Paralympics Tischtennis
Wollmert holt erstes Männer-Gold für Deutschland

Der Bann ist gebrochen: Tischtennisspieler Jochen Wollmert hat in Peking nach zuvor vier Frauen als erster deutscher Mann Gold gewonnen. Der Solinger bezwang im Finale Chaoqun Ye.

Ausgerechnet in der Lieblings-Sportart des alles überragenden Gastgebers China hat Tischtennisspieler Jochen Wollmert den Gold-Fluch der deutschen Männer bei den Xiii. Paralympics besiegt. Im größten Spiel seiner Karriere siegte der 43-Jährige aus Solingen in der Klasse sieben und wiederholte in Peking seinen Erfolg von Sydney aus dem Jahr 2000.

Es war am fünften Wettkampftag die erste Goldmedaille für einen deutschen Mann. Die Frauen, obwohl deutlich in der Unterzahl, hatten sich zuvor klar als das starke Geschlecht erwiesen: Sie sorgten für die ersten vier deutschen Erfolge und gewannen 22 der ersten 27 Medaillen. Eine weitere goldene holte am Donnerstag Reiterin Hannelore Brenner. Die 45-Jährige vom Reitclub Hofgut-Petersau gewann nach der Individualprüfung auch die Kür des Grades III.

Sieg in China gegen einen Chinesen "etwas ganz Besonderes"

Dabei kämpfte der Versicherungs-Angestellte Wollmert im Finale der beiden weltbesten Spieler dieser Klasse nicht nur gegen den Weltranglistenzweiten Chaoqun Ye, sondern buchstäblich gegen eine "chinesische Mauer". Zwar sei die erste Medaille von Sydney emotional schwer zu toppen, sagte Wollmert, der an einer Versteifung der Hand- und Fußgelenke leidet, "aber in China gegen einen Chinesen zu gewinnen und gegen dieses Publikum, ist schon etwas ganz Besonderes." Die Halle war voll, die Zuschauer standen wie eine Wand hinter ihrem Mann: "Das war eine beeindruckende Atmosphäre, wie man sie als Tischtennisspieler, zumal im Behindertensport, normalerweise nicht erlebt."

Während des hart umkämpften Spiels, das der Deutsche 3:1 gewann, ging das Publikum manchmal bis an die Grenzen der Fairness. "Doch nachher waren sie wieder ganz lieb", meinte Wollmert schmunzelnd.

Den Sieg verpasst hat dagegen Daniel Arnold. Der Weltranglistenerste aus München, der in Athen 2004 noch Gold gewann, verlor das Finale gegen den Dänen Peter Rosenmeier 1:3. "Heute war wohl nicht mein Tag", sagte Arnold: "Bezeichnend war, dass ich mit einem Netzroller verloren habe."

In derselben Klasse sechs verfehlte Rainer Schmidt seine insgesamt achte Paralympics-Medaille. Der für Offenburg startende Einzel-Sieger von Barcelona 1992 verlor das Spiel um Platz drei gegen den Niederländer Nico Blok 1:3. Schmidt, in Peking deutscher Athletensprecher und von Beruf evangelischer Pastor, erklärte anschließend seinen Rücktritt: "Es war mein letztes Spiel bei Paralympics. Im Mannschafts-Wettbewerb werde ich Jüngere ranlassen."

Dritte Medaille für Bruhn

Ihre bereits dritte Medaille bei diesen Spielen holte Schwimmerin Kirsten Bruhn. Die 39-Jährige aus Neumünster wurde nach je einmal Silber und Bronze unerwartet auch über 400m Freistil Dritte. In ihrer Spezialdisziplin 100m Brust hofft Bruhn am Freitag auf Gold. Über diese Distanz war sie schon in Athen erfolgreich.

Derweil gibt es es zwei weitere Dopingfälle bei Gewichthebern. Wie das Internationale Paralympische Komitee (IPC) mitteilte, wurden in den Urinproben des 45-jährigen Facouro Sissoko aus Mali und der 32-jährigen Ukrainerin Ludmila Osmanowa anabole Steroide gefunden. Beide wurden sofort für zwei Jahre gesperrt, haben aber sieben Tage Zeit für einen Protest. Zuvor war der pakistanische Gewichtheber Naveed Ahmed Butt überführt worden. Schon bei den letzten beiden Paralympics waren die Gewichtheber für 15 von 18 Dopingfällen verantwortlich.

Am Mittwoch war zudem der Fall des deutschen Rollstuhl-Basketballers Ahmet Coskun bekannt geworden. Der 33-Jährige, der ein Haarwuchsmittel eingenommen hatte, gilt aber nicht als offizieller Dopingfall der Paralympics, da die Probe während des Trainingslagers im Auftrag der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) entnommen worden war. Coskun wurde deshalb auch nicht automatisch für zwei Jahre gesperrt.

© SID

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