn man mit den Menschen auf der Straße spricht, merkt man die Euphorie. In Salt Lake City 2002 war davon ein Jahr vorher noch überhaupt nichts spüren, und auch in Turin war es sehr wenig. Außerdem sind die Menschen überall sehr freundlich. Das war wirklich beeindruckend. Und viele der Volunteers können als Kind deutscher Eltern deutsch, das hat uns überrascht."

sid: "Spüren Sie auch eine Begeisterung für die Paralympics im Besonderen?"

Quade: "Die Paralympics sind den Menschen ein Begriff. Wir sind dermaßen herzlich aufgenommen worden, das war außergewöhnlich. Schon in Peking war dies alles sehr ausgeprägt, aber dort kam der Schub erst im letzten Jahr. Und da Eishockey in Kanada die absolute Sportart Nummer eins ist, ist auch die Begeisterung für Sledgehockey sehr groß. Der Nordamerica-Cup, der neulich hier ausgetragen wurde, war das erste Behindertensport-Ereignis, das in Kanada live von einem großen Sender übertragen wurde. Und die frei verkaufbaren Karten für die Halbfinals und das Endspiel sind bereits vergriffen."

© SID

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